Bayerische Energietage 2026: „Die Energiewende muss bei den Menschen vor Ort ankommen“
von Constanze von Hassel

Mehr als 200 Veranstaltungen, zahlreiche Technologien und ein gemeinsames Ziel: die Energiewende in Bayern konkret erlebbar zu machen. Im Interview spricht der bayerische Energieminister Hubert Aiwanger über die Bedeutung regionaler Energieprojekte, Akzeptanz in der Bevölkerung und die Frage, wie aus guten Beispielen neue Vorhaben entstehen können. Für ihn steht fest: Die Bayerischen Energietage sollen fortgesetzt werden und künftig noch mehr Menschen zum Mitmachen bewegen.
GZ: Die Bayerischen Energietage 2026 liegen hinter Ihnen. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Staatsminister Hubert Aiwanger: Sehr positiv. Über 200 Veranstaltungen in ganz Bayern zeigen, wie viel beim Ausbau der Erneuerbaren Energien vor Ort bereits passiert. Kommunen, Unternehmen, Vereine, Schulen und viele engagierte Bürger haben das bewiesen. Mein Dank gilt deshalb allen, die sich eingebracht und die Energietage mit Leben gefüllt haben. Energiewende funktioniert nur gemeinsam – und genau diesen Gemeinschaftsgeist haben wir in dieser Woche erlebt.
GZ: Mit welchem Ziel wurden die Bayerischen Energietage ins Leben gerufen? Was sollte das Format für die Energiewende in Bayern leisten?
Aiwanger: Wir wollen die Energiewende zu den Leuten vor Ort bringen. Sie sind es, die am Ende vor ihrer Haustür sehen, wie der Strom erzeugt wird und die Maßnahmen mittragen. Sie sollen sehen können, wie Windkraft, Photovoltaik, Bioenergie, Wasserkraft, Geothermie oder moderne Wärmelösungen funktionieren und in welcher Form sie profitieren können. Wir wollen gute Projekte zeigen, Akteure zusammenbringen und zum Nachmachen motivieren. Denn Akzeptanz entsteht nicht durch Hochglanzbroschüren, sondern wenn die Menschen sehen: Das funktioniert bei uns daheim und bringt einen konkreten Nutzen.
GZ: Mehr als 200 Veranstaltungen fanden bayernweit statt. Was sind dabei Ihre Highlights?
Aiwanger: Mich hat vor allem die enorme Bandbreite beeindruckt. Wind, Sonne, Wasserkraft, Biomasse, Geothermie, Wasserstoff, Wärmenetze – Bayern hat bei der Energieversorgung viele Möglichkeiten und die müssen wir nutzen. Ein gutes Beispiel ist die AmmerSeethermie. Allein im Ammersee steckt rechnerisch ein Wärmeangebot von rund 339 Gigawattstunden. Damit könnte der geschätzte Jahreswärmebedarf der Anrainerkommunen von ca. 277 Gigawattstunden gedeckt werden, was etwa dem Jahreswärmebedarf von 35.000 Haushalten entspricht. Genau solche Potenziale müssen wir heben. Nicht ideologisch eine Technologie vorschreiben, sondern schauen: Was haben wir in der Region und was funktioniert dort am besten?
GZ: Gab es bereits konkrete Impulse, die aus den Energietagen hervorgegangen sind, etwa neue Kooperationen, Projekte oder Erkenntnisse?
Aiwanger: Die Energietage bringen genau die Leute zusammen, die Projekte umsetzen können: Kommunen, Unternehmen, Wissenschaft, Energiegenossenschaften und engagierte Bürger. Daraus entstehen Kontakte und neue Ideen. Für mich ist entscheidend, dass erfolgreiche Projekte nicht irgendwo als Einzelbeispiel stehen bleiben. Wenn etwas funktioniert, müssen andere davon erfahren und davon lernen können. Wir brauchen nicht hundertmal dieselbe Theorie, sondern mehr Erfahrungsaustausch aus der Praxis.
GZ: Das Motto lautete „Energiewende. Hier. Jetzt.“ Inwiefern ist es gelungen, die Energiewende für die Menschen greifbar und erlebbar zu machen?
Aiwanger: Wir haben die Energiewende aus der politischen Debatte herausgeholt und den Menschen ganz konkret gezeigt, was bei ihnen in der Region passiert. Das ist entscheidend. Die Energieversorgung der Zukunft darf nicht im stillen Kämmerlein weit weg von den Menschen geplant werden. Die Leute wollen wissen: Was passiert bei mir, wie funktioniert es und was bringt es? Genau darauf haben die Energietage Antworten gegeben. So schafft man Verständnis und Vertrauen.
GZ: Welche Rolle spielen solche Veranstaltungsformate für die Akzeptanz und das Gelingen der Energiewende in Bayern?
Aiwanger: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien funktioniert nicht nach dem Motto: Die Politik beschließt und die Bürger müssen mitmachen. Wir brauchen die Menschen als Mitgestalter. Kommunen, Unternehmen und Bürger wissen oft selbst am besten, welche Lösungen vor Ort funktionieren. Wenn wir dieses Wissen zusammenbringen und die Leute einbinden, bekommen wir auch die notwendige Akzeptanz. Genau dafür sind die Energietage wichtig.
GZ: Wie soll es mit den Bayerischen Energietagen weitergehen? Welche Erwartungen oder Ziele haben Sie für künftige Ausgaben des Formats?
Aiwanger: Wir wollen die Energietage auf jeden Fall fortsetzen und weiterentwickeln. Entscheidend ist für mich, dass daraus möglichst viel für die Praxis hängen bleibt. Gute Ideen sollen nicht nach einer Veranstaltungswoche wieder in der Schublade verschwinden, sondern möglichst neue Projekte anstoßen. Dafür haben wir mit dem Team Energiewende Bayern ein starkes Netzwerk, das kontinuierlich wächst. Mein Ziel ist klar: noch mehr Mitstreiter gewinnen und noch mehr konkrete Projekte in Bayern auf den Weg bringen.