Die 13. Tutzinger Fischerhochzeit 2026: Ein Fest der Traditionen, der Trachten, des Ehrenamts und der großen Liebe
von Regina Welk

Die Geschichte zweier Liebender – ein Stück bayerischer Geschichte - Das Jahr 2026 wird in Tutzing als ein Jahr der großen Feiern in Erinnerung bleiben. Nach neun Jahren Pause war es endlich wieder so weit: Vom 22. bis 26. Juli feierte ganz Tutzing bei herrlichem Sommerwetter auf dem Starnberger See und im Ort die historische Fischerhochzeit. Tausende Besucher erlebten die Geschichte eines jungen Fischerpaares. Traditionell findet das fast 100 Jahre alte Schauspiel alle fünf Jahre statt; pandemiebedingt musste sich die Gemeinde diesmal länger gedulden.
Seit 1929 feiert Tutzing alle fünf Jahre die Hochzeit der Fischermeistertochter Veronika Bierbichler aus Amberg, die den unverhofft aus dem napoleonischen Krieg zurückgekehrten Fischer Michael Gröber heiratet.
„Die Fischerhochzeit steht für eine Tradition, die gelebt wird und die Geschichte mit der Gegenwart verbindet und zeigt, dass Brauchtum dann kraftvoll ist, wenn es von vielen mitgetragen wird“, so Bürgermeister Ludwig Horn in seinem Grußwort. Alle Darsteller sind Tutzinger Bürger, das Brautpaar muss aus einem alten Fischergeschlecht stammen. Die Liebesgeschichte veranschauliche zugleich die tiefe Verwurzelung der Menschen mit ihrer Heimat am Starnberger See.
Lange Vorbereitung
Zwei Jahre lang wurde geplant, was nun mit großer Begeisterung gefeiert wurde: Die Tutzinger Gilde, ein Festausschuss, zahlreiche Vereine, Ehrenamtliche und Bürger aller Generationen stellten das große Fest gemeinsam auf die Beine.
Besonders spannend war die Besetzung der Hauptrollen. Die Braut Veronika Bierbichler wurde von der 19-jährigen Mara Bove verkörpert. Sie stammt aus der Familie der Altbürgermeisterin Marlene Greinwald. Die Greinwald-Verwandtschaft stellte bereits mehrfach die Hauptrollen der Fischerhochzeit.
„In unserer Familie wird die Fischerei seit über 500 Jahren ausgeübt“, erklärte Marlene Greinwald gegenüber der GZ. Die Familie habe die Ankunft der Braut über den See aktiv organisiert und erhalte die hölzernen Flachschiffe für die Fischerhochzeit, das Fischerstechen und historische Aufführungen. Mara Bove war bereits als Kind in der Tanzgruppe der Tutzinger Gilde.
Den Bräutigam Michael Gröber stellte der 23-jährige Valentin Müller aus der Fischerfamilie Müller dar, die ebenfalls schon mehrfach wichtige Rollen bei der Tutzinger Fischerhochzeit übernommen hatte. Müller ist aktiver Segler, studiert Wirtschaftswissenschaften, hat eine Fischerausbildung abgeschlossen und in seinen Zukunftsplänen spielt auch die elterliche Fischerei eine große Rolle.
Jede Station ein Höhepunkt
Schon im Vorfeld ging Hochzeitslader Hans Greif von Haus zu Haus und verkündete die Hochzeit. Während der Festtage waren die Häuser geschmückt und die Geschäfte hochzeitsmäßig dekoriert. Es gab sogar ein eigens gebrautes Festtagsbier und einen Pop-up-Biergarten.
Am Rathaus starteten die Kutschen, vor dem traditionsreichen Guggerhof trat der Bräutigam auf. Am geschmückten Dampfersteg wurde die Ankunft der Braut erwartet, die von Ambach, begleitet von zahlreichen festlich geschmückten Booten, nach Tutzing kam. In der vollbesetzten Kirche St. Josef fand der ökumenische Gottesdienst statt, auf dem Schloss wurde das Paar getraut. Anschließend folgten Hochzeitsmahl und Tänze im Festzelt.
Überall wurde gesungen, getanzt und gefeiert. Viele Besucher waren in Dirndl und Lederhosen gekommen und zeigten damit ihre Heimatverbundenheit. Zu sehen waren die Trachten der Tutzinger Gilde, Fischertrachten mit Fellmützen sowie Schüler des Gymnasiums in Biedermeierkleidern und junge Männer in Gehröcken. Die Tutzinger Gilde zeigte den viel beklatschten Reiftanz, der nur bei der Fischerhochzeit getanzt wird. Ganz Tutzing feierte die lange Tradition und Geschichte der Fischer.
„Die Fischerhochzeit ist die DNA unseres Ortes“
Besonders beeindruckt zeigte sich Bürgermeister Ludwig Horn vom Engagement der vielen Ehrenamtlichen: „Sie haben es möglich gemacht, dieses fast hundert Jahre alte Traditionsfest nach neun Jahren Pause wieder auf die Beine zu stellen. Die Fischerhochzeit ist die DNA unseres Ortes – und man hat gespürt, dass ganz Tutzing dahintersteht: die Vereine, die unsere Traditionen bewahren, unser Veranstaltungsverein als ‚Festwirt‘, dazu die starke Unterstützung durch den Bezirk Oberbayern, den Landkreis und viele private Spender. Ohne dieses Zusammenspiel wäre eine solche Veranstaltung heute, bei deutlich gestiegenen Auflagen, nicht mehr zu stemmen“, so Horn gegenüber der GZ.
Der große Umzug zum Abschluss
Den Abschluss bildete der große Festumzug mit prachtvoll geschmückten Wagen und Kutschen, zahlreichen Kapellen, Vereinen in farbenprächtigen Trachten und Pferdegespannen. Besonders liebevoll gestaltet war der Kuchlwagen der Tutzinger Gilde mit der Aussteuer der Braut. Viel Beifall erhielten auch die befreundeten Trachtenvereine aus der Nachbarschaft.
Auf die Frage der GZ nach seinem besonderen Erlebnis antwortete Horn: „Der große Festumzug. Es war uns eine besondere Ehre, dass sich Ministerpräsident Söder die Zeit genommen hat, an diesem historischen Spektakel teilzunehmen!“ In der Kutsche strahlte der Ministerpräsident und Schirmherr gemeinsam mit Landrat Stefan Frey, dem Bürgermeister und dessen Ehefrau Maria mit der Sonne um die Wette.
Die Erste Gildemeisterin Carola Falkner brachte die besondere Stimmung auf den Punkt: „Das war keine Veranstaltung, das war ein Herzensprojekt eines ganzen Dorfes, dieses Wochenende wird allen im Herzen bleiben!“
Das Fest in Zahlen
Es war nicht nur ein Fest von Tutzingern für Tutzinger, sondern auch für viele auswärtige Besucher. Rund 15.000 Menschen kamen während der Festwoche. Bei Kabarettistin Luise Kinseher waren es 750 Gäste, La Brass Banda lockte 2.300 Besucher an, die Oberkrainer spielten vor 930 Gästen. Den großen Umzug am Sonntag verfolgten rund 10.000 Besucher. Rund 100 Helfer waren insgesamt im Einsatz, täglich 20 bis 30.
Auf die Frage der GZ „Woran denken Sie besonders gern?“ antwortete Ludwig Horn: „An die Stimmung während der Festwoche. Ich bin wahnsinnig stolz auf das, was unser Ort gemeinsam geleistet hat, und hatte einfach große Freude an diesem Fest.“
Für Horn wird das Jahr 2026 aber auch privat und politisch in besonderer Erinnerung bleiben: Bei der diesjährigen Wahl wurde er mit 93 Prozent zum Ersten Bürgermeister von Tutzing gewählt. Außerdem trat er die Nachfolge von Dr. Ute Eiling-Hütig als CSU-Vorsitzender im Landkreis Starnberg an. Und privat gab es ebenfalls Grund zum Feiern: Im Juni, noch vor der Fischerhochzeit, heiratete er standesamtlich seine Verlobte Maria – und feierte anschließend auch noch seinen 30. Geburtstag. Tutzing feierte!