DSGV-Standpunkte: Mehr Tempo bei Innovation und Energiewende
von Redaktion

Die Sparkassen-Finanzgruppe sieht in einer stärkeren Innovationsfinanzierung und einer verlässlichen Energie- und Klimapolitik zentrale Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Deutlich wurde dies bei der Vorstellung des Jahresberichts der Initiative WIN („Wachstums- und Innovationskapital für Deutschland“) sowie eines aktuellen wirtschaftspolitischen Positionspapiers der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe.
Nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) wurden seit dem Start der WIN-Initiative im September 2024 bis Ende des vergangenen Jahres bereits 2,64 Milliarden Euro in Unternehmen investiert. Die Initiative WIN wurde gemeinsam von Bundesregierung, KfW sowie Unternehmen und Verbänden ins Leben gerufen. Ziel ist es, insbesondere jungen innovativen Unternehmen den Zugang zu privatem Kapital zu erleichtern und die Rahmenbedingungen für Investitionen in Deutschland zu verbessern. Bis zum Jahr 2030 sollen insgesamt zwölf Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen mobilisiert werden.
WIN-Initiative
DSGV-Präsident Ulrich Reuter sprach von einem wichtigen Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Die WIN-Initiative bringt Wachstum und Innovation voran. Sie zeigt, was wir gemeinsam erreichen können, wenn Politik, Finanzwirtschaft und Unternehmen sich einbringen“, erklärte Reuter bei der Vorstellung des Jahresberichts. Die Sparkassen sehen sich dabei als wichtiger Finanzierungspartner des Mittelstands und junger Unternehmen. Nach Angaben des DSGV begleiten sie Unternehmen über sämtliche Entwicklungsphasen hinweg – von der Gründung über Wachstumsinvestitionen bis hin zur Unternehmensnachfolge. Damit leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Transformation und zur Sicherung von Arbeitsplätzen.
Unternehmensnachfolge
Zunehmend an Bedeutung gewinnt nach Einschätzung der Sparkassen auch die Unternehmensnachfolge. Viele mittelständische Betriebe stünden in den kommenden Jahren vor einem Generationenwechsel. Dabei gehe es auch um Investitionen in Modernisierung, Digitalisierung und Wachstum. Die erfolgreiche Übergabe von Unternehmen werde damit zu einem wichtigen Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz des Standorts Deutschland.
Parallel dazu mahnen die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe Reformen bei der CO2-Bepreisung und den Energiepreisen an. Hintergrund sind die steigenden Belastungen durch den Krieg im Nahen Osten, der nach Einschätzung der Ökonomen die Unsicherheit auf den Energiemärkten weiter verschärft. Der Emissionshandel bleibe zwar ein wichtiges Instrument des Klimaschutzes, müsse jedoch weiterentwickelt werden. Der CO2-Preis wirke zunehmend als Kostenfaktor für Unternehmen und private Haushalte. Deshalb seien strukturelle Reformen notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern.
Strukturelle Reformen im Visier
Der Chefvolkswirt des DSGV, Reinhold Rickes, fordert unter anderem eine Überprüfung des sogenannten Merit-Order-Prinzips bei der Strompreisbildung sowie Anpassungen beim europäischen CO2-Grenzausgleichssystem CBAM. Zudem sprechen sich die Ökonomen für gezielte Förderinstrumente aus, die Investitionen in klimafreundliche Technologien wirtschaftlich absichern.
Kritisch betrachtet werden auch die parallelen Emissionshandelssysteme in Deutschland und Europa. Übergänge zwischen den Systemen könnten zu starken Preisschwankungen führen und damit Investitionen erschweren. Unternehmen benötigten vor allem Planungssicherheit für Investitionen in klimafreundliche Technologien.
Strompreis
Nach Einschätzung der Sparkassen-Finanzgruppe bleibt zudem der Strompreis ein entscheidender Standortfaktor. Klimafreundliche Technologien müssten wirtschaftlich tragfähig sein, damit die Transformation zur Klimaneutralität gelingen könne. Deshalb fordern die Ökonomen niedrigere Stromkosten, einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien und gezielte Anreize für Investitionen in Dekarbonisierung.
Steigende CO2-Kosten
Zugleich verweisen die Chefvolkswirte auf soziale Folgen steigender CO2-Kosten. Besonders Haushalte mit geringem Einkommen seien durch höhere Heiz- und Wohnkosten belastet. Zielgerichtete Förderprogramme, etwa für energetische Sanierungen, könnten hier wirksamer helfen als pauschale Ausgleichszahlungen. Allein 2025 werden die Einnahmen aus dem nationalen Emissionshandel auf rund 16 Milliarden Euro geschätzt. Diese Mittel sollten nach Ansicht der Ökonomen gezielt für Energieeffizienz und Entlastungsmaßnahmen eingesetzt werden.