Zukunft? Bitte nicht stören!

GZ Ausgabe GZ-11-2026 vom 28. Mai 2026 | Pino
von Pino – The First-Cat
Bild der Kolumne "Pino"

Jetzt mal eine Frage an alle Leserinnen und Leser, die die zweite Lebenshälfte schon erreicht haben: Möchten Sie heutzutage jung sein?

Nein, es geht nicht um das Bashing der Gen-Z weil man deren Sprache nicht spricht, ihre Musik merkwürdig oder das ewige Social-Media-Gescrolle nervtötend findet. Es geht um den Vergleich zur eigenen Jugendzeit. Natürlich unverklärt, denn auf ein Früher-war-alles-besser-Niveau sollte man nicht sinken.

Der Bürgermeister hat mir das mal so erklärt: Seine Jugend war für ihn eine Zeit des Aufbruchs, der Pläne, des Vorwärtsdrängens. Man hatte große Ziele, wie man die Welt retten oder wenigstens besser machen könnte – Weltfrieden, Kampf dem Hunger, Sieg über den Krebs. Darunter haben es wenige gemacht. Aber es gab auch die ganz banalen Wünsche und Ziele: Eine Familie gründen, ein Haus bauen (oder eine Wohnung kaufen, wenn man nichts mit Gartenarbeit anfangen konnte), reisen, insgesamt ein spannendes, aber im Grunde gesichertes Leben. Und die Rahmenbedingungen waren ja da. Eine solide Berufsausbildung oder ein Studium als berufliche Basis, ein Bau- oder sonstiger Sparvertrag als Grundlage für das Eigenkapital zum Hausbau und ein breiter Konsens in Gesellschaft und Familie: Die Kinder sollen (werden!) es einmal besser haben.

Wer heute jung ist, kann nicht mehr den Eindruck haben, die ganze Gesellschaft arbeite darauf hin, dass die Zukunft für die nachkommenden Generationen besser, sicherer oder angenehmer wird. Ich rede nicht von den vielbeschworenen äußeren Umständen, die zugegebenermaßen derzeit sehr herausfordernd sind. Denn Kriegsgefahr herrschte permanent von 1946 bis 1989, in Korea, Vietnam und den vielen Stellvertreterkriegen im Afrika der 70er Jahre wurde der Kalte Krieg sogar zu Zeiten heiß. Energiekrisen gab es, wie 1973, und was heute die Klimahysterie ist, war früher die Atomangst. Mit Richard Nixon gab es sogar vor Trump schon einmal einen amerikanischen Präsidenten, der die madman theory kultivierte.

Allerdings war das Mindset der Gesellschaft ein anderes als heute. Früher wurden gesellschaftliche Verhältnisse und Entscheidungen noch daraufhin hinterfragt, welche Auswirkungen sie auf die jungen Generationen haben. Heutzutage wird nur noch der Status quo bewahrt. Beispiel: Die Mieten sind – zumindest in den Städten mit Studien- und Arbeitsplatzangeboten – für junge Leute in der Regel unerschwinglich hoch. Wie wird darauf reagiert? Mit Kappungsgrenzen, Mietpreisbremsen und anderen Instrumenten, die diejenige schützen und privilegieren, die bereits eine Wohnung haben. Und eine Wohnung kaufen? Keine Chance bei den hohen Preisen, vor allem, weil man als junger Mensch kaum das Eigenkapital ansparen kann. Schließlich frisst die Kapitalertragssteuer ein Viertel des Ertrags der Sparanstrengungen.

Wie sieht es mit der Altersvorsorge der heute 20jährigen aus? Wenn der Kanzler die offensichtliche Wahrheit spricht und die gesetzliche Rente Basisversorgung nennt, brüllen die Sozialdemokraten in allen Parteien auf, als wäre Feuer vom Himmel gefallen. Rente mit 70, wie sie die Sozialdemokraten in Dänemark eingeführt haben? Tabu!

Und dann die Jobaussichten – wenn man die Zeitung aufschlägt: katastrophal. Die Automobilindustrie wird von den Chinesen plattgemacht, die KI nimmt in Zukunft allen die Arbeitsplätze weg. Studieren? Sinnlos. Leute, schon vor 50 Jahren starb die deutsche Automobilindustrie, damals angeblich von Japan gemeuchelt. Vor 30 Jahren sollte die Einführung von Informationstechnik alle Bürojobs killen und Not und Verzweiflung über die akademisch Gebildeten bringen. Aber nein, wie durch ein Wunder gelang der Strukturwandel und in den Ruinen des Alten blühte Neues. Diese Erzählung wäre heute wichtig.

80 Prozent der Deutschen wollen Reformen, aber nur 20 Prozent sind bereit, selbst zu verzichten. Wenn auf messbare Fakten wie Demografie und Mathematik verwiesen wird, um Reformen zugunsten der Chancen der Jugend zu begründen, lachen und johlen zukunftsblinde Funktionäre. Viele Arrivierte halten es offenbar mit G.B. Shaw: „Jugend ist etwas Wundervolles. Es ist eine Schande, dass man sie an die Kinder vergeudet.“

Pino

Pino – "The First-Cat" – Pechschwarz, wunderschön und charakterstark!

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