Zu Gast bei: Thomas Stamm, Erster Bürgermeister der der Stadt Marktheidenfeld

GZ Ausgabe GZ-19-2026 vom 8. Oktober 2026 | GZ zu Gast bei...
von Constanze von Hassel
Porträtbild des Bürgermeisters
Thomas Stamm, Erster Bürgermeister der der Stadt Marktheidenfeld. Bild: Marktheidenfeld

Welche Kommune vertreten Sie und wie viele Einwohner zählt sie?
Ich vertrete die Stadt Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart mit rund 12.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Sie umfasst die Kernstadt sowie insgesamt sechs Stadtteile.

Was macht Ihre Heimatkommune besonders lebenswert und was sollten Besucher dort unbedingt gesehen haben?
Marktheidenfeld lebt von seinen Menschen. Wir haben ein außergewöhnlich lebendiges und aktives Vereinsleben, das unsere Stadt prägt. Ein echtes Schmuckstück ist das städtische Franck-Haus mit seinem barocken Prunksaal und wechselnden Kunstausstellungen. Dazu lädt unsere schöne historische Altstadt mit ihren Einzelhandelsgeschäften und einer vielfältigen regionalen Gastronomie zum Verweilen und Genießen mit allen Sinnen ein. Seit 2024 dürfen wir offiziell den Titel „GenussOrt Bayern“ tragen. Ein lohnender Abstecher ist die Mainuferpromenade mit dem Stadtgärtchen am Mainkai.

Über das Jahr verteilt gibt es zahlreiche Feste und Märkte wie den Mai-, den Martini- und den Adventsmarkt. Das absolute Highlight ist die Laurenzi-Messe im August mit ihrem besonderen Zusammenspiel aus Vergnügungspark und Marktmeile. Familien und Erholungssuchenden empfehle ich unser Freizeitbad „M2 – Bad am Maradies“ sowie den schönen Spielplatz an den Maradiesseen. Und wer die Natur liebt, findet beim Radfahren und Wandern im Spessartwald und entlang des Mains die passenden Ziele.


Seit wann sind Sie im Amt (und sind Sie haupt- oder ehrenamtlich tätig)?
Ich bin seit Mai 2020 hauptamtlicher Erster Bürgermeister. Der Amtsantritt fiel also mitten in die Corona-Zeit. Im Frühjahr 2026 wurde ich für sechs Jahre wiedergewählt.

Welchen Beruf übten Sie vor Amtsantritt aus?
Ich war in der bayerischen Steuerverwaltung (Finanzamt) tätig.

Was hat Sie persönlich motiviert in die Kommunalpolitik zu gehen?
Für mich war es die Möglichkeit, meine Heimat aktiv mitzugestalten und Verantwortung für die Stadt zu übernehmen, in der ich aufgewachsen bin.

Wie haben Sie sich auf Ihr Amt vorbereitet?
Meine Zeit im Finanzamt war eine wertvolle Grundlage. Gerade das Verständnis für Verwaltungsabläufe hilft mir bis heute. Darüber hinaus habe ich vor allem das Gespräch gesucht: mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, mit der Verwaltung, mit Stadträtinnen und Stadträten und mit den Bürgerinnen und Bürgern. Letztlich lernt man dieses Amt aber vor allem in der täglichen Praxis. Auch von meiner langjährigen ehrenamtlichen Funktionärstätigkeit im Rudern habe ich profitiert.

Welche Herausforderungen standen zu Beginn Ihrer Amtszeit im Vordergrund?
Es war eine intensive Anfangszeit. Die Corona-Pandemie hat uns vom ersten Tag an gefordert. Gleichzeitig steckten wir mitten in einer schwierigen Auseinandersetzung um unser Schwimmbad, die uns bis heute viel Aufmerksamkeit abverlangt. Ein großer Erfolg für uns war daher im letzten Jahr, dass wir die Herausgabe des Bades erwirken und es als ‚M2 – Bad am Maradies‘ wieder für die Bürgerinnen und Bürger zugänglich machen konnten.

Auf welches Projekt oder welche Entscheidung Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?
Besonders freue ich mich über den Kauf des Alten Pfarrhauses mit seinem großen Garten mitten in der Altstadt. Nach einer Sanierung soll es künftig städtischen Einrichtungen wie der Musikschule und der Volkshochschule ein Zuhause geben – ein echter Gewinn für unsere Innenstadt. Zudem freut es mich, dass wir in diesem Jahr den Planungsauftrag zur Aufwertung und Neugestaltung unseres Mainufers vergeben konnten.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Vor allem die wirtschaftliche Entwicklung: Wir spüren, dass Unternehmen Stellen abbauen, und das macht mir Sorge. Damit eng verbunden ist die angespannte Haushaltslage unserer Stadt. Knappe Kassen zwingen uns, Prioritäten sehr sorgfältig zu setzen und alle Projekte, insbesondere die sogenannten freiwilligen Leistungen, auf den Prüfstand zu stellen. Zu unseren großen laufenden Vorhaben zählen die Erweiterung und Sanierung von Grund- und Mittelschule. Hinzu kommt, dass auch der Landkreis auf die Einnahmen der Kommunen angewiesen ist – etwa im Zusammenhang mit dem laufenden Neubau des Zentralklinikums.

Mit welchen Themen möchten oder müssen Sie sich künftig auseinandersetzen?
Neben der Sicherung solider städtischer Finanzen werden uns Zukunftsthemen wie eine attraktive und lebendige Innenstadt, bezahlbarer Wohnraum, der Klimaschutz sowie die Erhaltung und Stärkung des Wirtschaftsstandorts weiter begleiten. Auch die Digitalisierung der Verwaltung steht für mich ganz oben auf der Agenda.

Wie beziehen Sie Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft in Ihre Arbeit und Entscheidungsprozesse ein?
Gute Kommunalpolitik gelingt nur gemeinsam. Innerhalb der Verwaltung setze ich auf einen offenen, vertrauensvollen Austausch und kurze Wege. Mit den Führungskräften findet dazu wöchentlich ein Abstimmungsgespräch statt. Den Stadtrat binde ich frühzeitig und transparent in Entscheidungen ein. Ich bin zudem viel auf Veranstaltungen unterwegs und für die Bürgerinnen und Bürger persönlich ansprechbar. Regelmäßig laden wir zu Bürgerversammlungen ein. Auch unsere städtische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist sehr aktiv –über Pressemitteilungen, das Mitteilungsblatt, unsere App und Social Media.

Welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Einen sehr großen. Die Digitalisierung bietet die Chance, die Verwaltung bürgerfreundlicher und ihre Prozesse schneller und effizienter zu machen; etwa durch digitale Dienstleistungen, die rund um die Uhr von zu Hause aus genutzt werden können. Gleichzeitig dürfen wir niemanden zurücklassen: Der persönliche Kontakt und ein Ansprechpartner vor Ort müssen erhalten bleiben. Die Kunst wird sein, beides sinnvoll miteinander zu verbinden.

Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?
Bleiben Sie authentisch, hören Sie gut zu und suchen Sie das Gespräch – mit der Verwaltung, dem Gremium und mit den Bürgerinnen und Bürgern. Man muss nicht sofort alles selbst wissen; ein gutes Team und der Mut, Entscheidungen zu treffen, tragen weit. Und bei allen Herausforderungen sollte man die Freude an der Gestaltung der eigenen Heimat nie verlieren.

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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