Smart Country Convention in Berlin: Lösungen für den Staat von morgen

GZ Ausgabe GZ-21-2026 vom 5. November 2026 | Verwaltung & Digitalisierung
von Doris Kirchner
Gruppenbild mit Minister
Bundesminister Karsten Wildberger eröffnete als Schirmherr die Messe. Bild: Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung

Die Smart Country Convention in Berlin als eine der führenden Veranstaltungen für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors in Deutschland bot mit mehr als 1.000 Sessions und über 100 Workshops sowie 500 beteiligten Partnern auch dieses Jahr wieder Raum für Wissensaustausch und einen Treffpunkt für alle Akteure, die den digitalen Wandel aktiv vorantreiben. Praktiker aus der öffentlichen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft warteten mit Ideen, Konzepten und Lösungen für die Zukunft der digitalen Verwaltung und für eine smarte Stadtentwicklung auf.

Bundesminister Karsten Wildberger eröffnete als Schirmherr die Messe und skizzierte konkrete Fortschritte bei der technischen Basis: Der Deutschland-Stack bilde das Fundament – mit einheitlichen Standards, offenen Schnittstellen, souveräner Cloud, Registervernetzung und Open Source. „Wir bauen den Deutschland-Stack auf: eine gemeinsame, souveräne digitale Infrastruktur, auf deren Grundlage Verwaltungen, das föderale System, die Bundesländer, aber auch Kommunen und Unternehmen hervorragende Dienste entwickeln können“, hob Wildberger hervor. Zum Once-Only-Prinzip führte er aus: „Ihre Zeit ist zu wertvoll, um Informationen von einer Behörde zur nächsten zu tragen!“

Ein neues Digitalcenter solle die zentralen IT-Einheiten steuern, um den Stack in die Fläche zu den rund 11.000 Kommunen zu bringen. Auch die Beschaffung werde mit dem Marktplatz Deutschland beschleunigt. Für Gründer gehe es mit „G24“ seit August 2026 in zehn Städten voran. KI entlaste mit dem Agentic AI Hub und SPARK die Verwaltungsarbeit deutlich. Und ein direktes Angebot sei wieder gestartet: der PIN-Rücksetz-Dienst für den Online-Ausweis.

Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring besuchte zahlreiche Messestände bayerischer Unternehmen, um sich über innovative Technologien und neue GovTech-Lösungen auszutauschen. Weitere Stationen waren das Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) sowie die Repräsentanz des GovTech Deutschland.

Unter dem Motto „Digital voran“ zeigte die AKDB sowie zusätzlich am Gemeinschaftsstand von VITAKO konkrete Lösungen für die Digitalisierung in der Kommunalverwaltung. Dazu gehören KI-Anwendungen, Cloud-Services, ein skalierbarer kommunaler Cloud-Betrieb, Cybersicherheitslösungen und digitale Identitäten. Das Augenmerk lag dabei bewusst auf der praktischen Umsetzung im Verwaltungsalltag. Darüber hinaus präsentierte sich die AKDB als erfahrener Komplettanbieter, der Kommunen und Behörden von der Beratung, über die Softwareentwicklung bis hin zur Einführung und dem sicheren Betrieb von Digitallösungen begleitet.

Wie Mehring ausführte, setze Bayern setzt bei der Verwaltungsdigitalisierung auf Tempo, Praxistauglichkeit und Lösungen, die möglichst vielen Kommunen zugutekommen. Mit den BayernPackages stelle der Freistaat standardisierte digitale Verwaltungsleistungen bereit, die Städte und Gemeinden unkompliziert übernehmen können. Mit der Fördermanagement-Plattform im Rahmen des Projekts FAZID werde derzeit zudem eine der modernsten souveränen Verwaltungsplattformen Deutschlands entwickelt, über die das bayerische Förderwesen künftig weitgehend automatisiert und vollständig digital abgewickelt werden soll. Auch im Rahmen der Nationalen Digitaloffensive arbeite Bayern mit dem Bund daran, erfolgreiche Anwendungen schneller in die Fläche zu bringen.

„Die Zukunft der Verwaltung entsteht nicht in der Warteschlange vor dem Amt, sondern in den Köpfen derer, die den Staat neu denken. Bayern zeigt, wie das geht: Wir bringen digitale Lösungen aus den Innovationslaboren in die Rathäuser und machen aus technischem Fortschritt echten Bürgerservice“, machte der Minister deutlich. „Mit unseren BayernPackages gilt: einmal clever entwickeln, hundertfach profitieren. Denn nicht jedes Rathaus muss das digitale Rad neu erfinden. Unser Ziel ist ein Staat, der so einfach funktioniert wie eine gute App: intuitiv, schnell und rund um die Uhr erreichbar. Weniger Papierkrieg, mehr digitale Power – das ist unser Anspruch für die Verwaltung von morgen.“

Smart City Index 2026

Dass Bayern auch bei intelligenten Städten und Regionen vorne mitspielt, zeigt der aktuelle Smart City Index 2026 des Digitalverbands Bitkom. München belegt bundesweit Platz zwei, Nürnberg verbessert sich auf Platz vier. Damit kommen zwei der fünf digitalsten deutschen Großstädte aus dem Freistaat.

Doch smarte Kommunen sind längst kein Privileg großer Metropolen. Mit gezielten Förderprogrammen bringt das Bayerische Digitalministerium innovative Technologien auch in kleinere Städte und Gemeinden. Im Rahmen von „TwinBy – Digitale Zwillinge für Bayern“ wurden 17 kommunale Vorhaben unterstützt. Sie nutzen datenbasierte digitale Abbilder ihrer Städte und Gemeinden, um beispielsweise Hochwasserrisiken besser einzuschätzen, Verkehrsströme intelligent zu steuern oder Energie effizienter einzusetzen.

„Kommunal?Digital!“

Auch der Ideenwettbewerb „Kommunal?Digital!“ liefert konkrete Ergebnisse. Zehn bayerische Kommunen entwickelten mit einer Förderung von insgesamt über vier Millionen Euro innovative Lösungen für mehr Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Bürgerbeteiligung. Die erfolgreichen Modellprojekte werden für die Nachnutzung durch andere Kommunen aufbereitet. Überdies arbeitet der Freistaat mit der neuen Plattform twin.bydata daran, kommunale Innovationen künftig noch leichter auffindbar und übertragbar zu machen. „Unser Anspruch ist klar: Aus digitalen Leuchttürmen muss ein Lichtermeer werden. Gute Ideen dürfen nicht an Stadtgrenzen enden. Wir wollen sie vervielfältigen, statt sie immer wieder neu zu erfinden“, hob der Minister hervor.

Technologische Unabhängigkeit

Ein weiterer Schwerpunkt seines Messebesuchs war die technologische Unabhängigkeit der öffentlichen Verwaltung. Mit dem Erprobungsprojekt „SovereignIT“ geht das Bayerische Digitalministerium selbst voran: Bis Ende März 2027 sollen 20 Prozent der Beschäftigten im Ministerium ihre tägliche Arbeit ausschließlich mit einer neuen, digital souveränen Arbeitsplatzsoftware erledigen. Bei Mehrings Besuch am ZenDiS-Stand und beim GovTech Campus Deutschland stand deshalb die Frage im Raum, wie Staat, Wirtschaft und Technologieunternehmen gemeinsam leistungsfähige, offene und langfristig unabhängige digitale Lösungen entwickeln können.

„Wer digital souverän sein will, darf den Schlüssel zum eigenen Maschinenraum nicht aus der Hand geben. Ein moderner Staat muss selbst entscheiden können, mit welcher Technologie er arbeitet und wem er seine Daten anvertraut. Es reicht nicht, eine Software auszutauschen und die alten Abhängigkeiten einfach mitzunehmen“, unterstrich Mehring. „Mit SovereignIT erproben wir deshalb eine neue digitale Arbeitswelt unter realen Bedingungen. Unser Ziel ist keine bayerische Insel, sondern eine Blaupause für die Staatsverwaltung. Denn digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Freiheit durch echte Wahlmöglichkeiten.“

Mit Blick auf die Fortschritte und Herausforderungen der Verwaltungsdigitalisierung im Föderalismus steht für den Minister fest: „16 Bundesländer dürfen nicht 16 digitale Sackgassen bedeuten. Föderalismus muss zum Innovationsmotor werden, nicht zur Software-Bremse. Wir brauchen weniger Zuständigkeits-Pingpong und mehr gemeinsames Tempo. Wer eine gute digitale Lösung entwickelt, sollte sie mit anderen teilen, statt dass der Rest der Republik noch einmal bei null anfängt. Die digitale Zukunft Deutschlands braucht keine 16 Insellösungen, sondern ein gemeinsames Betriebssystem für Fortschritt.“

Weiterlesen: Open Source-Wettbewerb 2026: Bayerischer KI-Doppelsieg

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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