Zu Gast bei: Sarah Höfler, Erste Bürgermeisterin des Marktes Cadolzburg
von Constanze von Hassel

Welche Kommune vertreten Sie und wie viele Einwohner zählt sie?
Ich bin Erste Bürgermeisterin des Marktes Cadolzburg im Landkreis Fürth mit rund 11.700 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Was macht Ihre Heimatkommune besonders lebenswert und was sollten Besucher dort unbedingt gesehen haben?
Cadolzburg verbindet Geschichte mit Zukunft. Unsere historische Burg prägt den Ort seit Jahrhunderten, gleichzeitig entstehen neue Wohn- und Gewerbegebiete, moderne Schulen und neue Infrastruktur. Genau diese Mischung macht unsere Marktgemeinde aus.
Wer uns besucht, sollte unbedingt die Cadolzburg mit dem Burgmuseum erleben, durch den historischen Ortskern spazieren, den Blick über das Rangau genießen und unsere Ortsteile kennenlernen. Dort erlebt man noch echtes Dorfleben, eine starke Vereinsgemeinschaft und Menschen, die füreinander da sind. Das ist für mich Lebensqualität.
Seit wann sind Sie im Amt?
Ich bin seit dem 18. März 2024 hauptamtliche Erste Bürgermeisterin des Marktes Cadolzburg.
Welchen Beruf übten Sie vor Amtsantritt aus?
Mein beruflicher Weg war alles andere als geradlinig – und genau das hilft mir heute.
Ich war unter anderem Veranstaltungskauffrau, Projektmanagerin im Sport- und Eventbereich, Creative Director in einer Werbeagentur und viele Jahre selbstständig im Bereich Grafikdesign, Kommunikation und Marketing.
Heute profitiere ich täglich davon. Verwaltung bedeutet längst nicht mehr nur Akten bearbeiten. Es geht um Kommunikation, Führung, Krisenmanagement, Strategie und darum, Menschen mitzunehmen.
Was hat Sie persönlich motiviert in die Kommunalpolitik zu gehen?
Ich habe mich nie mit dem Satz zufriedengegeben: „Da müsste mal jemand etwas machen.“
Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt: Warum eigentlich nicht ich?
Kommunalpolitik ist der Ort, an dem Entscheidungen unmittelbar das Leben der Menschen verändern. Ob Kindergartenplatz, Feuerwehrhaus, Straße oder Vereinsförderung – hier sieht man die Auswirkungen der eigenen Arbeit jeden Tag.
Mich motiviert bis heute die Möglichkeit, Dinge wirklich zu gestalten.
Wie haben Sie sich auf Ihr Amt vorbereitet?
Ehrlich gesagt: Auf dieses Amt kann man sich nie vollständig vorbereiten.
Man kann Gesetze lernen, Seminare besuchen und erfahrene Kolleginnen und Kollegen fragen. Aber Bürgermeisterin wird man letztlich erst im Alltag.
Ich höre viel zu, stelle viele Fragen und umgebe mich bewusst mit Menschen, die fachlich stärker sind als ich. Führung bedeutet für mich nicht, alles selbst zu wissen, sondern gute Entscheidungen gemeinsam mit einem starken Team zu treffen.
Welche Herausforderungen standen zu Beginn Ihrer Amtszeit im Vordergrund?
Die größte Herausforderung war sicherlich, gleichzeitig Veränderungen anzustoßen und Vertrauen aufzubauen.
Viele Themen waren bereits seit Jahren bekannt. Infrastruktur, Wasser- und Abwasserversorgung, Finanzen oder Personalentwicklung lassen sich nicht innerhalb weniger Monate lösen.
Mir war von Anfang an wichtig, Probleme nicht schönzureden, sondern offen anzusprechen. Transparenz ist manchmal unbequem – aber sie schafft langfristig Vertrauen.
Auf welches Projekt oder welche Entscheidung Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?
Ich bin weniger stolz auf einzelne Projekte als auf einen Kulturwandel.
Wir sprechen heute offener über Herausforderungen. Entscheidungen werden nachvollziehbarer erklärt. Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft arbeiten deutlich enger zusammen.
Besonders wichtig war mir außerdem, die notwendigen Zukunftsthemen konsequent anzugehen – auch wenn sie nicht immer angenehm sind. Eine Bürgermeisterin wird nicht dafür gewählt, nur gute Nachrichten zu überbringen. Sie trägt Verantwortung dafür, Probleme rechtzeitig zu lösen.
Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Aktuell beschäftigen mich vor allem drei Themen.
Erstens die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen. Viele Aufgaben werden immer umfangreicher, während die finanziellen Spielräume kleiner werden.
Zweitens die Sanierung unserer Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Das sind Investitionen, die man kaum sieht, die aber über Generationen hinweg entscheidend für die Lebensqualität sind.
Und drittens die Frage, wie wir unsere Verwaltung modern, leistungsfähig und gleichzeitig bürgernah weiterentwickeln können.
Mit welchen Themen möchten oder müssen Sie sich künftig auseinandersetzen?
Die nächsten Jahre werden für alle Kommunen anspruchsvoll.
Wir werden noch stärker priorisieren müssen. Nicht alles, was wünschenswert ist, wird finanzierbar sein.
Gleichzeitig dürfen wir den Mut für Zukunftsinvestitionen nicht verlieren. Digitalisierung, Klimaanpassung, kommunale Infrastruktur, Kinderbetreuung, Energieversorgung und wirtschaftliche Entwicklung werden entscheidend sein.
Mein Ziel ist, Cadolzburg so aufzustellen, dass auch kommende Generationen gute Lebensbedingungen vorfinden.
Wie beziehen Sie Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft in Ihre Arbeit und Entscheidungsprozesse ein?
Kommunalpolitik funktioniert nur gemeinsam.
Ich setze auf einen engen Austausch mit den Mitarbeitenden der Verwaltung, eine offene Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und einen ehrlichen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Mir ist wichtig, auch schwierige Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären. Menschen akzeptieren nicht jede Entscheidung – aber sie haben ein Recht darauf zu verstehen, warum sie getroffen wurde.
Deshalb informiere ich regelmäßig über Bürgerversammlungen, soziale Medien, persönliche Gespräche und öffentliche Sitzungen.
Welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Einen enormen.
Digitalisierung ist längst kein Zusatzangebot mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für leistungsfähige Verwaltungen.
Sie wird Prozesse beschleunigen, Bürokratie reduzieren und den Bürgerservice verbessern.
Trotzdem bleibt eines unverändert: Verwaltung ist und bleibt ein Geschäft mit Menschen. Die beste digitale Lösung ersetzt niemals das persönliche Gespräch, wenn Bürgerinnen und Bürger Rat oder Unterstützung brauchen.
Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?
Bleiben Sie authentisch.
Versuchen Sie nicht, jedem zu gefallen. Das wird Ihnen in der Kommunalpolitik niemals gelingen.
Hören Sie gut zu. Treffen Sie Entscheidungen. Erklären Sie diese verständlich. Und haben Sie den Mut, Fehler einzugestehen und daraus zu lernen.
Vor allem aber: Verlieren Sie nie den Blick für die Menschen.
Denn am Ende geht es in der Kommunalpolitik nicht um Schlagzeilen, Parteibücher oder Ideologien. Es geht um den Kindergarten vor Ort, die Feuerwehr, den funktionierenden Kanal, den sicheren Schulweg und um das Vertrauen der Menschen, die uns ihre Heimat anvertrauen.
Genau dafür lohnt es sich, jeden Morgen wieder ins Rathaus zu gehen.