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(GZ-10-2021)
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► Präsidiumssitzung des Deutschen Städtetags:

 

Schnelle Hilfe für Kinder und Jugendliche!

 

Das Präsidium des Deutschen Städtetags hat in seiner jüngsten virtuellen Sitzung Bund und Länder aufgefordert, den Blick für die massiven Folgen der Corona-Lockdowns im Leben von Kindern und Jugendlichen zu schärfen und mit wirksamen Hilfsmaßnahmen gegenzusteuern. Laut Verbandsvizepräsident, Oberbürgermeister Markus Lewe aus Münster, erlebten Kinder und Jugendliche mehr noch als die meisten Erwachsenen, wie gravierend die Corona-Pandemie ihren Lebensalltag einschränkt.

Lange Phasen des Distanz- oder Wechselunterrichts in Schulen und starke Einschränkungen in Kitas, kaum Treffen mit Freunden, kein Training in den Sportvereinen und abgesagte Gemeinschaftsfahrten forderten ihnen allen viel Verzicht ab, betonte Lewe. Viele könnten keine Zukunftspläne schmieden, weil Ausbildungsplätze schwerer zu finden und die Perspektiven unsicher sind. Dies hinterlasse Spuren in Körper und Seele bei Millionen von Kindern und Jugendlichen.

Milliardenprogramm gefordert

Der Deutsche Städtetag forderte den Bund auf, als ersten Schritt ein Programm von 2 Milliarden Euro aufzulegen, um Kinder und Jugendliche zum Beispiel bei Nachhilfestunden, Sportangeboten, Sommercamps und Sprachschulungen zeitnah zu unterstützen. Dabei gehe es nicht nur darum, Lernrückstände aufzuholen; wichtig sei es, für Viele den Weg zurück in ein unbeschwertes Aufwachsen zu ebnen. Dabei stünden Bildungschancen ebenso auf der Agenda wie eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung.

Lewe zufolge „reichen wir Bund und Ländern die Hand, weil wir die Situation in den Städten kennen. Wir haben gute und effektive Strukturen, um junge Menschen zu unterstützen. Wichtig ist es, auf diese Hilfsangebote und Strukturen zurückzugreifen und diese zu stärken. Das sollte der Bund mit seinen Geldern tun, und die Länder sollten dies durch eigene Mittel spürbar ergänzen.“

Familienberatung ausbauen

Konkret empfiehlt der Deutsche Städtetag, die Familienberatung auszubauen und zusätzliche erlebnispädagogische und psychosoziale Angebote für Kinder- und Jugendliche zu schaffen. Hierfür müssten zusätzliche Personalressourcen bei den Trägern der Jugendhilfe mobilisiert werden. Ergänzend zum Unterricht sollten „Study Halls“ organisiert werden, inklusive einer Betreuung, auch außerhalb von Schulen, etwa in Bibliotheken, Jugendzentren und Kultureinrichtungen.

Dort könnten Kinder und Jugendliche in Distanz lernen und Hausaufgaben erledigen, die das zu Hause technisch oder aufgrund fehlender Räume nicht können.

Darüber hinaus sollte das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien aufgestockt werden. So könnte die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben verbessert werden. Leistungsberechtigte Kinder und Jugendliche sollten etwa die Chance haben, Sport- oder Musikangebote nutzen zu können.

Mehr Schulsozialarbeit

Benötigt werden auch weitere Kapazitäten in der Schulsozialarbeit. Sie seien nötig, um Förderbedarfe bei Kindern und Jugendlichen besser zu identifizieren und in Konfliktsituationen zu helfen. Außerdem sollten die Länder die Kommunen dabei unterstützen, spezifische Förderprogramme für kindgerechte Erholungsmöglichkeiten aufzulegen, beispielsweise für Sommercamps und begleitete Ausflüge. Auch gelte es, Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement in den Stadtvierteln zu stärken. Mentoren sollten Kinder und Jugendliche direkt unterstützen können.

Überdies seien Angebote am Übergang von der Schule zum Beruf, wie Praktika und Orientierungskurse, auszubauen. Die Kommunen hätten hier bereits viel Erfahrung, z.B. in den Jugendberufsagenturen. Die Angebote müssten aber aufgrund der schwierigen Situation im Ausbildungsmarkt erweitert werden. Durch die Corona-Krise gebe es derzeit auch zu wenig Praktikumsmöglichkeiten.

Mittelfristig müssen nach Lewes Auffassung vorhandene Strukturen quantitativ und qualitativ gestärkt werden: in der Kinder- und Jugendhilfe sowie in den niedrigschwelligen Angeboten der psychosozialen Beratungsangebote, Schuldnerberatung, Erziehungsberatung, Schulsozialarbeit sowie in den Unterstützungsstrukturen der Schulpsychologie.

Durch ihr Engagement für Bildungs- und soziale Beratungsangebote hätten die Kommunen viel Erfahrung, um alle zentralen Akteure vor Ort an einen Tisch zu bringen. Ziel müsse es sein, nicht neue Strukturen zu schaffen, sondern bewährte Strukturen zu nutzen und diese auszubauen.

Keine Spaltung in Geimpfte und nicht Geimpfte

Themenwechsel. Im Falle der Aufhebung der Impfpriorisierung sollen nach dem Willen des Kommunalverbandes Corona-Beschränkungen für geimpfte, genesene und getestete Menschen gelockert werden. Dann könnten sich alle Impfwilligen um einen Impftermin bemühen. Solche Lockerungen sollten schrittweise vorgenommen werden. Dabei machte der Deutsche Städtetag auch deutlich, dass ein Urlaub im Sommer ermöglicht werden sollte.

„Je mehr Menschen in den kommenden Wochen geimpft werden, desto drängender wird es, Beschränkungen für Geimpfte aufzuheben“, stellte Verbandspräsident Burkhard Jung (OB Leipzig) fest.

„Wir müssen verhindern, dass dabei die Gesellschaft in Geimpfte und Nichtgeimpfte gespalten wird. Deshalb sollten Geimpfte, Genesene und tagesaktuell negativ Getestete gleichbehandelt werden. Getesteten mit zertifizierten Tests sollten also ebenfalls mehr Freiheiten ermöglicht werden. Über solche Lockerungen sollten wir auch Anreize setzen, dass sich mehr Menschen impfen lassen.“

Wird die Priorisierung aufgehoben, könnten sich alle Impfwilligen um ein Impfangebot bemühen. Dann sollten Lockerungen für Geimpfte, Genesene und Getestete schrittweise erfolgen.

Stufenplan

Dabei sollten zentrale und gut kontrollierbare Lebensbereiche im Vordergrund stehen. Der Stufenplan von Bund und Ländern aus März 2021 könne für Öffnungen ein geeignetes Beispiel sein. Hier sollte auch in den Blick genommen werden, den Menschen Urlaub im Sommer zu ermöglichen, so Jung. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass aus Sicht der Städte der von Bund und Ländern verabschiedete Weg einer befristeten bundeseinheitlichen Notbremse richtig sei:

„Weil die Infektionszahlen immer noch steigen, brauchen wir jetzt diese Klarheit und Verbindlichkeit. Wenn sich die Infektionslage wieder entspannt, brauchen wir natürlich wieder Gestaltungsspielräume vor Ort.“

Jung zeigte sich optimistisch, dass sich der überwiegende Teil der Menschen impfen lassen werde. Das Impfen sei der Schlüssel, um die Pandemie zu bewältigen. Es gebe Fortschritte, doch das Impftempo müsse deutlich beschleunigt werden. Dafür sei ein entscheidender Schritt, dass die Impfpriorisierung spätestens im Juni aufgehoben werden soll.

Die kommunalen Impfzentren sind aus Jungs Sicht für die kommenden Monate weiter eine „zentrale Säule“. Die Impfzentren und vor allem ihre mobilen Teams spielten auch dabei eine besondere Rolle, zurückhaltende Menschen gezielt niedrigschwellig anzusprechen.

„Wir brauchen einen breiten Erfolg bei der Impfkampagne, um das Virus zu besiegen. Das gelingt dann besonders gut, wenn wir trotz sozialer Unterschiede Menschen aus allen Bevölkerungsschichten für die Impfung gewinnen“, unterstrich der Städtetagschef.

DK

 

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