Rund 100 Interessierte diskutierten in Niederalteich über die Zukunft lebendiger Ortskerne: Innenentwicklung braucht Ideen, Mut und den Blick fürs Ganze
von Redaktion

Wie können Ortskerne wieder zu lebendigen Treffpunkten werden? Welche Rolle spielen Baukultur, Städtebauförderung und Bürgerbeteiligung? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Fachtagung „Erfolgreiche Innenentwicklung im ländlichen Raum“, zu der der Bezirk Niederbayern gemeinsam mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege und dem Bund Deutscher Architektinnen und Architekten Bayern nach Niederalteich eingeladen hatte.
Rund 100 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte sowie Fachleute aus Architektur, Städtebau, Heimatpflege und Verwaltung diskutierten über Strategien für eine nachhaltige Entwicklung der Ortskerne. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich betonte, dass attraktive Zentren weit mehr seien als ein städtebauliches Thema. Sie stärkten Identität, Lebensqualität und die Zukunftsfähigkeit einer Kommune. „Wir müssen Wege finden, unsere Ortsmitten lebendig zu halten. Nur so bleiben unsere Gemeinden für die Menschen attraktiv“, sagte Heinrich.
Revitalisierung bestehender Gebäude
Ein zentrales Thema der Tagung war die Revitalisierung bestehender Gebäude. Claudia Stadler vom Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern machte deutlich, dass Sanierungen häufig wirtschaftlicher seien als ihr Ruf: Neun von zehn der vom Amt begleiteten Projekte lägen unter den Kosten eines vergleichbaren Neubaus.
Auch Rolf-Peter Klar von der Regierung von Niederbayern warb dafür, Innenentwicklung strategisch anzugehen. Grundlage erfolgreicher Projekte seien kommunale Entwicklungskonzepte und eine frühzeitige Beteiligung der Bürgerschaft. Architekt Alfons Döringer zeigte am Beispiel Neuschönau, wie sich Gemeinden durch eine klare Identität und behutsame Weiterentwicklung erfolgreich neu positionieren können.
Neue Impulse brachte auch Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, in die Diskussion ein. Sie regte an, den Handel in Sanierungsgebieten steuerlich stärker zu fördern, um Innenstädte und Ortskerne attraktiver zu machen.
Für Dr. Clemens Knobling, Bezirksheimatpfleger des Bezirks Niederbayern, ist Innenentwicklung zugleich gelebte Heimatpflege. „Wer Heimat weiterentwickeln will, muss die Ortsmitte lebendig halten. Verliert ein Ort seine Mitte, verliert er auch einen Teil seiner Identität.“
Schönberger Erklärung
Die Fachtagung knüpfte an die Veranstaltung aus dem Jahr 2022 an, die politische Folgen hatte. Damals war aus der sogenannten Schönberger Erklärung unter anderem eine bessere Förderung kommunaler Wohnbauprojekte im Gebäudebestand hervorgegangen. Auch diesmal wurde deutlich: Erfolgreiche Innenentwicklung braucht den Mut zum Bestand, fachliche Begleitung – und Kommunalpolitik, die langfristig denkt.
Zum Thema Innenentwicklung haben wir mit Dr. Olaf Heinrich ein Gespräch geführt. Lesen Sie hier das Interview „Die Visitenkarte eines Ortes ist sein Zentrum“ mit dem niederbayerischen Bezirkstagspräsidenten.