Noch werden Zuschüsse kaum gekürzt: Bayerns Kommunen sorgen auch in finanziell schweren Zeiten für lebendige Vereine

GZ Ausgabe GZ-9-2026 vom 30. April 2026 | Landes-, Bundes- und Europapolitik, Verbände
von Pat Christ
Bild von mehreren Schildern
Kommunen in Bayern unterstützen Vereine nicht nur mit Geld, sondern zum Beispiel auch dadurch, dass die Räumlichkeiten günstig oder unentgeltlich zur Verfügung stellen. Bild: Pat Christ

Sind finanzielle Mittel in der Gemeinde knapp, muss an freiwilligen Leistungen gespart werden. Etwa an Vereinszuschüssen. Wie drastisch das sein kann, zeigt das Beispiel von Oberschleißheim. Anfang März geriet die Kommune in die Schlagzeilen: Der erzwungene Sparkurs, hieß es, könnte die Oberschleißheimer Volkshochschule in ihrer Existenz bedrohen. Viele andere Kommunen in Bayern sind in Not. Wobei weithin versucht wird, das lokale Vereinsleben nicht zu gefährden. Gelten Vereine doch als „sozialer Kitt“.

Wie stark Vereine das kommunale Leben prägen, beweist meist ein rascher Blick auf die Sportseite der lokalen Zeitung. Aber auch das soziale und kulturelle Leben vor Ort wäre ohne Vereine unvorstellbar. Möglich ist dies jedoch nur durch kommunale Zuschüsse. „Bei uns ist die Stadt der mit Abstand größte Fördermittelgeber“, sagt Markus Pasterny, Vorstand des Eislaufvereins Fürstenfeldbruck. Die Stadt schätze seinen Verein auch. So arbeite man aktuell eng zusammen, was die marode, 1972 errichtete Eishalle betrifft. Sowohl den Verein als auch die Stadt bewegt die Frage, wie ein Neubau finanziell gestemmt werden könnte.

Sorgen um Sponsoren

Sorgen bereitet Markus Pasterny, dass die Wirtschaft derart aus dem Gleichgewicht geraten ist. Bisherige Sponsoren und Spender, befürchtet er, könnten bald nicht mehr in der Lage sein, seinen Verein zu unterstützen. „Sponsoren sind aber genauso wichtig wie die Stadt als Zuschussgeber“, sagt er. Kummer bereiten ihm die zunehmenden finanziellen Schwierigkeiten vor allem deshalb, weil er seinen Verein nicht nur als Organisation ansieht, die Sport ermöglicht: „Sportvereine sind ein wichtiger gesellschaftlicher Kitt, wir vermitteln Werte, das braucht man mehr denn je.“

Konsequenzen aus der C-Krise

Wie unnachsichtig während der Corona-Krise über eine aus Sicht von Kindern und Jugendlichen endlos lange Zeit auf Distanz und Disziplin gepocht wurde, hat viel mit jungen Menschen angerichtet. Wie sehr es sie verändert hat, erleben nicht zuletzt Lehrer. Auch Michael Kornherr bekommt das mit. Der Unterschleißheimer unterrichtet in einem Gymnasium. Zudem ist er Vater von vier Kindern. Vor mehr als fünf Jahren beschloss er, mitten in der Corona-Krise, etwas für junge Leute zu tun. So entstand der Verein „Gestalten.Begeistern.Unterschleißheim“ (G.B.U.)

Begehbare Geisterbahn

Bis heute ist es den Vereinsmitgliedern ein großes Anliegen, Kinder in Gemeinschaft an analogen Ereignissen teilhaben zu lassen. Etwa an Spielenachmittagen. Oder Ausflügen. Die Nachfrage ist groß: Viele Kinder und Jugendliche beteiligen sich an den Events. Besonders gern wird das Großprojekt des Vereins angenommen: Die G.B.U. baut alljährlich an Halloween mit 40 Freiwilligen fünf Tage lang ein „Gruselhaus“ auf. 4.000 Euro gibt es dafür seitens der Gemeinde. Wobei der Aufwand für die überregional bekannte, kostenlos begehbare Geisterbahn laut Michael Kornherr die Summe von 10.000 Euro weit übersteigt. Ein Antrag auf 6.000 Euro Zuschuss wurde jedoch abgelehnt.

Klar ist, dass sich das stets von über 2.000 Gästen besuchte Gruselhaus nicht allein aus öffentlichen Mitteln finanzieren kann. Von Anfang an wurde versucht, Sponsoren ins Boot zu holen. Doch das wird immer schwieriger, berichtet auch Michael Kornherr: „Früher wurden uns, kamen wir in eine Bankfiliale oder ein Lebensmittelgeschäft, großzügig Spenden zugesagt, nun hören wir immer öfter ein Nein.“ Oder man wird vertröstet: Vielleicht klappt es nächstes Jahr. Der Verein versucht, das, was wegfällt, damit zu kompensieren, dass Eigenmittel beigesteuert werden. So verzichten Vereinsmitglieder auf die Rückerstattung von Fahrtkosten. Auch werden Angebote reduziert.

Dass es Gemeinden, aber auch Krankenkassen nicht zu ihren Verpflichtungen zählen, Trauerarbeit zu unterstützen, beklagen Stephanie Bölkow und Annika Schönhofer, Vorständinnen des Sternenkinder-Vereins „Erbse & Johanna“ in Oberschleißheim. Für die Begleitung von Eltern, die ihr Kind vor, während oder kurz nach der Geburt verloren haben, gebe es kaum Fördermittel. Auf die Gemeinde Oberschleißheim lassen die beiden jedoch nichts kommen: „Die Zusammenarbeit erleben wir als sehr wertschätzend und unterstützend, wofür wir dankbar sind.“

Wenig Geld für Sternenkinder

Neben der schwierigen finanziellen Situation wirkt sich die Bürokratie laut Stephanie Bölkow sehr negativ aus. Die Antragsverfahren für Fördergelder seien zeitintensiv und komplex: „Was für ehrenamtlich organisierte Strukturen eine zusätzliche Belastung bedeutet.” Eine verlässlichere finanzielle Unterstützung sei dringend notwendig, um mehr Familien mit Sternenkindern helfen zu können.

Unklare Zuständigkeiten

Maike Müller vom Ortsverband Oberschleißheim der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist dankbar, dass diese Organisation nach wie vor für die benutzten Wasserflächen nichts zu zahlen braucht. Zu hoffen bleibe, dass das Oberschleißheimer Schwimmbad erhalten werden kann. Im besten Fall gelinge ein Neubau. Notwendig wäre auch eine moderne Wachstation am Regattabadesee. Das aktuelle Gebäude entspricht nicht mehr den Standards. Dass hier nichts vorangeht, sei aber nicht schuld der Gemeinde. Zu schaffen machten unklare Zuständigkeiten.

Was Oberschleißheim anbelangt, ist beachtlich, wie solidarisch die Vereine untereinander hier sind. Von dieser Solidarität erzählt Gemeinderat Stefan Vohburger (Freie Wähler). Fast alle Vereine hätten eine Zuschusskürzung hingenommen, um die Volkshochschule zu retten. Nachdem deren Schließung gedroht habe, seien die Zuschüsse hierfür doch nicht gekürzt worden. „Die vhs ist eine so wichtige Einrichtung, dass wir sie unbedingt erhalten wollen”, so Gemeinderätin Irene Beck (FDP). Wie es finanziell in Oberschleißheim weitergeht, sei unklar: „Aber man muss positiv denken.“

Nachträgliche Förderung

Sicher gibt es nur wenige Vereine, die ganz allein, ohne Hilfe der Kommune und ohne Unterstützung durch Spender, existieren könnten. Obwohl es schwieriger geworden ist, Gelder zu akquirieren, gelingt es vielen Organisationen noch, sich finanziell gut aufzustellen. So teilt der Heimat- und Kulturkreis Pfaffenhofen mit, dass er trotz niedrigem Jahresbeitrag keine Geldprobleme hat. Der jährliche Zuschussantrag bei der Stadt sei simpel, so Vorständin Ursula Beyer: „Letztes Jahr wurde er erst gekürzt, doch als sich herausstellte, dass das Geld reicht, bekamen wir die Kürzung nachgezahlt.”

Insgesamt neigen Kommunen deutlich weniger als andere Akteure zu der Annahme, dass Organisationen, die um Fördermittel bitten, diese leichtfertig oder falsch verwenden könnten. Oft ist zu hören: Kommunale Zuschüsse zu beantragen, ist erfreulich unaufwändig. „Für Defizite bei Exkursionen bekommen wir einen Zuschuss von der Katholischen Erwachsenenbildung, deren Anträge sind sehr bürokratisch und kosten Zeit“, berichtet Ursula Beyer. Geld erhält ihr Verein auch aus dem staatlichen Denkmaltopf: „Der Zuschussantrag ist einfach, aber der Verwendungsnachweis aufwendig.”

Kämpfe ums Geld

Auch wenn es im Moment außerordentliche Kämpfe ums Geld gibt, sind viele Kommunen noch in der Lage, ihre Vereine ausreichend zu fördern. „Die bisher von uns gewährten Vereinszuschüsse in 2026 entsprechen dem Niveau von 2025 und sind nicht gekürzt worden”, erklärt Renate Konrad, die das Büro des Oberbürgermeisters von Germering leitet. Auch für die kommenden Jahre seien nach derzeitigem Stand keine Kürzungen vorgesehen. Sie selbst kennt kein Vereinsprojekt in Germering, das mangels finanzieller Unterstützung durch die Kommune nicht hätte umgesetzt werden können.

Schwierige Vorstandssuche

Auch wenn Vereine alle Möglichkeiten ausschöpfen können, zu Geld zu kommen, bleibt ein Problem, ergänzt Christian Wanninger, Pressesprecher der Großen Kreisstadt Erding: Es wird immer schwerer, Vorstände zu finden. Über 200 Vereine gibt es in Erding. Um sie gerecht zu fördern, wurden Kultur- und Sportförderrichtlinien erarbeitet. Bei den jüngsten Haushaltsberatungen gab es keine Debatten über Fördermittelkürzungen.

Jugendförderung

In Deggendorf liegt ein Schwerpunkt der Vereinsunterstützung auf der Jugendförderung. Bei fast gleicher Einwohnerzahl wie Erding existieren hier 327 Vereine. In den vergangenen Jahren erhielten sie durchschnittlich pro Jahr 540.000 Euro. Bisher mussten keine Kürzungen vorgenommen werden. Auch in Deggendorf haben Vereine nach Auskunft der Pressestelle vereinzelt das Problem, Nachfolger für die Vorstandsarbeit zu finden.

Sachbearbeiter in den Kommunen begutachten Zuschussanträge und vor allem Anträge auf eine Zuschusserhöhung. Im schwäbischen Königsbrunn werden die Anträge danach fast immer genehmigt, so Pressesprecherin Anke Maresch: „Nur im Bereich Eissport wurden einzelne Anträge um höhere Förderung abgelehnt.“ In der Stadt mit 29.400 Einwohnern sind über 100 Vereine aktiv. Allein in die Unterstützung von Sport- und Kulturvereinen fließen heuer über 266.000 Euro. Ob Kürzungen in Zukunft notwendig werden könnten, könne derzeit nicht beantwortet werden: „Wir hoffen, dass wir diese freiwilligen Leistungen weiter anbieten können.“

Bürger wollen mitgestalten

In einer Großstadt wie Nürnberg ist ein erklecklicher Teil der Bürgerinnen und Bürger an der Mitgestaltung der Stadt in Form von Vereinen interessiert. Das wird auch stark unterstützt. Allein in die Förderung von Kulturvereinen fließen knapp 9,3 Millionen Euro. „Die Gesamtmittel verteilen sich auf etwa 400 Förderbescheide im Jahr”, teilt der Geschäftsbereich Kultur mit. Kürzungen seien nicht geplant: „Punktuell konnte die Kulturförderung für einzelne Institutionen und Vorhaben sogar erhöht werden.” Die Antragsformulare seien bewusst knapp gehalten: „Zudem verlangt die Stadt erst nach Beendigung der Maßnahmen einen entsprechenden Verwendungsnachweis.”

Mitgliederzuwachs in den Sportvereinen

Nicht nur im Kulturbereich sind in Nürnberg viele Menschen in verschiedenen Gruppen und Initiativen aktiv. Bei den Sportvereinen gibt es sogar einen Mitgliederzuwachs. 245 Sportvereine existieren in Nürnberg. Das sind minimal weniger als 2016. Jedoch etwas mehr als 2019, wo die Zahl der Sportvereine bei 240 lag. Laut Schul- und Sportreferat gewährt die Stadt ihren Sportvereinen aktuell einen Zuschuss von insgesamt 3,3 Millionen Euro: „Es ist klarer politischer Wille, bei den Sportvereinen keine Kürzungen herbeizuführen.“

Konzept im Landkreis München

Während Kommunen Vereine jeder Couleur fördern, unterstützt das Landratsamt München mit rund 770.000 Euro pro Jahr bewusst die Jugendarbeit in Sport- und Musikvereinen. Voraussetzung für Sportvereine sind mindestens 20 Mitglieder, davon müssen vier unter 18 Jahre sein. Dann gibt es einen Mindestförderbetrag von 250 Euro sowie 15 Euro pro jugendlichem Mitglied. Musikvereine müssen mindestens zehn Mitglieder haben. Davon müssen ebenfalls mindestens vier unter 18 Jahren sein. Sind al diese Kriterien erfüllt, erhält der Verein auf jeden Fall den Mindestförderbetrag von 200 Euro.

Pat Christ

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