Zu Gast bei: Martin Pirner, Erster Bürgermeister der Gemeinde Offenhausen

GZ Ausgabe GZ-20-2026 vom 22. Oktober 2026 | GZ zu Gast bei...
von Constanze von Hassel
Martin Pirner, Erster Bürgermeister der Gemeinde Offenhausen. Bild: Gemeinde Offenhausen
Martin Pirner, Erster Bürgermeister der Gemeinde Offenhausen. Bild: Gemeinde Offenhausen

Welche Kommune vertreten Sie und wie viele Einwohner zählt sie?
Meine Heimatgemeinde Offenhausen liegt im schönen Nürnberger Land und zählt rund 1.600 Einwohner verteilt auf 13 Ortsteile und Weiler.
Was macht Ihre Heimatkommune besonders lebenswert und was sollten Besucher dort unbedingt gesehen haben?
Wir feiern gerne und haben ein sehr aktives Vereinsleben. Darüber hinaus sind wir beim Thema erneuerbare Energien in genossenschaftlicher Hand Vorreiterkommune im Landkreis. Landschaftlich ist unsere Umgebung äußerst reizvoll und bietet Wanderern und Radfahrern tolle Tagestouren und auch kulinarisch verfügen wir in den Ortsteilen Offenhausen, Kucha und Egensbach über hervorragende familiengeführte Gasthäuser. Der Klingenhofer Anger als einer der größten Hutanger der Region sowie die Kapellenruine St. Ottmar und Ottilien sind wunderbare Orte und am Kneippbrunnen und Mehrgenerationenplatz in Kucha kann man sich nach einer Tour hervorragend erfrischen und die Kinder toben lassen. Auch unser kleiner Windpark auf dem Kuchaner Berg ist sicherlich für den ein oder die andere sehr interessant.


Seit wann sind Sie im Amt (und sind Sie haupt- oder ehrenamtlich tätig)?
Im Amt bin ich seit dem 01.05.2020. Zunächst war dieses Amt noch ehrenamtlich, wir haben uns im Gremium aber im Vorfeld der diesjährigen Kommunalwahl dazu entschlossen, künftig hauptamtlich zu arbeiten. Als Flächengemeinde mit 13 Ortsteilen, drei Ortswehren, eigener Kläranlage, eigener Kindertageseinrichtung und Grundschule, in Teilen eigener Wasserversorgung, unseren Energie- und Wärmegenossenschaften sowie den generell stets wachsenden Aufgaben und Herausforderungen erachte ich diesen Schritt in der heutigen Zeit auch als absolut richtig.

Welchen Beruf übten Sie vor Amtsantritt aus?
Vor meinem Amtsantritt war ich Musik- bzw. Instrumentallehrer und Lehrbeauftragter, sowie Chorleiter und Musiker in verschiedenen Bands und Projekten. Dabei war mir damals meine Unabhängigkeit wichtig, weshalb ich nach meinem Studium nicht als Beamter in den Schuldienst wechselte, sondern nur einen Teil meines Einkommens per Festanstellung, den größeren Teil jedoch als Selbstständiger verdient habe.

Was hat Sie persönlich motiviert in die Kommunalpolitik zu gehen?
Da muss ich ein wenig ausholen. Im Vorfeld zu meiner Kandidatur 2020 hatte ich bei einigen Vereinsjubiläen und Festen in der Gemeinde einen Teil der Organisation bezüglich Musik und Technik übernommen und so erstmals intensiveren Kontakt zu einigen Vorständen und vor allem meinem Amtsvorgänger Georg Rauh. Er wusste, dass er nach 24 Jahren Amtszeit 2020 nicht mehr kandidieren wollte und traute mir das Amt zu. Nachdem ich auch von ein paar anderen Menschen aus der Gemeinde auf das Thema angestupst wurde und ich als frischgebackener Hauseigentümer und Familienvater von zwei Kindern etwas mehr Sicherheit und weniger Selbstständigkeit suchte, machte es für mich auf einmal Sinn es einfach mal zu probieren. Nachdem gleich nach der Kommunalwahl dann der erste Corona-Lockdown ausgerufen wurde, war die gewonnene Wahl für mich als Musiker im Nachhinein betrachtet ein kleiner Jackpot.

Wie haben Sie sich auf Ihr Amt vorbereitet?
Nachdem feststand, dass ich kandidieren wollte, versuchte ich möglichst viele Gemeinderatssitzungen zu besuchen und mich über die aktuellen Themen der Gemeinde zu informieren. Zusätzlich habe ich mich im Vorfeld mit ein paar Bekannten ausgetauscht, die bereits Erfahrung in der Kommunalpolitik hatten. Und natürlich haben mich die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen meiner Fraktion sehr gut unterstützt.

Welche Herausforderungen standen zu Beginn Ihrer Amtszeit im Vordergrund?
Bereits im Vorfeld der Wahl war klar, dass ein Neubau für unsere Kindertagesstätte unumgänglich wird. Zunächst war jedoch die größte Herausforderung, die Coronazeit zu überstehen. Hier war ich im ständigen Austausch mit Schule und KiTa, denn, nachdem wir wieder öffnen durften, war natürlich die Sicherheit von Kindern und Personal ein großes Thema. Corona
haben wir gut überstanden und unsere Kinder sind bereits in die neue KiTa eingezogen. Insofern hat das meines Erachtens sehr gut geklappt. Natürlich muss man auch lernen, dass im Bereich der Verwaltung vieles anders läuft und manches länger dauert und komplizierter ist, als man es sich von außen zunächst vorstellt. Häufig sind es vor allem bürokratische Hürden, die wir leider im Fall der Dorferneuerung im Ortsteil Egensbach am eigenen Leib erfahren mussten. Aber auch das bekommen wir noch hin, ich hoffe im kommenden Jahr.


Auf welches Projekt oder welche Entscheidung Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?
Unsere neue KiTa ist ohne Zweifel ein Aushängeschild für unsere Gemeinde. Dass wir dieses Projekt trotz fast zwei Jahren Corona-Ausnahmezustand und einer schwierigen Finanzlage ohne Generalunternehmer von der Planung bis zur Fertigstellung umsetzen konnten, macht uns schon ein Stück weit stolz.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Sehr wichtig wäre mir, die angesprochene Dorferneuerung in Egensbach fertigzustellen, auch wenn das leider nicht allein in unseren Händen liegt. Eine weitere zentrale Aufgabe ist, unsere Trinkwasserversorgung zukunftssicher aufzustellen. Da wir ausschließlich Quellen und keine Tiefbrunnen haben und die Quellschüttungen in diesem Sommer bei Weitem nicht ausgereicht haben, müssen wir hier dringend Lösungen finden.

Ein spannendes Projekt ist außerdem der geplante Dorfladen im alten Kindergarten. Beim Nahwärmenetz sind die Planungen bereits weit fortgeschritten. Im Idealfall können wir Nahwärme und Breitband teilweise gemeinsam verlegen und dadurch Kosten sparen. Für beide Projekte warten wir derzeit noch auf die endgültigen Förderbescheide.


Mit welchen Themen möchten oder müssen Sie sich künftig auseinandersetzen?
Neben den bereits genannten Themen geht es vor allem darum, sich für die Zukunft resilient aufzustellen. Wir bauen derzeit neben einem sogenannten Leuchtturm die Infrastruktur für ein kleines Versorgungszentrum für das gesamte Hammerbachtal, also auch die weiteren Gemeinden unserer Verwaltungsgemeinschaft Engelthal und Henfenfeld auf. Hier wird es wichtig, die Bevölkerung mitzunehmen, ohne Panik zu schüren. Natürlich hoffen wir, dass wir das Ganze nie für einen Ernstfall hochfahren müssen, aber vorbereitet zu sein und zu wissen, was zu tun ist, wenn für längere Zeit der Strom wegbleibt oder es zu anderen Katastrophenfällen kommt, ist in jedem Fall ratsam. Auch beim Thema Hochwasserschutz müssen wir uns den veränderten Rahmenbedingungen anpassen und genau überlegen, wo wir sinnvoll vorbeugen können.

Wie beziehen Sie Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft in Ihre Arbeit und Entscheidungsprozesse ein?
Die Verwaltung unterstützt mich bei den rechtlichen Rahmenbedingungen, was für mich als Quereinsteiger besonders wichtig ist. Im Gemeinderat legen wir großen Wert auf gut vorbereitete Themen und gemeinsame Entscheidungen – dabei schätze ich unser hervorragendes Miteinander sehr. Durch den engen Kontakt zu Vereinen, Genossenschaften und Bevölkerung sind wir auch nah an den Ideen und Anliegen unserer Bürgerinnen und Bürger.

Welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Als Quereinsteiger und Vorsitzender unserer Verwaltungsgemeinschaft sehe ich, dass Digitalisierung erst einmal zusätzliche Arbeit bedeutet. Auf Dauer kann sie uns aber vieles erleichtern und die Mitarbeiter entlasten. Gerade weil gutes Personal immer schwieriger zu finden ist, müssen wir die Chancen von Digitalisierung und KI sinnvoll nutzen.

Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?
Mit Mitte vierzig und in meiner erst zweiten Amtszeit fühle ich mich selbst noch jung ;-). Wichtig ist für mich vor allem, sich klarzumachen, dass es in der Kommunalpolitik nicht um Parteien und Farben geht, sondern darum, was wir direkt vor Ort bewegen können. Eine Kommune gemeinsam über Parteigrenzen hinweg zu entwickeln und dabei die Bürgerschaft mitzunehmen, ist eine unheimlich spannende und reizvolle Aufgabe. Hilfreich ist dabei immer der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen: unterschiedliche Meinungen und Anregungen aufnehmen, seine Schlüsse daraus ziehen und am Ende den eigenen Weg finden.

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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