Handwerk mit Wert: Schwangau präsentiert sich kulinarisch
von Dr. Jürgen Gros

2024 war das Schwangauer Gourmet-Festival ein voller Erfolg. 2026 kommt es zur Neuauflage des Kulinarikevents, das ganz im Zeichen regionaler Produkte und der heimischen Landwirtschaft steht. Der Schwangauer Bürgermeister Stefan Rinke erklärt im Gespräch mit der Bayerischen GemeindeZeitung was Kommune, heimische Land- und Gastwirtschaft vom Festival haben und warum es in dieser Form einmalig in Bayern ist.
GZ: Herr Rinke, am 9. Mai kommt es zur Neuauflage des Gourmet-Festivals in Schwangau. Was ist die Vision dahinter?
Stefan Rinke: Die Menschen sollen regionale Produkte und handwerkliche Kochkunst wertschätzen. Unverändert bleibt das die ursprüngliche Idee. Heuer steht die Bedeutung unserer heimischen Landwirtschaft für die Gastronomie besonders im Fokus. Jeder Koch wird im Beisein des regionalen Erzeugers ein Gericht mit dessen Produkten zubereiten. Neben höchstem kulinarischem Genuss bietet sich den Gästen die seltene Gelegenheit mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen.
Neue Geschäftsbeziehungen und Netzwerke
GZ: Ein solches Festival ist also weit mehr als Genuss. Blicken wir auf die Premiere 2024 zurück. Welche konkreten Effekte konnten Sie für lokale Betriebe, Produzenten und die Gemeinde beobachten?
Rinke: Die Begeisterung von Gästen und Mitwirkenden war noch lange spürbar. Es haben sich neue Geschäftsbeziehungen und Netzwerke gebildet. Ausgebaut und intensiviert wurde durch das Festival vor allem die Kooperation mit und unter den Berufsschulen im Allgäu. Die Strahlkraft und der Erfolg haben zu einem positiven Image der Branche beigetragen und helfen so bei der Nachwuchsgewinnung. Für die Tourismusregion Allgäu ist das Standortsicherung. Im Übrigen ist es mit dem Festival gelungen, Schwangau als Genussort zu etablieren.
GZ: Jetzt ist es ja nicht so, dass vor den Schwangauern nicht auch andere schon ähnliche Ideen gehabt hätten. Was machen die Organisatoren bewusst und erfolgreich anders als andere Kommunen?
Rinke: Der Hauptunterschied ist, dass das Festival in Schwan-gau nicht kommerziell ist. Die Veranstalter sind Idealisten. Ihre Mission ist es, ein allgemeines Bewusstsein für den Wert des Handwerks und der regionalen Produkte zu schaffen. Alle Mitwirkenden arbeiten ohne Vergütung. Lediglich der Wareneinsatz wird zum Selbstkostenpreis kalkuliert. Das gilt auch für die Musiker und Künstler aus der Region, die mitmachen. Dadurch hat das Festival einen ganz eigenen Geist wachgerufen.
GZ: Veranstaltungen dieser Art bringen immer auch Herausforderungen mit sich – von Finanzierung über Logistik bis hin zur Akzeptanz in der Bevölkerung. Welche Hürden waren zu überwinden und was würden Sie Kollegen in anderen Rathäusern konkret raten, wenn sie Ähnliches angehen möchten?
Rinke: Der Erfolg hängt maßgeblich von den Machern vor Ort ab. In Schwangau haben wir das Glück, dass Spitzenkoch Simon Prokscha und Wirt Andreas Helmer das Festival organisieren. Ohne den leidenschaftlichen Einsatz und die Branchenvernetzung dieser beiden Persönlichkeiten wäre die Veranstaltung nicht vorstellbar. Zusätzlich werden die Initiatoren von der Gemeinde und den örtlichen Tourismusunternehmen voll unterstützt. Auf dem Reißbrett lässt sich nach meiner Überzeugung so ein Festival nicht planen.
GZ: Was sind aus Ihrer Sicht drei zentrale Erfolgsfaktoren, die dafür gesorgt haben, dass es nun Anfang Mai mit dem Festival in die zweite Runde geht?
Rinke: Ausschlaggebend für die Fortsetzung war die positive Resonanz bei Gästen und Mitwirkenden. Das sind die zwei maßgeblichen Faktoren. Bei der Premiere ist es gelungen, die Menschen vor und hinter dem Herd zu begeistern. Drittens geht es um Interessenvertretung von Land- und Gastwirtschaft. Deswegen war es ein Erfolg und eine Ehre, die Bayerische Tourismusministerin als Schirmherrin zu gewinnen.
GZ: Auf was freuen Sie sich persönlich am 9. Mai am meisten?
Rinke: Der Höhepunkt wird für mich die Verleihung der Auszeichnung „Junge Allgäuer Wurzeln – Talente aus Landwirtschaft und Gastronomie gestalten Zukunft“ an Auszubildende aus Hotellerie, Gastronomie, Tourismus und Landwirtschaft sein. Die teilnehmenden Berufsschüler und ihre Lehrer sind hochmotiviert und mit viel Herz dabei. Daneben freue ich mich sehr auf die vielfältigen kulinarischen Genüsse und das Gespräch mit Spitzenerzeugern und Spitzenköchen.