Bayerische Staatsregierung: Partner der Bundeswehr
von Doris Kirchner

Das bayerische Kabinett hat sich jüngst intensiv mit sicherheits- und verteidigungspolitischen Themen befasst und dabei seine Unterstützung für den Ausbau der Bundeswehr sowie den Freistaat als wichtigen Verteidigungs- und Technologiestandort bekräftigt. Ministerpräsident Dr. Markus Söder betonte, Bayern sei bereits heute ein starker Bundeswehrstandort mit 76 Standorten und rund 40.000 Beschäftigten und Soldatinnen und Soldaten. Diese Rolle solle weiter ausgebaut werden.
Im Mittelpunkt der Beratungen stand der geplante Aufwuchs der Bundeswehr. Bis zum Jahr 2035 soll die Truppenstärke bundesweit auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservistinnen und Reservisten anwachsen. Gleichzeitig sind Investitionen in Rüstungsgüter und Infrastruktur in Milliardenhöhe vorgesehen. Bayern rechnet aufgrund seiner Bedeutung als Bundeswehrstandort mit weitreichenden Auswirkungen geplanter Struktur- und Stationierungsentscheidungen des Bundesverteidigungsministeriums.
Neue Musterungszentren und Wehrpflichtdebatte
Die Staatsregierung begrüßt insbesondere die Einrichtung neuer Musterungszentren in Kempten, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um den angestrebten personellen Ausbau der Bundeswehr zu unterstützen. Zugleich äußert sie Zweifel daran, dass das Wachstum allein auf freiwilliger Basis erreicht werden kann. Vor dem Hintergrund der aktuellen sicherheitspolitischen Lage spricht sich der Freistaat daher dafür aus, möglichst rasch die Voraussetzungen für die gesetzlich vorgesehene Bedarfswehrpflicht zu schaffen.
Bayern als Standort der Sicherheitsindustrie
Auch im Bereich der Rüstungs- und Sicherheitsindustrie sieht sich Bayern als zentraler Partner der Bundeswehr. Rund ein Drittel der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist im Freistaat angesiedelt. Die Staatsregierung setzt sich dafür ein, den Anteil heimischer Unternehmen bei Beschaffungen weiter zu erhöhen und insbesondere den Ausbau unbemannter Systeme voranzutreiben. Zudem soll Bayern von zusätzlichen Rüstungsaufträgen profitieren. Nach Söders Worten verfüge der Freistaat bereits heute über ein starkes „Defense-Tech-Cluster“ mit Start-ups.
Satelliten, Flugabwehr und Raketenprojekte
Darüber hinaus sind weitere Projekte im Bereich der Verteidigungstechnologie geplant. Genannt wurden unter anderem der Aufbau eines Satelliten-Kompetenzzentrums der Bundeswehr sowie neue Fähigkeiten im Bereich der Flugabwehr. Mit dem geplanten Flugabwehrschutz in Kaufbeuren soll für Süddeutschland ein Schutzschirm entstehen, der laut Staatsregierung in seiner Funktion dem israelischen „Iron Dome“ ähnelt. Zudem fordert Bayern die Entwicklung eines deutschen Konsortiums für Mittelstreckenraketen als Ersatz für das Tomahawk-System.
Zukunft der Militärstandorte
Auch die Zukunft bestehender Militärstandorte spielte bei den Beratungen eine zentrale Rolle. Im Falle eines möglichen Abzugs von US-Truppen fordert die Staatsregierung den Erhalt des Standorts Vilseck und eine entsprechende Kompensation durch die Bundeswehr. Zudem solle der Bund einen möglichen Einstieg beim Rüstungsunternehmen KNDS im Blick behalten, um technologische Souveränität sicherzustellen.
Drohnenzentrum und Defense-Ökosystem
Ein weiterer Schwerpunkt der Kabinettssitzung war die Entwicklung des ehemaligen Fliegerhorsts Erding zum „Defense Lab Erding“ (DLE). Dort entsteht nach Angaben der Staatsregierung eine bundesweit einmalige Entwicklungsumgebung für Verteidigungs- und Dual-Use-Technologien. Bereits im Februar 2026 wurde auf dem Gelände das Innovationszentrum der Bundeswehr eröffnet, das militärische Innovationen koordinieren und die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Start-ups fördern soll.
Im Mai 2026 folgte die Eröffnung des Drohnenkompetenz- und Abwehrzentrums der Bayerischen Polizei. Dort werden die polizeilichen Drohnenfähigkeiten gebündelt und gemeinsam mit weiteren Akteuren weiterentwickelt. Mit weiteren Einrichtungen wie dem TechHUB SVI von Bayern Innovativ entwickelt sich Erding zunehmend zu einem zentralen Knotenpunkt des bayerischen Defense-Ökosystems.
Infrastrukturprojekte
Für den geplanten Innovationscampus DLE sollen rund 22 Hektar Fläche vom Bund an die Stadt Erding übertragen werden. Parallel dazu gibt das Bundesverteidigungsministerium auch Flächen für wichtige Infrastrukturprojekte wie den Erdinger Ringschluss und die Kreisstraße ED-99 frei. Dadurch könne das Planfeststellungsverfahren für den Ringschluss vorangebracht werden, der als bedeutendes Verkehrsprojekt für die Metropolregion München gilt.
Millioneninvestitionen in militärisches Bauen
Neben technologischen Entwicklungen richtet sich der Fokus auch beim militärischen Bauen auf eine deutliche Erweiterung. Allein im vergangenen Jahr investierte der Freistaat nach eigenen Angaben 290 Millionen Euro in militärische Bauprojekte für die Bundeswehr. Zusammen mit Maßnahmen für NATO, Gaststreitkräfte und zivile Bundesbauten summierte sich das Investitionsvolumen auf insgesamt 590 Millionen Euro.
Die Bayerische Bauverwaltung begleitet seit Jahren umfangreiche militärische Bauprojekte. Dazu zählen Unterkünfte, Ausbildungseinrichtungen und High-Tech-Verteidigungsanlagen. Bayern verantwortet unter anderem die bundesweite Ausschreibung des „Sofortprogramms Infrastruktur Personalgewinnungsorganisation“ mit einem Volumen von einer Milliarde Euro. Ziel ist die schnelle Bereitstellung zusätzlicher Unterkünfte und Ausbildungskapazitäten.
Im Rahmen des Programms „German Armed Forces Contractor Augmentation Program“ sollen zudem bis Ende 2027 bundesweit Investitionen in Höhe von 3,7 Milliarden Euro umgesetzt werden. In Bayern entstehen dabei an 28 Standorten insgesamt 69 Gebäude. Darüber hinaus übernimmt der Freistaat die Federführung bei mehreren Musterplanungen, darunter für hochmoderne Hallenschießanlagen.
Wirtschaftliche Impulse
Mit Blick auf die kommenden Jahre rechnet die Staatsregierung mit einem deutlichen Anstieg der Investitionen. Das jährliche Auftragsvolumen des Bundes für militärische und zivile Bauprojekte könnte in Bayern künftig auf mehr als eine Milliarde Euro steigen. Die Staatsregierung betont, dass diese Investitionen auch dem ländlichen Raum zugutekämen und Arbeitsplätze sowie wirtschaftliche Impulse schaffen würden.