Kultur-, Jugend- und Denkmalpreisverleihung in Plößberg: Bezirk würdigt Projekte aus der Oberpfalz
von Doris Kirchner

Neun Preisträgerinnen und Preisträger hat der Bezirk Oberpfalz bei einem Festakt in Plößberg (Landkreis Tirschenreuth) mit Kultur-, Jugend-Kulturförder- und Denkmalpreisen ausgezeichnet. Die Oberpfalz sei reich an kultureller Vielfalt, betonte Bezirkstagspräsident Franz Löffler bei der Verleihung. Lange Zeit sei die Region aufgrund ihrer kargen Landschaft häufig als „Stoapfalz“ abgestempelt worden. Hochkarätige Kultur gebe es jedoch nicht nur in den Großstädten, sondern ebenso im ländlichen Raum. Die Kulturpreise waren mit jeweils 3.500 Euro dotiert, die Jugend-Kulturförderpreise mit jeweils 1.500 Euro und die Denkmalpreise mit jeweils 4.000 Euro.
„Wo die Kultur gut funktioniert, funktioniert auch die Gesellschaft“, unterstrich Löffler. Ein Beispiel dafür ist das ehemalige Kooperatorenhaus in Beidl, einem Ortsteil des Marktes Plößberg. Nachdem das letzte Wirtshaus geschlossen hatte, gründeten engagierte Bürger 2022 einen Verein mit dem Ziel, das leerstehende Gebäude aus dem 16. Jahrhundert neben der Kirche zu einem neuen Dorfmittelpunkt zu machen. Drei Jahre lang sanierten die in der Kategorie „Gemeinschaftsorte“ ausgezeichneten Mitglieder des Vereins Freunde Kooperatorenhaus Beidl das Gebäude in Eigenleistung. Heute sorgen 17 ehrenamtliche Wirte für den Betrieb. Allein 2025 fanden dort 200 Veranstaltungen statt.
Im Mittelpunkt der Mensch
In der Kategorie „Holzbildhauerei“ ging der Kulturpreis an Franz Weidinger aus Kleinalfalterbach im Landkreis Neumarkt. Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens steht von Beginn an der Mensch. Davon zeugen zahlreiche Holzskulpturen menschlicher Körper in unterschiedlichen Größen, von kleinformatigen bis zu lebensgroßen Figuren. Die Bildhauerei ermögliche ihm, Zustände jenseits des unmittelbar Sichtbaren auszudrücken. Gelinge die Figur, werde auch ihr Innenleben nach außen sichtbar, hob Laudatorin Ursula Wohlfeld hervor.
„Die Zweiten“
In der Kategorie „Singer-Songwriter“ wurden „Die Zweiten“, Benno Schurig und Jakob Habermann aus Regensburg, ausgezeichnet. Mit ihren Stimmen und Gitarren räumen sie ihren Texten viel Platz ein und verzichten auf aufwendige Inszenierungen und überladene Arrangements. Ihre Lieder seien mitunter beiläufig, ironisch oder überraschend politisch. Die Jury bezeichnete ihren Stil als „feinsten Schlüsselloch-Pop“.
Mit dem Jugend-Kulturförderpreis wurde das Jugendzentrum Plan B in Weiden bedacht. Im zweijährigen Projekt „Dulce Dolor“ setzten sich 150 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren künstlerisch mit schmerzhaften Erlebnissen und Gefühlen wie Wut, Trauer und Scham auseinander. Dabei entstanden Fotografien und Kunstwerke sowie Musik- und Tanzaufführungen auf hohem Niveau.
Demokratie zum Anfassen
Unter dem Motto „Demokratie zum Anfassen“ beschäftigte sich die Klasse 9M der Mittelschule Waldsassen mit den eigenen Möglichkeiten, demokratische Prozesse mitzugestalten. In Projektgruppen planten die Schülerinnen und Schüler eine Demonstration, die zwar nicht tatsächlich stattfand, aber bis ins Detail vorbereitet wurde. Dazu zählten die Festlegung der Route, die Abstimmung mit den Behörden und die Koordination der Ordner.
Die Klasse 9M der Grund- und Mittelschule Bruck widmete sich anlässlich des 80. Jahrestags der Todesmärsche aus dem Konzentrationslager Flossenbürg der Erinnerungskultur. Im Projekt „DENKmal!“ führten die Schülerinnen und Schüler Interviews mit Zeitzeugen. In Zusammenarbeit mit der OTH Amberg-Weiden entstand eine Filmdokumentation, um deren Erinnerungen dauerhaft zu bewahren. Zudem entwickelten die Jugendlichen Entwürfe für ein Denkmal in ihrem Ort. Ein Kunstschmied setzte den Siegerentwurf um. Das Denkmal wurde bei einem Gedenkakt aufgestellt.
Denkmalpreise
Einen der drei Denkmalpreise erhielten Karin und Hans-Jürgen Arbogast für die Sanierung des Einzeldenkmals am Paradeplatz 16 in Amberg. Das 1587 errichtete Gebäude erhielt im Zuge der behutsamen Sanierung Schritt für Schritt sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurück. Dabei wurde großer Wert auf die sorgfältige Ausführung bis ins Detail gelegt.
Ein weiterer Denkmalpreis ging an den Trägerverein Jägershofer Kircherl für die umfassende Sanierung des gleichnamigen Gotteshauses im Landkreis Cham. Das Wahrzeichen des kleinen Ortes war vor mehr als 125 Jahren von der Familie Vogl errichtet worden. Um die grundlegende Instandsetzung zu ermöglichen, übernahm der Verein das Gotteshaus 2019 und setzte alle Hebel in Bewegung. Der Verein zählt mehr Mitglieder, als Jägershof Einwohner hat. 2024 konnte die Kirche schließlich wieder eingeweiht werden.
Geehrt wurde außerdem die Katholische Kirchenstiftung Wernersreuth im Landkreis Tirschenreuth für die Sanierung des ehemaligen Pfarrhofs, eines Vierseithofs aus dem Jahr 1912. Das Gebäudeensemble präsentiert sich heute innen wie außen wieder in hochwertigem Zustand.
Die sorgfältig herausgearbeiteten Details lassen die frühere Nutzung und Geschichte des Hofes erkennen.