Bayerische Energietage 2026: Energiewende. Hier. Jetzt.

GZ Ausgabe GZ-18-2026 vom 24. September 2026 | Energie
von Doris Kirchner
Die Bayerischen Staatsforsten wurden zum Unterstützer im Team Energiewende Bayern ernannt. Foto: StMWi
Die Bayerischen Staatsforsten wurden zum Unterstützer im Team Energiewende Bayern ernannt. Foto: StMWi

Energiewende findet längst nicht mehr nur in Ministerien und Energieunternehmen statt, sondern auf Hausdächern, in Heizkellern, auf landwirtschaftlichen Betrieben, in Kommunen und Energiegenossenschaften. Genau diese Vielfalt machten die 3. Bayerischen Energietage unter dem Motto „Energiewende. Hier. Jetzt.“ sichtbar. Vom 18. bis 26. Juli standen in allen Regierungsbezirken mehr als 200 Veranstaltungen und Aktionen auf dem Programm. Projekte und Technologien wurden den Bürgern vor Ort anschaulich vermittelt.

Eröffnet wurden die Energietage von Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger, Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt und Oberbürgermeister Thomas Burger auf dem Neupfarrplatz in Regensburg. In 13 Pavillons konnten sich Besucher unter anderem über Wärme, Windenergie, erneuerbare Energien und Energieberatung informieren. Mitmachangebote wie Energy Bikes, eine Handkurbelrennbahn für Kinder und ein Poetry Slam ergänzten das Programm.

Staatsminister Aiwanger hob das Engagement von Bürgern, Unternehmen und Kommunen hervor: „Die Bürgerinnen und Bürger Bayerns treiben den Ausbau der Erneuerbaren Energien voran und die Bayerischen Energietage sind der Beweis dafür.“ Der Minister forderte bessere Rahmenbedingungen, schnellere Genehmigungsverfahren sowie einen weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und der Netze.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums stammen inzwischen mehr als 75 Prozent der bayerischen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Bayern verfügt über rund 1,3 Millionen Photovoltaikanlagen. Auch bei Wasserkraft und Biomasse gehört der Freistaat bundesweit zu den führenden Ländern. Bei der Windkraft sieht Aiwanger noch erhebliches Ausbaupotenzial. Er sprach sich unter anderem für zusätzliche Ausschreibungen für den Süden und eine bessere Berücksichtigung der bayerischen Windverhältnisse aus. Auch müsse der Netzausbau mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt halten.

Energiewende zum Anfassen

Beim Thema Photovoltaik ging es neben technischen Fragen um Eigenversorgung, Speicher, Solarstrom in Unternehmen und Kommunen sowie Bürgerenergie. Auch Windkraftanlagen konnten bei verschiedenen Terminen besichtigt werden. Neben der Technik standen dabei Fragen der Akzeptanz und der regionalen Energieversorgung im Mittelpunkt.

Breiten Raum nahm außerdem die Wärmewende ein. Wärmepumpen, Wärmespeicher, Heizungssysteme und Energieeffizienz waren Thema zahlreicher Veranstaltungen. Ein besonders anschauliches Beispiel für neue Wärmequellen wurde am Ammersee präsentiert. Auf der „MS Utting“ informierten die Energieagentur KLIMA3, das Ökoenergie-Institut Bayern und Minister Aiwanger über die Möglichkeiten, Seewasser für die Wärmeversorgung der Anliegergemeinden zu nutzen. Damit wurde eine Energiequelle in den Mittelpunkt gerückt, die in der öffentlichen Diskussion über die Wärmewende bislang deutlich weniger Aufmerksamkeit erhält als Wärmepumpen oder Fernwärme.

Im Rahmen der Veranstaltung „Energiewende zum Anfassen“ am Untreusee in Hof wurden von Abwärme und Batteriespeichern über Photovoltaik und Wärmepumpen bis hin zu Wasserstoff und Windenergie zahlreiche Technologien und Lösungen der Energiewende vorgestellt. Veranstalter waren das Institut für Wasserstoff- und Energietechnik der Hochschule Hof, das Kompetenznetzwerk Wasser und Energie, die Klimaschutzkoordination des Landkreises Hof und die Energieagentur Oberfranken.

Landwirtschaft, Bildung und regionale Lösungen

Eine weitere wichtige Säule bildete die Landwirtschaft. Bei der Veranstaltung „Landwirtschaft unter Strom: Aktuelle Wege der Energiezukunft – PV, Biogas, Wind“ in Neusäß wurde deutlich, dass land- und forstwirtschaftliche Betriebe zunehmend selbst Energie erzeugen und damit zur regionalen Versorgung beitragen können.

Auch die Vermittlung an Kinder und Jugendliche war Bestandteil der Energietage. Im NAWAREUM in Straubing konnten junge Besucher etwa an einer Energie-Rätsel-Rallye teilnehmen und sich mit Biogas, Geothermie, Photovoltaik, Wasserkraft und Windenergie beschäftigen.

Wasserkraft als starke Säule

Einen eigenen großen Schwerpunkt bildeten die „Tage der Wasserkraft 2026“, die der Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke im Rahmen der Energietage organisierte. Zahlreiche Kraftwerksbetreiber öffneten ihre Anlagen und ermöglichten Führungen und Einblicke in die Stromerzeugung aus Wasserkraft.

In der Haslacher Mühle bei Traunstein ging es um Wasserkraft und Krisenresilienz. In Nabburg konnten Besucher eine Stau- und Turbinenanlage besichtigen. An der Kratzmühle im Altmühltal wurden Führungen durch das Kraftwerk mit zwei Francis-Turbinen und einer Fischaufstiegshilfe angeboten.

In Zwiesel stand ein neues Wasserkraftwerk mitten im Stadtgebiet im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dort wurden moderne Turbinen- und Steuerungstechnik, Fischschutz, Gewässerdurchgängigkeit und Hochwasserschutz miteinander verbunden. Nach Angaben des Veranstalters soll sich die Energieerzeugung gegenüber dem bisherigen Kraftwerk verdoppeln.

Weitere Veranstaltungen führten unter anderem nach Kulmbach, Würzburg, Dettelbach, Landau an der Isar, München, Pullach, Feldheim, Oberaudorf-Ebbs, Roßhaupten und Tacherting. Thematisiert wurden dabei nicht nur die Stromerzeugung, sondern auch Fischwanderhilfen, Hochwasserschutz, Gewässerökologie und die Rolle der Wasserkraft für die regionale Versorgungssicherheit.

Nach neun Tagen endeten die dritten Bayerischen Energietage. Bei einem Staatsempfang würdigte Minister Aiwanger das Engagement der zahlreichen Beteiligten. Das Wirtschaftsministerium bezeichnete die Aktionstage als Möglichkeit, Erfolge sichtbar zu machen und neue Impulse für die Zukunft der erneuerbaren Energien zu setzen.

Lesen Sie hier ein Interview mit dem Bayerischen Energieminister Hubert Aiwanger zu den Bayerischen Energietagen 2026.

Interview Hubert Aiwanger
Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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