Zu Gast bei: Martin Heilig, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg

GZ Ausgabe GZ-9-2026 vom 30. April 2026 | GZ zu Gast bei...
von Constanze von Hassel
Portrait Martin Heilig, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg
Martin Heilig, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg. Bild: Heidi Frank

Welche Kommune vertreten Sie und wie viele Einwohner zählt sie?
Würzburg hat aktuell rund 133.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Seit wann sind Sie im Amt?
Mein Amtsantritt war am 1. Juli 2025.

Welchen Beruf übten Sie vor Amtsantritt aus?
Vor meiner Wahl zum Oberbürgermeister leitete ich als zweiter Bürgermeister das Umwelt- und Klimareferat der Stadt Würzburg. Zuvor war ich Oberstudienrat an der Fach- und Berufsoberschule Marktheidenfeld.

Was hat Sie persönlich motiviert in die Kommunalpolitik zu gehen?
Ich wollte schon immer Politik machen und gestalten. Mitte der Neunziger Jahre war ich Mitbegründer der Grünen Jugend in Bayern und habe früh erlebt, wie viel sich auf unterschiedlichen politischen Ebenen tatsächlich erreichen lässt. Am unmittelbarsten bleibt das für mich bis heute auf kommunaler Ebene. Hier wird Politik greifbar, Entscheidungen zeigen schnell Wirkung und genau das motiviert mich total.
Gleichzeitig war es mir immer wichtig, den Blick zu weiten. Gute Kommunalpolitik endet nicht an der Stadtgrenze. Themen wie Klimaschutz oder Mobilität betreffen ganze Regionen und verlangen nach Zusammenarbeit. Dafür braucht es neue Allianzen und die Bereitschaft, Verantwortung gemeinsam zu denken.

Wie haben Sie sich auf Ihr Amt vorbereitet?
Das Bürgermeisteramt dürfte ideal für den „letzten Schliff“ gewesen sein. Als Stellvertreter meines Vorgängers Christian Schuchardt war ich gleichzeitig Spezialist für mein Ressort, aber auch als Generalist gefragt, der die gesamte Stadt repräsentierte. So konnte ich mich in eine Reihe von Themen tiefer einarbeiten und wertvolle Einblicke gewinnen. Durch diese „Lehrzeit“ in verantwortungsvoller Position treffe ich heute sicher ausgewogenere Entscheidungen als es mir ohne diese Erfahrung möglich gewesen wäre.

Welche Herausforderungen standen zu Beginn Ihrer Amtszeit im Vordergrund?
Wie andernorts müssen wir aktuell auch in Würzburg die Erfahrung machen, dass es uns nicht an großen Visionen mangelt, sondern eher am nötigen Kleingeld. Angesichts der Haushaltslage braucht es klare Prioritäten und eine ehrliche Kommunikation, um immer wieder klar zu machen, dass man sich für einige Dinge entschieden hat und zumindest langfristig nicht automatisch gegen andere.

Auf welches Projekt oder welche Entscheidung Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?
In die noch recht kurze Amtszeit fallen äußerst harmonische Haushaltsberatungen, die dem Verwaltungsentwurf den Rücken stärkten. Wichtig war für mich aber auch die Entscheidung zur weiteren Nutzung der Posthalle. Sie gibt uns als Stadt die nötige Flexibilität für Kultur und Veranstaltungen.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Ganz oben auf meiner Liste stehen neben den Straßenbahnprojekten, also dem Ausbau unseres Netzes, die Multifunktionsarena. Da geht es um einen Ort, der ganz unterschiedliche Bereiche zusammenbringt. Profisport, Breitensport, Konzerte, kulturelle Veranstaltungen und große gesellschaftliche Events.
Für Würzburg bedeutet das eine großartige Chance. Eine moderne Arena kann die Stadt als Standort deutlich attraktiver machen, sowohl für Veranstalter als auch für Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Region. Das stärkt nicht nur das kulturelle Leben, sondern auch Gastronomie, Hotellerie und den lokalen Einzelhandel.
Dauerbrenner bleiben außerdem die drei „Wenden“. Die Klimawende, die Mobilitätswende oder die Wärmewende. Insbesondere bei der letzteren sind wir meines Erachtens weiter als die meisten Kommunen und das könnte sich noch als großer Vorteil erweisen, etwa wenn man später nach den richtigen Firmen und Partnern Ausschau hält.

Mit welchen Themen möchten oder müssen Sie sich künftig auseinandersetzen?
Es sind diese erwähnten nachhaltigen Hausaufgaben und daneben sehe ich auch einige soziale Themen, die uns fordern. Wohnraum ist in Würzburg knapp und teuer geworden, dies ist ein Problem, das viele Auswirkungen hat. Dieser Trend belastet unsere Sozialausgaben, erschwert Integration und Inklusion und ist zumindest im Vergleich zu einigen Kommunen auch ein Standortnachteil, den wir kompensieren müssen.

Wie beziehen Sie Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft in Ihre Arbeit und Entscheidungsprozesse ein?
Gerne möglichst direkt. Bei Bürgerbeteiligungen sehe ich aktuell große Chancen, etwa durch Studien, Umfragen und Abstimmungen nicht nur „die üblichen Verdächtigen“ mitzunehmen. Wir beschäftigen uns in der Smarten Region intensiv mit den Technologien, die dies kostengünstig ermöglichen.

Welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Die Entwicklung nimmt spürbar an Fahrt auf, die Kurve wird jetzt deutlich steiler. Noch gehört es an Stammtischen und in Talkshows fast schon zum guten Ton, über den Stand der Digitalisierung in Behörden zu lästern.
Ich freue mich auf den Moment, in dem sich das dreht und mit derselben Leidenschaft auch über das gesprochen wird, was bereits besser läuft: über konkrete Verbesserungen, echte Erleichterungen im Alltag und über digitale Lösungen, die funktionieren. Statt immer nur die Negativbeispiele und Umstellungsprobleme in den Mittelpunkt zu stellen.

Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?
Es ist wichtig, den eigenen Überzeugungen zu vertrauen. Politik lebt von Haltung und Engagement. Und gleichzeitig ist es elementar, offen zu bleiben, zuzuhören und bereit zu sein, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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