Zu Gast bei: Andreas Buchwinkler, Erster Bürgermeister der Gemeinde Saaldorf-Surheim
von Constanze von Hassel

Welche Kommune vertreten Sie und wie viele Einwohner zählt sie?
Ich darf die Gemeinde Saaldorf-Surheim im Landkreis Berchtesgadener Land mit rund 5.700 Einwohnerinnen und Einwohnern vertreten.
Was macht Ihre Heimatkommune besonders lebenswert und was sollten Besucher dort unbedingt gesehen haben?
Besonders lebenswert macht unsere Gemeinde für mich die Verbindung aus einer wunderschönen Landschaft, einer sehr guten Infrastruktur und vor allem einem starken gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unsere zahlreichen Vereine und das große ehrenamtliche Engagement prägen das Leben in unseren Dörfern ganz wesentlich.
Besuchern würde ich auf jeden Fall unseren Abtsdorfer See empfehlen – mit Blick auf die Berchtesgadener und Salzburger Bergwelt ist er sicherlich einer der schönsten Plätze bei uns. Aber auch unsere vielen Rad- und Wanderwege durch den Rupertiwinkel sind immer einen Besuch wert.
Seit wann sind Sie im Amt (und sind Sie haupt- oder ehrenamtlich tätig)?
Seit dem 1. Mai 2020 bin ich hauptamtlicher Erster Bürgermeister der Gemeinde Saaldorf-Surheim. Zuvor war ich bereits zwölf Jahre Mitglied des Gemeinderates und davon sechs Jahre Zweiter Bürgermeister.
Welchen Beruf übten Sie vor Amtsantritt aus?
Ich bin gelernter Zimmerer und Zimmerermeister und war vor meinem Amtsantritt zehn Jahre als Zimmerermeister und Technischer Leiter in einem Holzbaubetrieb in Freilassing tätig. Daneben bewirtschafte ich seit 2011 den elterlichen landwirtschaftlichen Bio-Betrieb.
Was hat Sie persönlich motiviert in die Kommunalpolitik zu gehen?
Mich hat schon früh interessiert, was in unserer Gemeinde passiert und wie Entscheidungen zustande kommen. Als ich dann im Alter von 24 Jahren in den Gemeinderat gewählt wurde, habe ich schnell gemerkt, dass mir diese Arbeit Freude macht: gemeinsam Lösungen zu finden und am Ende auch ganz konkret zu sehen, was man für seine Heimat bewegen kann. Genau das fasziniert mich bis heute an der Kommunalpolitik. Dabei war mir von Anfang an wichtig, weniger in politischen Lagern und mehr in guten Lösungen für unsere Gemeinde zu denken.
Wie haben Sie sich auf Ihr Amt vorbereitet?
Die beste Vorbereitung waren meine zwölf Jahre im Gemeinderat, davon sechs Jahre als Zweiter Bürgermeister. Dadurch kannte ich viele Abläufe, Projekte und natürlich auch unsere Verwaltung. Auf das Bürgermeisteramt vollständig vorbereiten kann man sich aber wahrscheinlich nicht – dafür landet jeden Tag ein anderes Thema auf dem Schreibtisch. Vieles lernt man in der Praxis und im Austausch mit Mitarbeitern und Bürgermeisterkollegen. Genau diese enorme Bandbreite macht das Amt aber auch so interessant.
Welche Herausforderungen standen zu Beginn Ihrer Amtszeit im Vordergrund?
Mein Amtsantritt am 1. Mai 2020 fiel mitten in die Corona-Pandemie. Damit waren die ersten Monate natürlich ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Gleichzeitig liefen wichtige Projekte weiter und es galt, trotz dieser außergewöhnlichen Situation die Gemeinde handlungsfähig zu halten und gemeinsam mit Verwaltung und Gemeinderat die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Auf welches Projekt oder welche Entscheidung Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?
Da fällt es mir tatsächlich schwer, ein einzelnes Projekt herauszugreifen. Wir konnten in den vergangenen sechs Jahren vieles umsetzen: den Ausbau der Ganztagsbetreuung an unseren Grundschulen, den Anbau an unserem Kindergarten St. Martin, die Ortsumfahrung Neusillersdorf mit Weiterführung des Radweges, sowie den Neubau des Feuerwehrhauses und der Rettungswache in Surheim.
Besonders stolz bin ich aber weniger auf ein einzelnes Bauwerk als auf die Art, wie wir diese Projekte gemeinsam umgesetzt haben. Wir haben im Gemeinderat über Parteigrenzen hinweg sehr sachorientiert zusammengearbeitet und viele wichtige Entscheidungen mit breiter Mehrheit getroffen. Dieses Miteinander ist für mich eine wesentliche Grundlage erfolgreicher Kommunalpolitik.
Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Aktuell steht sicherlich der Neubau unserer Kläranlage ganz oben auf der Agenda. Damit strukturieren wir die Abwasserbeseitigung unserer Gemeinde grundlegend neu und schaffen eine langfristig leistungsfähige Infrastruktur.
Daneben beschäftigen uns der Mehrgenerationenpark, ein geplantes Seniorenwohnen, die weitere Entwicklung von Wohn- und Gewerbeflächen sowie viele kleinere und größere Investitionen in unsere kommunale Infrastruktur. Eine immer größere Herausforderung ist dabei, all diese Aufgaben mit den finanziellen Möglichkeiten einer Gemeinde in Einklang zu bringen.
Mit welchen Themen möchten oder müssen Sie sich künftig auseinandersetzen?
Eine zentrale Aufgabe wird sein, unsere Gemeinde trotz zunehmend enger finanzieller Spielräume verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum, eine leistungsfähige Infrastruktur, gute Angebote für Kinder, Familien und Senioren sowie Entwicklungsmöglichkeiten für unsere heimischen Betriebe.
Gleichzeitig müssen wir uns mit dem demografischen Wandel, der Energieversorgung, dem Erhalt unserer Infrastruktur und dem zunehmenden Fachkräftemangel beschäftigen. Mein Ziel bleibt dabei, unsere Gemeinde mit Augenmaß weiterzuentwickeln, ohne ihren Charakter und ihre hohe Lebensqualität zu verlieren.
Wie beziehen Sie Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft in Ihre Arbeit und Entscheidungsprozesse ein?
Für mich funktioniert Kommunalpolitik nur im Miteinander. Mit unserer Verwaltung pflege ich sehr kurze Wege und einen offenen Austausch. Im Gemeinderat ist mir wichtig, frühzeitig und transparent zu informieren und Entscheidungen sachlich zu diskutieren. Dass wir dabei seit Jahren über Parteigrenzen hinweg sehr konstruktiv zusammenarbeiten, schätze ich besonders.
Genauso wichtig ist mir der direkte Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern – bei Bürgerversammlungen und Informationsveranstaltungen, über unsere verschiedenen Informationskanäle, vor allem aber im persönlichen Gespräch. Zuhören, erklären und auch unterschiedliche Meinungen aushalten gehört für mich zur Kommunalpolitik dazu.
Welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Einen sehr großen. Digitalisierung kann Verwaltungsabläufe vereinfachen, Mitarbeiter entlasten und den Bürgerservice deutlich verbessern. Gerade angesichts des Fachkräftemangels werden digitale Prozesse und künftig sicherlich auch künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle spielen.
Trotzdem darf Digitalisierung kein Selbstzweck sein. Am Ende muss sie den Menschen einen konkreten Mehrwert bringen. Und gerade in der Kommunalpolitik wird sie eines nicht ersetzen können: das persönliche Gespräch und den direkten Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern.
Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?
Authentisch bleiben und den Menschen zuhören. Man sollte keine Scheu davor haben, Entscheidungen zu treffen – auch wenn man weiß, dass man damit nicht jeden zufriedenstellen wird. Wichtig ist für mich, Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären und auch bei unterschiedlichen Meinungen respektvoll miteinander umzugehen.
Und man sollte nicht glauben, als Bürgermeister alles selbst wissen oder können zu müssen. Eine gute Verwaltung, ein konstruktiver Gemeinderat und der Austausch mit Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen sind enorm wertvoll. Mein Rat wäre deshalb: zuhören, entscheiden, erklären – und bei allem immer bodenständig bleiben.