Wohnraumverdichtung: RPV Untermain setzt auf qualitätsvolle Siedlungsentwicklung
von Doris Kirchner

Wie Kommunen auch bei begrenzten Flächen attraktiven Wohnraum schaffen können, stand im Zentrum einer Fachveranstaltung des Regionalen Planungsverbands Bayerischer Untermain im Landratsamt Aschaffenburg. Mehr als 60 Mitglieder des Verbands informierten sich unter dem Titel „Verdichtete Wohngebiete: Wie kann qualitätsvolle Siedlungsentwicklung gelingen?“ über Strategien und Praxisbeispiele einer flächensparenden Siedlungsentwicklung.
In vier Fachvorträgen wurde deutlich, dass eine nachhaltige Wohnraumentwicklung vor allem durch die bessere Nutzung bereits bebauter Flächen gelingen kann. Ziel ist es, den Flächenverbrauch zu begrenzen, Freiräume zu erhalten und gleichzeitig den steigenden Bedarf an Wohnraum zu decken. Grundlage hierfür bildet der Regionalplan Bayerischer Untermain, der den Kommunen Leitlinien für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung vorgibt.
Anne Weiß von der Regierung von Unterfranken eröffnete die Veranstaltung mit einem Überblick über die siedlungsstrukturellen Vorgaben des Regionalplans. Sie verwies darauf, dass sich Wohnbedürfnisse im Laufe des Lebens verändern und deshalb unterschiedliche Wohnformen erforderlich seien. Entscheidend sei die Frage, ob das vorhandene Wohnungsangebot den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung entspreche.
Planerische Erfahrungen aus der Praxis brachte die Münchner Stadtplanerin Barbara Hummel ein. Am Beispiel des Geschosswohnungsbaus im ländlichen Raum zeigte sie, dass verdichtete Wohnformen nicht im Widerspruch zu einer ortsverträglichen Architektur stehen müssen. Vielmehr könne ein ausgewogener Mix verschiedener Wohnformen dazu beitragen, generationenübergreifende Quartiere mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen.
Innenentwicklung aktiv steuern
Melanie Eisner von der Klärle-Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt stellte Möglichkeiten vor, innerörtliche Potenziale besser zu nutzen. Anhand realisierter Projekte zeigte sie auf, wie brachliegende oder wenig genutzte Flächen in Ortskernen für neue Wohnangebote aktiviert werden können. Voraussetzung dafür sei, dass die Innenentwicklung in den Kommunen einen hohen Stellenwert einnehme und aktiv gesteuert werde.
Kommunales Praxisbeispiel aus Sommerach
Ein kommunales Praxisbeispiel präsentierte Elisabeth Drescher, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Sommerach. Sie berichtete über die Umgestaltung eines ehemaligen Scheunenviertels im historischen Ortskern, das heute modernen Wohnraum bietet und sich zugleich in das bestehende Ortsbild einfügt. Ergänzt werde das Quartier durch gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen sowie kurze Wege zu Gastronomie, Nahversorgung und Kirche. Darüber hinaus stellte sie ein Neubaugebiet mit unterschiedlichen Haustypen vor, das eine vielfältige Bewohnerstruktur fördern soll.
Die Veranstaltung wurde vom Regionalen Planungsverband Bayerischer Untermain gemeinsam mit der Flächensparoffensive des Freistaats Bayern organisiert. Im anschließenden fachlichen Austausch diskutierten die Teilnehmenden über Ansätze, mit denen sich Innenentwicklung, Wohnraumschaffung und Flächensparen in den Kommunen künftig noch besser miteinander verbinden lassen.