Folge 16: Roman Pekis & Matthias Schlicker | Vom Schlammgraben zum Lebensraum: Wie die Gemeinde Baar die Kleine Paar revitalisierte
von Michael von Hassel
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Was passiert, wenn kommunaler Gestaltungswille, fachliches Know-how und ehrenamtliches Engagement zusammenkommen? Die Gemeinde Baar (Schwaben) liefert darauf eine eindrucksvolle Antwort. Innerhalb weniger Jahre wurde aus der stark verschlammten Kleinen Paar wieder ein lebendiger Bach und aus einem Naturschutzprojekt ein Gemeinschaftswerk, das weit über die Gewässerentwicklung hinaus Wirkung entfaltet. Wie das gelungen ist, erzählen Bürgermeister Roman Pekis und Umweltbeauftragter Matthias Schlicker dem Fotokünstler Michael von Hassel in einer neuen Folge des Podcasts „Das gute Beispiel“ der Bayerischen GemeindeZeitung.
Als Roman Pekis vor einigen Jahren nach Baar zog, nahm er das Gewässer Kleine Paar kaum wahr. Der Bach war zu einem schlammgefüllten Graben geworden. Ältere Einwohner erzählten zwar von Zeiten, in denen Kinder dort badeten und spielten, doch davon war kaum noch etwas geblieben. Gemeinsam mit dem Umweltingenieur und heutigen Umweltbeauftragten Matthias Schlicker entstand die Idee, dem Gewässer neues Leben einzuhauchen.
Der Ausgangspunkt war dabei keineswegs nur Naturschutz. Die Kleine Paar hatte mit Verschlammung, Rückstauproblemen und Hochwasserfragen zu kämpfen. Klassische Sanierungsmaßnahmen wären für die 1.300-Einwohner-Gemeinde kaum finanzierbar gewesen. Also entschied man sich für einen pragmatischen Weg: Statt teurer Großprojekte setzte Baar auf Gewässerunterhalt, Eigenleistung und die Aktivierung natürlicher Prozesse. Durch das Einbringen von Kies, Steinen und sogenannten Sohlgleiten sollte das Wasser wieder stärker in Bewegung kommen und den Schlamm selbst austragen.
Der Erfolg stellte sich schneller ein als erwartet. Bereits die erste Mitmachaktion im Sommer 2021 zog rund 40 Helferinnen und Helfer an. Familien, Vereinsmitglieder, Kinder und Senioren arbeiteten gemeinsam am Bach. Aus anfänglicher Skepsis wurde zunehmend Begeisterung. Viele Bürgerinnen und Bürger wollten Teil des Projekts sein. Unterstützt wurde dies durch eine intensive Kommunikation: Informationen im Gemeindeblatt, persönliche Gespräche und öffentliche Arbeitseinsätze sorgten dafür, dass die Menschen die Veränderungen nachvollziehen konnten.
Besonders bemerkenswert ist die Kostenbilanz. Während vergleichbare Maßnahmen andernorts schnell hohe fünf- oder gar sechsstellige Summen erreichen können, investierte die Gemeinde über mehrere Jahre hinweg insgesamt lediglich rund 40.000 Euro – einschließlich Spenden und Preisgeldern. Viele Arbeiten wurden ehrenamtlich erledigt, Maschinen teilweise kostenlos zur Verfügung gestellt. Ohne die unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden der Bürgerinnen und Bürger wäre das Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen.
Die ökologischen Ergebnisse sprechen für sich. Wurden zu Beginn lediglich zwei Fischarten nachgewiesen, sind es inzwischen elf. Auch Kleinstlebewesen, Wasserinsekten und andere empfindliche Arten kehrten zurück. Untersuchungen bestätigten in mehreren Abschnitten inzwischen einen guten ökologischen Zustand des Gewässers. Für Schlicker ist dies der Beweis, wie schnell sich Natur erholen kann, wenn man ihr wieder Raum gibt und ein bisschen hilft.
Doch die Wirkung reicht weit über den Naturschutz hinaus. Heute sitzen Kinder wieder am Bach, spielen im Wasser oder lassen selbst gebaute Boote treiben. Bürger treffen sich an den neu entstandenen Aufenthaltsbereichen. Das Projekt hat das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und die Identifikation mit der Heimat gefördert. „Wir“ sei das entscheidende Wort, betont Bürgermeister Pekis immer wieder. Nicht die Gemeinde habe die Kleine Paar revitalisiert, sondern die Menschen von Baar gemeinsam.
Mittlerweile dient das Projekt auch anderen Kommunen als Vorbild. Bürgermeister und Fachleute aus der Region haben sich die Maßnahmen vor Ort angesehen. Erste Nachahmer gibt es bereits. Für Pekis und Schlicker ist das die schönste Bestätigung ihrer Arbeit: zu zeigen, dass auch kleine Gemeinden mit begrenzten Mitteln Großes bewegen können, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung für ihre Heimat zu übernehmen.
Die Wiederbelebung der Kleinen Paar ist damit weit mehr als eine Gewässerrenaturierung. Sie ist ein Beispiel dafür, wie kommunale Entwicklung gelingen kann: pragmatisch, kostengünstig, gemeinschaftlich und mit einem klaren Blick auf das, was vor Ort möglich ist. Genau deshalb ist sie ein echtes „gutes Beispiel“.