Zu Gast bei: Matthias Hauke, Erster Bürgermeister, Markt Zeitlofs
von Constanze von Hassel

Welche Kommune vertreten Sie und wie viele Einwohner zählt sie?
Ich darf den Markt Zeitlofs im Landkreis Bad Kissingen in der bayerischen Rhön mit knapp 2.000 Einwohnern vertreten.
Was macht Ihre Heimatkommune besonders lebenswert und was sollten Besucher dort unbedingt gesehen haben?
Der Markt Zeitlofs, aber auch die gesamte Region, ist besonders lebenswert durch die Kombination aus intakter Natur, einem aktiven Vereinsleben und vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten. Hier kennt man sich, hält zusammen und gestaltet gemeinsam die Zukunft. Nicht umsonst heißt es bei uns oft, in der Rhön sei „die Welt noch ein Stück weit in Ordnung“. Besucher sollten vor allem die reizvolle Landschaft der Rhön mit ihrem dichten Netz an Wander- und Radwegen erleben. Besonders empfehlenswert ist eine Tour auf dem Rhönexpress-Bahnradweg mit Halt am Gleispark Rupboden mit historischem Schienenbus sowie ein Abstecher zum Deutschen Fahrradmuseum im Staatsbad Bad Brückenau. Auch die „Strecke 46“ als längste historische Autobahnruine Deutschlands ist ein spannendes Ausflugsziel. Für den besonderen Abschluss lohnt sich ein Besuch unseres Himmelsschauplatzes im Sternenpark Rhön im Ortsteil Detter, ein beeindruckender Ort für die Beobachtung des Nachthimmels.
Seit wann sind Sie im Amt (und sind Sie haupt- oder ehrenamtlich tätig)?
Ich bin seit dem 01.05.2020 als hauptamtlicher Bürgermeister im Amt und habe am 01.05.2026 meine zweite Amtszeit angetreten.
Welchen Beruf übten Sie vor Amtsantritt aus?
Ursprünglich habe ich den Beruf des Informationselektronikers erlernt. Nach rund zehn Jahren im Elektrobereich und der Ableistung der Wehrpflicht konnte ich 2011 die Stelle als Wasserwart in meiner Heimatgemeinde übernehmen. Diese Tätigkeit habe ich bis zu meinem Amtsantritt ausgeübt und mich in dieser Zeit berufsbegleitend erfolgreich mit der Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik weiterqualifiziert.
Was hat Sie persönlich motiviert in die Kommunalpolitik zu gehen?
Ich war bereits seit 2008 Mitglied im Gemeinderat und konnte so schon in jungen Jahren die Kommunalpolitik kennenlernen und wertschätzen. Parallel dazu war ich früh ehrenamtlich engagiert, ob als Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr Zeitlofs und später ab dem Jahr 2010 als 1. Kommandant oder auch im örtlichen Sport- und Kulturverein. Das Vereins- und Dorfleben liegt mir schon immer sehr am Herzen. Als mein Vorgänger nach 24 Jahren als ehrenamtlicher Bürgermeister nicht mehr zur Wahl angetreten ist, habe ich die Situation als Chance gesehen, sowohl zur beruflichen Weiterentwicklung als auch, um die eigene Gemeinde aktiv mitzugestalten und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern eine lebens- und liebenswerte Heimat weiterzuentwickeln.
Wie haben Sie sich auf Ihr Amt vorbereitet?
Die 12-jährige Tätigkeit im Gemeinderat sowie meine langjährige Erfahrung als Mitarbeiter des Marktes Zeitlofs haben mir den Einstieg ins Amt sehr erleichtert. Viele Themen und Projekte waren mir bereits vertraut, sodass ich gut vorbereitet starten konnte.
Ein besonders prägendes und zugleich anspruchsvolles Projekt war und ist die Sanierung unserer Wasserversorgungsanlage, die ich bereits in meiner Zeit als Wasserwart mit auf den Weg bringen konnte und die ich nun als Bürgermeister fachlich weiter begleiten darf.
Welche Herausforderungen standen zu Beginn Ihrer Amtszeit im Vordergrund?
Der Wechsel an der Spitze nach 24 Jahren, ein deutlich veränderter Gemeinderat mit über der Hälfte neuer Mitglieder sowie die schon fast vergessene Corona-Pandemie haben zu besonderen und teils unerwarteten Herausforderungen geführt. Gerade in einer Phase, in der man sich eigentlich besser kennenlernen und gemeinsam Projekte anstoßen wollte, standen Abstand statt Nähe und Unsicherheit statt Routine im Vordergrund. Hinzu kommt die finanzielle Situation, die, wie in vielen Kommunen, angesichts der Vielzahl notwendiger Investitionen eine große Herausforderung darstellt und weiterhin umsichtiges Handeln erfordert.
Auf welches Projekt oder welche Entscheidung Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?
Die Neugestaltung des ehemaligen Bahnhofgeländes in Rupboden direkt am interkommunalen Rhönexpress Bahnradweg zum heutigen Gleispark Rupboden ist ein ganz besonderes Projekt. Die Idee wurde noch kurz vor meinem Amtsantritt von einer Bürgerinitiative im Gremium vorgestellt und anschließend vom neuen Gemeinderat aufgegriffen, gemeinsam mit der Bürgerschaft geplant und umgesetzt. Aus der früheren Brachfläche ist ein attraktiver Ort für Erholung, Bewegung und Begegnung für Einheimische wie Gäste entstanden. Wie bei vielen freiwilligen Leistungen stand auch dieses Projekt immer wieder in der Diskussion, öffentlich wie im Gemeinderat selbst. Umso erfreulicher ist es, dass wir an der Umsetzung festgehalten haben und das Projekt noch zum Ende dieser Amtszeit erfolgreich abschließen konnten.
Welche Themen beschäftigen Sie aktuell besonders?
Wir stehen aktuell vor dem größten infrastrukturellen Projekt in der Geschichte des Marktes Zeitlofs: der Sanierung unserer Wasserversorgungsanlagen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von knapp 10 Millionen Euro. Da es sich um eine kostendeckende Einrichtung handelt, sind wir verpflichtet, die Investitionskosten, abzüglich der vergleichsweise geringen Förderung über die RZWas, vollständig über Beiträge/Gebühren zu refinanzieren. Der Gemeinderat hat sich im vergangenen Jahr nach intensiver und ausgiebiger Diskussion für die, sicher härteste, aber im Hinblick auf weitere anstehende Großprojekte und die angespannte finanzielle Lage notwendige, vollständige Refinanzierung über Verbesserungsbeiträge entschieden. Das hat verständlicherweise zu großen Diskussionen und Unmut in der Bevölkerung geführt, was sich auch in den Wahlergebnissen, insbesondere meiner Wahl, widergespiegelt hat. Parallel dazu planen wir den Neubau eines fünfgruppigen Kindergartens und stehen zudem vor der Aufgabe, bei den neu ausgewiesenen Windvorrangflächen im Gemeindegebiet eine möglichst hohe regionale Wertschöpfung zu erzielen.
Mit welchen Themen möchten oder müssen Sie sich künftig auseinandersetzen?
Neben den bereits genannten Projekten wird die finanzielle Situation bei den vielen weiteren notwendigen Sanierungen und Maßnahmen das zentrale Thema bleiben. Hinzu kommen immer neue Aufgaben, die Bund und Land den Kommunen übertragen, beispielhaft sei hier der gesetzlich verankerte Anspruch auf Ganztagsbetreuung genannt. Das stellt uns organisatorisch wie finanziell vor erhebliche Herausforderungen und erfordert klare Prioritäten sowie eine sehr sorgfältige Haushaltsführung.
Wie beziehen Sie Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft in Ihre Arbeit und Entscheidungsprozesse ein?
Für mich haben Transparenz und Ehrlichkeit in der gemeinsamen Arbeit oberste Priorität. Wenn man mit Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft auf Augenhöhe arbeitet und alle Beteiligten von Anfang an in Entscheidungsprozesse einbindet, schafft das Vertrauen und führt in der Regel auch zu tragfähigeren Lösungen. Mir ist wichtig, offen zu informieren, Zusammenhänge klar darzustellen und auch die finanzielle Realität nicht auszublenden. Der Gemeinderat ist dabei das zentrale Entscheidungsgremium, die Verwaltung bereitet die Themen fachlich vor. Die Bürgerschaft binde ich je nach Thema über Bürgerversammlungen und verschiedene Informationsformate ein. Das führt zwar auch mal zu mehr Diskussion, erhöht am Ende aber die Akzeptanz deutlich.
Welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Die Digitalisierung wird die Kommunalpolitik künftig noch effizienter, transparenter und bürgernäher machen. Sie ist ein wichtiges und notwendiges Instrument für eine moderne Verwaltung. Gleichzeitig dürfen wir den persönlichen Kontakt nicht verlieren. Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie haben gezeigt, dass digitale Lösungen hilfreich und notwendig sind, der direkte Austausch vor Ort aber durch nichts zu ersetzen ist. Kommunalpolitik lebt vom persönlichen Miteinander, das muss erhalten bleiben.
Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?
Aus meiner bisherigen Erfahrung hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, zu seiner Überzeugung zu stehen und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, auch wenn der Gegenwind stärker wird. Am Ende gilt auch hier: Ehrlichkeit und Transparenz sind die Grundlage für Vertrauen und erfolgreiche Kommunalpolitik.