700 Jahre Markt Dießen: Buntes Dießen – lebendige Marktgemeinde

GZ Ausgabe GZ-20-2026 vom 22. Oktober 2026 | Aus den Kommunen
von Regina Welk
Portrait
Erste Bürgermeisterin Sandra Perzul beim ökumenischen Festgottesdienst. Bild: Regina Welk

Wie an einer Perlenkette reihten sich in diesem Jahr die Jubiläen rund um den Ammersee aneinander: 1250 Jahre feierten Herrsching und Erling, Raisting, Holzhausen und Fischen. Dießen feiert gleich ein ganzes Jahr seine 1200-jährige Ortsgeschichte und „700 Jahre Erhebung zum Bannmarkt“.

Der Markt Dießen mit rund 10.600 Einwohnern liegt am südwestlichen Ufer des Ammersees im Landkreis Landsberg am Lech. Seit 2020 steht mit der gebürtigen Dießenerin Sandra Perzul eine Frau an der Spitze der Marktgemeinde. Bürgermeisterin zu sein, sei für sie „keine Pflicht, sondern eine Herzensangelegenheit“ – und das Jubiläum ein ganz besonderes Highlight.

Vom 30. Juli bis 3. August wurde mit Fischerstechen, Blaulichttag, ökumenischem Festgottesdienst und großem historischen Umzug gefeiert. Dazu kamen Kabarett mit Luise Kinseher, viel Musik und Tanz, historische Trachten und eine Oldtimerparade. Ganz Dießen feierte seine Geschichte.

Von Ludwig dem Bayern bis Prinzessin Henriette von Bayern

Prinzessin Henriette von Bayern hatte die Schirmherrschaft für das Jubiläum übernommen und damit auch die lange Verbindung zum Haus Wittelsbach unterstrichen.

Im Jahr 1326 wurde Dießen von König Ludwig, dem späteren Kaiser Ludwig dem Bayern, zum Bannmarkt erhoben. Dies bedeutete wirtschaftliche Freiheit und das Recht auf Handel und förderte die Entwicklung von Bürgertum, Handwerk, Fischerei, Kunst und Kultur. Auch König Ludwig III. besuchte 1899 die Jubiläumsfeier der Feuerstutzen-Schützengesellschaft.

Fischerstechen und Blaulichttag

Bei herrlichem Kaiserwetter wurde das traditionelle Fischerstechen am Dampfersteg nach elfjähriger Pause vom Dießener Traditionsverein D’Moosdapper wieder zum Leben erweckt. 13 Männer und drei Frauen kämpften auf wackeligen Planken um den Sieg. Fischerkönig wurde Jürgen Spiegel, gefolgt von Thomas Maruska aus der Partnergemeinde Lomnice und Benedikt Schreyer.

Beim Blaulichttag präsentierten sich Freiwillige Feuerwehr, Polizei, Wasserwacht und Rettungshundestaffel. Bootsfahrten und eine Hubschraubersimulation machten den Tag auch für Familien zum Erlebnis.

Großer historischer Festumzug

Am 2. August empfingen die Ammertaler Alphornbläser vor dem Marienmünster die Vereine. Nach dem ökumenischen Festgottesdienst führte der Festzug zum See, wo der große historische Umzug startete.

In 65 Themengruppen wurde die 1200-jährige Ortsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart dargestellt. Rund 1.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, etwa 90 Pferde, mehr als 40 Gespanne und zehn Musikkapellen boten ein farbenprächtiges Bild. Mehr als 250 Kinder und Jugendliche sowie rund 350 Musikerinnen und Musiker waren beteiligt.

Auf die Frage der GZ nach ihrem schönsten Erlebnis nannte Bürgermeisterin Sandra Perzul besonders das Festwochenende und den historischen Festzug: „Ich bin stolz auf die Dießenerinnen und Dießener, die sich in den vergangenen Monaten mit viel Engagement und Herzblut eingebracht haben.“

Besonders beeindruckt habe sie das gemeinsame Engagement: „Die Tatsache, dass alle Hand in Hand gearbeitet haben – Gemeinde, Vereine, Bürgerinnen und Bürger, Schulen, Blaulichtorganisationen, Gewerbe und Gastronomie –, dieser Zusammenhalt war spürbar und das macht mich als Bürgermeisterin sehr stolz!“

Im Oktober spielte die Bürgermeisterin Theater

Auch im Herbst wurde weitergefeiert. Regisseur Alois Kramer brachte eine „Jahrhundertrevue in drei Teilen“ über die Geschichte des Ortes auf die Bühne des Augustinums.

Im historischen Stück „Fischermartin oder das Monatswappen von Dießen“ übernahm Bürgermeisterin Sandra Perzul die Rolle der Mechthild. Claus Cammer, Leiter des Augustinums, spielte Bürgermeister Arnold, Reinhold Forster den Fischermartin.

Im zweiten Teil wurde die Bühne zum Nachrichtenstudio der „ARD – Ammersee Rundfunkanstalt Dießen“. Sandra Perzul führte als Nachrichtensprecherin durch die Jahrhunderte, der ehemalige Landrat Thomas Eichinger trat als Korrespondent Thomasius della Rovere auf. Das Zweipersonenstück „Das Bäuerlein vom Dachauer Land“ beendete die beiden Theaterabende.

Jubiläumsjahr geht im November zu Ende

Drei Vorträge und die Ausstellung „Dießen im Spiegel der Zeit – Fragmente, Fundstücke“ im Blauen Haus beschließen im November das Jubiläumsjahr. Ausgewählte Objekte erzählen von Menschen, Alltag und Veränderungen sowie bedeutenden Ereignissen des Ortes.

Damit spannt das Jubiläumsjahr den Bogen von der 1200-jährigen Ortsgeschichte und der Erhebung zum Bannmarkt bis in die Gegenwart – getragen von Gemeinde, Vereinen und zahlreichen engagierten Bürgerinnen und Bürgern.

Regina Welk

Regina Welk

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