Interview mit Stefan Müller, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern „Genossenschaften liefern Lösungen – nicht nur Konzepte“

GZ Ausgabe GZ-9-2026 vom 30. April 2026 | Interviews
von Redaktion
Foto von Stefan Müller
Stefan Müller. Bild GVB/Henrik Steffens

Die bayerische Kommunalwahl ist vorbei. Neu gewählte Bürgermeisterinnen, Bürgermeister und Landräte stehen vor großen Aufgaben – oft mit knappen Kassen, wachsendem Erwartungsdruck und dem Wunsch, die Menschen aktiv einzubinden. Da kommen Genossenschaften gerade recht. Denn sie sind ein bewährtes Werkzeug kommunaler Problemlösung. Stefan Müller, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) erklärt im Interview, in welchen Bereichen Genossenschaften Kommunen unterstützen können.

GZ: Herr Müller, warum sollten sich neu gewählte Kommunalpolitikerinnen und -politiker jetzt mit Genossenschaften beschäftigen?
Stefan Müller: Weil Genossenschaften Probleme lösen, mit denen Kommunen täglich konfrontiert sind: Versorgung sichern, Akzeptanz schaffen, Projekte finanzieren. Und zwar praxisnah, vor Ort und gemeinsam mit den Menschen.

GZ: Was macht Genossenschaften für Kommunen besonders attraktiv?
Müller:
Sie sind lokal verankert und langfristig orientiert. Entscheidungen fallen nicht anonym, sondern in der Region. Das schafft Vertrauen – und genau das brauchen Kommunen, wenn sie etwas bewegen wollen.

GZ: Ein zentrales Thema ist die Energiewende. Wo liegt hier der konkrete Mehrwert?
Müller:
Bürgerbeteiligung. Wenn Menschen über Energiegenossenschaften mitinvestieren, wächst die Akzeptanz für Photovoltaik und Windprojekte. Wertschöpfung bleibt vor Ort, Konflikte werden weniger – das ist ein echter Standortvorteil für Gemeinden.

GZ: Strom ist das eine, Wärme das andere. Welchen Beitrag können Genossenschaften hier leisten?
Müller:
Wärmenetze sind ein ideales Mittel, um ganze Ortsteile mit günstiger, nachhaltiger Wärme zu versorgen. Viele Kommunen sind derzeit mit der Wärmeplanung beschäftigt.

Genossenschaftliche Wärmenetze können hier eine Lösung sein, nach dem einfachen Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Bürgerinnen und Bürger nehmen die Sache selbst in die Hand, Kommunen sind entlastet und leisten einen Beitrag zu einer sicheren, klimafreundlichen Wärmeversorgung.

GZ: Viele Kommunen kämpfen mit dem Wegfall von Infrastruktur. Können Genossenschaften hier helfen?
Müller:
Ja, und sie tun es bereits. Dorfläden, Dorfheime, lokale Brauereien, Kinos oder sogar Saunen: Was wirtschaftlich schwierig ist, kann genossenschaftlich funktionieren, wenn Bürgerinnen und Bürger Verantwortung übernehmen. So bleiben Treffpunkte erhalten – und damit Lebensqualität. Das stärkt das Miteinander und die Identifikation mit der Heimat.

GZ: Auch die medizinische Versorgung steht vielerorts auf der Kippe. Gibt es Lösungen?
Müller:
Medizinische Versorgungszentren in genossenschaftlicher Trägerschaft sind ein wirksames Modell. Sie sichern ärztliche Versorgung im Ort, entlasten Kommunen und schaffen attraktive Strukturen für Ärztinnen und Ärzte. Das ist ein vielversprechender Ansatz gegen Ärztemangel auf dem Land.

GZ: Welche Rolle spielen die genossenschaftlichen Banken dabei?
Müller:
Sie sind stabile Finanzpartner der Kommunen. Sie kennen die Region, denken langfristig und begleiten Investitionen verlässlich – von der Energieanlage bis zum Dorfladen. Diese Nähe ist durch nichts zu ersetzen. Das gilt auch für den Mittelstand. Volks- und Raiffeisenbanken sind dessen klassischer Partner. Und viele Bürgerinnen und Bürger finden in ihnen einen verlässlichen Begleiter.

GZ: Manche Gemeinden fürchten zusätzlichen Aufwand durch neue Kooperationsmodelle. Zu Recht?
Müller:
Nein. Genossenschaften bringen nicht nur Ideen, sondern Umsetzungskraft mit. Und sie werden begleitet: Der Genossenschaftsverband Bayern unterstützt bei der Gründung mit rechtlicher, wirtschaftlicher und organisatorischer Expertise. Kommunen müssen das Rad nicht neu erfinden.

GZ: Was ist Ihre zentrale Botschaft an die neuen Mandatsträger?
Müller:
Suchen Sie Partner anstatt Einzelkämpfe zu führen. Genossenschaften stehen bereit, Verantwortung zu übernehmen – gemeinsam mit der Kommune. Sie sind keine theoretische Idee, sondern gelebte Praxis. Wer vor Ort Lösungen sucht, findet in ihnen verlässliche Partner, die wirtschaftliche Vernunft mit Bürgernähe verbinden. Wer nachhaltige Lösungen will, sollte Genossenschaften frühzeitig einbeziehen.

Redaktion

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