Zu Gast bei: Kerstin Deckenbrock, Erste Bürgermeisterin Markt Triefenstein

GZ Ausgabe GZ-13-2026 vom 2. Juli 2026 | GZ zu Gast bei...
von Constanze von Hassel
Kerstin Deckenbrock, Erste Bürgermeisterin Markt Triefenstein.
Kerstin Deckenbrock, Erste Bürgermeisterin Markt Triefenstein.

Welche Kommune vertreten Sie und wie viele Einwohner zählt sie? Was macht Ihre Heimatkommune besonders lebenswert und was sollten Besucher dort unbedingt gesehen haben?
Ich vertrete den Markt Triefenstein im Landkreis Main-Spessart mit rund 4.300 Einwohnerinnen und Einwohnern. Triefenstein besteht aus den vier Ortsteilen Homburg, Lengfurt, Rettersheim und Trennfeld. Besonders lebenswert macht unsere Gemeinde die Verbindung aus hoher Lebensqualität, einer intakten Dorfgemeinschaft, reizvoller Natur und einer hervorragenden Lage im Maintal. Darüber hinaus prägen zahlreiche Vereine, ehrenamtliches Engagement und vielfältige Veranstaltungen das gesellschaftliche Leben. Viele dieser Feste und Veranstaltungen und auch unser Trauort am Wolpenberg in Homburg sind weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt und ziehen jedes Jahr zahlreiche Besucher und Brautpaare an.
Besucher sollten unbedingt das Kloster Triefenstein oder die Papiermühle mit ihrer jeweiligen beeindruckenden Geschichte besichtigen. Ebenso lohnen sich die historischen Ortskerne, unsere Weinberge und die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten wie unser wunderschönes Waldbad oder der Klostersee entlang des Mains für einen Besuch.


Seit wann sind Sie im Amt und sind Sie haupt- oder ehrenamtlich tätig?
Seit Mai 2020 bin ich Erste Bürgermeisterin des Markt Triefenstein. Das Amt übe ich hauptamtlich aus.

Welchen Beruf übten Sie vor Amtsantritt aus?
Vor meinem Amtsantritt war ich 12 Jahre als Sanitätssoldatin bei der Bundeswehr und im Anschluss 14 Jahre als kaufmännische Leiterin und Personalleiterin deutschlandweit für einen Konzern tätig und konnte dort umfassende Erfahrungen sammeln.

Was hat Sie persönlich motiviert in die Kommunalpolitik zu gehen?
Ich bin recht kurzfristig und spät in den laufenden Wahlkampf zur Kommunalwahl 2020 eingestiegen und parteilos mit einer eigenen Liste gegen drei weitere Kandidaten angetreten. Es hat mich motiviert, meine Heimat aktiv und parteilos mitzugestalten und Verantwortung für die Entwicklung unserer Gemeinde zu übernehmen. Erfahrungen in der Kommunalpolitik hatte ich keine, aber sie ist eben die Ebene, auf der Entscheidungen unmittelbar spürbar werden.

Wie haben Sie sich auf Ihr Amt vorbereitet?
Durch meine langjährige Erfahrung verfügte ich bereits über fundierte Kenntnisse von Strukturen und Abläufen, die einer Verwaltung ähnlich sind. In Zeiten von Corona war es schwer, Lehrgänge zu besuchen, so habe ich mir viel im Selbststudium angeeignet. Darüber hinaus habe ich mich intensiv mit den Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten unserer Gemeinde beschäftigt.

Welche Herausforderungen standen zu Beginn Ihrer Amtszeit im Vordergrund?
Zu Beginn meiner Amtszeit stellte die Corona-Pandemie die größte Herausforderung dar. Neben den organisatorischen Anforderungen galt es, den Zusammenhalt in der Gemeinde zu stärken und gleichzeitig wichtige Projekte weiter voranzubringen. Auch Themen wie die Sicherung der kommunalen Finanzen, die Digitalisierung der Verwaltung und die Entwicklung unserer Infrastruktur standen früh auf der Agenda. Großprojekte wie die Sanierung des Kindergartens in Homburg mussten abgeschlossen werden und die bestehenden Planung für ein Regenrückhaltebecken wurde zu Beginn gleich neu überplant.

Auf welches Projekt oder welche Entscheidung Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?
Besonders stolz bin ich auf die zahlreichen Projekte, die wir gemeinsam mit Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft erfolgreich umsetzen konnten. Dazu gehören die zwischenzeitlich fast 30 geförderten Kleinprojekte über die Kommunale Allianz Raum Marktheidenfeld. Über den sehr hohen Förderzuschlag für die Sanierung von Schloß Homburg bin ich besonders stolz und dass die Generalsanierung unserer Grundschulturnhalle mit Außenanlage eine finanzielle Punktlandung geworden ist. Aber eigentlich macht mich jede Investition, egal ob klein oder groß und vor allem die, die gemeinschaftlich mit unseren Ehrenamtlichen gestemmt wurden und werden, stolz. Unser Waldbad gäbe es nicht mehr, wenn nicht unser Förderverein mehrere tausend Helferstunden einbringen würde. Entscheidend ist für mich dabei immer, dass wir als Gemeinde gemeinsam an einem Strang ziehen.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Aktuell beschäftigen uns insbesondere die Sicherung und Weiterentwicklung der kommunalen Infrastruktur, die Entwicklungen am Energiemarkt für den Standort Trennfeld, der Ausbau erneuerbarer Energien, die Herausforderungen der kommunalen Finanzen und gleichzeitig aber die Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen für Familien, Gewerbe und Ehrenamt.

Mit welchen Themen möchten oder müssen Sie sich künftig auseinandersetzen?
Die Anpassung an den demografischen Wandel, wir haben in Triefenstein vier Kindergärten und eine Grundschule. Die massiven Rückgänge bei den Geburtenzahlen werden wir sehr stark in 3-4 Jahren spüren, darauf müssen wir vorbereitet sein. Die nachhaltige Entwicklung unserer Gemeinde, die Energiewende, der Erhalt leistungsfähiger kommunaler Einrichtungen sowie die Gewinnung von Fachkräften werden zentrale Zukunftsaufgaben bleiben. Gleichzeitig möchte ich die Lebensqualität in allen vier Ortsteilen weiter stärken.

Wie beziehen Sie Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft in Ihre Arbeit und Entscheidungsprozesse ein?
Eine offene und transparente Kommunikation ist mir sehr wichtig. Verwaltung und Gemeinderat arbeiten eng zusammen, um tragfähige Entscheidungen zu treffen. Darüber hinaus nutze ich Bürgerversammlungen, persönliche Gespräche, einen WhatsApp-Kanal, das Mitteilungsblatt und digitale Kommunikationswege, um die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig einzubinden und ihre Anliegen aufzunehmen.

Welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Die Digitalisierung wird viele Verwaltungsprozesse vereinfachen und den Bürgerservice weiter verbessern. Gleichzeitig eröffnet sie neue Möglichkeiten für Kommunikation und Beteiligung. Dennoch wird sie den persönlichen Kontakt nicht ersetzen können. Gerade in den Kommunen bleibt der direkte Austausch mit den Menschen unverzichtbar.

Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?
Bleiben Sie authentisch, hören Sie den Menschen zu und verlieren Sie nie den Blick für das Gemeinwohl. Kommunalpolitik lebt vom Dialog, vom Respekt gegenüber unterschiedlichen Meinungen und von der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Wer mit Engagement, Offenheit und Ausdauer an die Aufgaben herangeht, kann viel bewegen.

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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