Nachruf auf Josef Deimer: Ein Leben für Landshut und die Kommunen

GZ Ausgabe GZ-17-2026 vom 10. September 2026 | Aus den Kommunen
von Doris Kirchner
Bildarchiv Bayerischer Landtag/Ilona Niederhof
Bildarchiv Bayerischer Landtag/Ilona Niederhof

Trauer um Josef Deimer: Der frühere Landshuter Oberbürgermeister prägte seine Heimatstadt 35 Jahre lang und war fast drei Jahrzehnte Vorsitzender des Bayerischen Städtetags. Am 12. August ist der CSU-Politiker im Alter von 90 Jahren gestorben. „Bayern trauert um einen der prägendsten Kommunalpolitiker in der Geschichte des Freistaats“, ließ Ministerpräsident Markus Söder verlauten. Deimer sei über Jahrzehnte eine „starke und unüberhörbare Stimme in der Politik“ gewesen. „Bürgernah, mutig, eigenständig und unbeirrt verkörperte er das, was die kommunale Familie so stark macht: Zusammenhalt, Verlässlichkeit und Bodenständigkeit.“

Von 1970 bis 2004 stand Deimer an der Spitze Landshuts. Als er mit gerade einmal 33 Jahren zum Oberbürgermeister gewählt wurde, war er der jüngste Rathauschef der Bundesrepublik und bei seinem Ausscheiden aus dem Amt der dienstälteste OB. Doch reichte seine Wirkung weit über die niederbayerische Regierungshauptstadt hinaus. Von 1975 bis 2004 führte der Verstorbene den Bayerischen Städtetag, anschließend war er dessen Ehrenvorsitzender. Zudem fungierte er als stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Städtetags. Über Jahrzehnte setzte er sich für die kommunale Selbstverwaltung, eine angemessene Finanzausstattung der Städte und Gemeinden und das Konnexitätsprinzip ein. Dabei blieb er seinen Überzeugungen auch dann treu, wenn sie auf politischen Widerspruch stießen.

Der aktuelle Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Markus Pannermayr, würdigte Deimer als außergewöhnlich sachkundigen und streitbaren Kommunalpolitiker. „Als Vorsitzender des Bayerischen Städtetags hat Josef Deimer Maßstäbe gesetzt“, erklärte Pannermayr. In allen Themen sei Deimer „argumentativ akribisch vorbereitet“ gewesen und habe die Positionen des Verbandes „in griffiger Rhetorik“ vertreten. Zugleich werde man „seine Stimme, seine Liebenswürdigkeit, seine Offenheit und seine fröhliche Herzlichkeit“ vermissen.

Josef Deimer war dabei nicht auf ein kommunalpolitisches Themenfeld festgelegt. Er beschäftigte sich mit Fragen der Daseinsvorsorge ebenso wie mit kommunalen Finanzen, Energie, Mobilität, Bildung und Schule. Früh warnte er vor den Folgen einer ungezügelten Privatisierung kommunaler Einrichtungen und setzte sich für den Erhalt kommunaler Handlungsmöglichkeiten ein. Auch Umwelt- und Naturschutz sowie eine verantwortungsvolle Landesplanung gehörten zu seinen politischen Anliegen.

Landshut war jedoch stets der Mittelpunkt seines politischen Wirkens. In seine Amtszeit fielen zahlreiche Entscheidungen, die das Gesicht der Stadt bis heute prägen. Dazu zählen der Bau des später nach ihm benannten Tunnels, der die Voraussetzung für die weitgehend autofreie Landshuter Altstadt schuf, die Entwicklung des Klinikums und die Stärkung der Stadtwerke. Auch die Ansiedlung und Entwicklung der Hochschule Landshut gehörte zu den Projekten, für die sich Deimer nachdrücklich einsetzte.

Der amtierende Oberbürgermeister Thomas Haslinger würdigte seinen Parteifreund als einen Politiker, der seine gesamte Kraft in den Dienst seiner Heimatstadt gestellt habe. „Mit Josef Deimer verliert Deutschland einen seiner profiliertesten Kommunalpolitiker der Nachkriegsgeschichte und die Stadt Landshut einen ihrer bedeutendsten Söhne“, unterstrich Haslinger. Deimer sei der Inbegriff eines „zupackenden, volksnahen Oberbürgermeisters“ gewesen und für ihn persönlich ein Vorbild.

Besonders am Herzen lag dem Verstorbenen das soziale Engagement. Von 1971 bis 2021 stand er an der Spitze der Lebenshilfe Landshut und prägte deren Entwicklung maßgeblich. Auch der Erwachsenenbildung fühlte sich Deimer über Jahrzehnte verpflichtet. Von 1979 bis 2014 fungierte er als Präsident des Bayerischen Volkshochschulverbands und anschließend als dessen Ehrenpräsident. Bildungschancen für alle, Ganztagsschulen und die Erwachsenenbildung waren weitere Themen, für die er sich einsetzte.

Für sein jahrzehntelanges, herausragendes Wirken erhielt Josef Deimer zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Verdienstorden, die Bayerische Verfassungsmedaille in Gold und 1999 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2006 ernannte ihn seine Heimatstadt zum Ehrenbürger.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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