1250 Jahre Raisting: „Z’samm halten is des Wichtigste“
von Regina Welk

Ein großes Jubiläum feiern in diesem Jahr mehrere Gemeinden und Dörfer rund um den Ammersee – so auch Raisting, das kleine Dorf mit rund 2.400 Einwohnern und vielen Besonderheiten. Weit über die Region hinaus bekannt ist der Ort durch das Radom und die Erdfunkstellen, die seit Jahrzehnten zahlreiche interessierte Besucher in die Gegend führen. Doch neben dieser faszinierenden Technik hat Raisting auch landschaftlich viel zu bieten: Rund 35 Storchenpaare mit etwa 80 Jungvögeln sind hier heimisch. Derzeit füttern unter anderem zwei Storchenpaare ihre Küken auf dem Dach des alten Pfarrhauses von 1745.
Ein Ort, ein Beat

Das 1250-jährige Jubiläum bot der Bayerischen GemeindeZeitung Gelegenheit zu einem Gespräch mit Erstem Bürgermeister Martin Höck, der auf die Festtage zurückblickte und von weiteren Höhepunkten des Jubiläumsjahres berichtete.
Vom 12. bis 14. Juni stand Raisting ganz im Zeichen seiner Geschichte und Gemeinschaft. Bei strahlendem Sonnenschein begann das Festwochenende am 12. Juni unter dem Motto „Ein Ort, ein Beat“. Einen Tag später folgte der offizielle Festakt, eingebettet in einen festlichen Gottesdienst anlässlich des 260. Herz-Jesu-Bruderschaftsfestes.

„Wir haben ein kleines, aber sehr feines Fest auf die Beine gestellt, in dem sich alle Vereine eingebracht haben. Viele Freiwillige sorgten für musikalischen und kulinarischen Genuss, örtliche DJs für die musikalischen Highlights, und niemand musste Eintritt zahlen“, berichtete Höck begeistert. „Die Dorfgemeinschaft hat alles selbst gestemmt. Beim großen Festakt waren auch die Bürgermeister der Nachbarorte dabei, ebenso wie der Bürgermeister der Gemeinde Andechs, da der Ortsteil Erling ebenfalls in der Urkunde von 776 erwähnt ist! Auf eine Zeitreise nahm uns Kreisheimatpfleger Klaus Gast mit, mit Berichten über die Geschichte, Grundlagen und Auswirkungen der beurkundeten Schenkung sowie das Leben der Menschen im 8. Jahrhundert.“
Raisting auf der Leinwand
Unabhängig von den Feierlichkeiten ist zum Jubiläum ein wunderschöner Film entstanden, der zeigt, was dieses kleine Dorf im Pfaffenwinkel in seiner besonderen Lage zwischen München, Ammersee und Alpen so besonders macht: Es sind die Menschen, die miteinander und füreinander da sind und füreinander einstehen. Gemeinwohl und Gemeinschaft sind hier keine leeren Worte, sondern gelebte Realität.
Der Film von Christina Kahlert zeigt Vergangenheit und Zukunft sowie gelebte Tradition in der Gegenwart. Er zeichnet das Porträt einer Gemeinde, die ihre Wurzeln kennt und zugleich mutig nach vorne blickt. Einen besonderen Platz nimmt die Herz-Jesu-Prozession ein, die seit Jahrhunderten das wichtigste religiöse Fest im Ort ist. Für viele Raistinger ist sie ein Symbol ihrer Identität und ihres Zusammenhalts.
Großen Raum nehmen im Film, als Ausdruck der hohen Wertschätzung des Ehrenamts, auch die zahlreichen Vereine ein. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Wiederbelebung der Raistinger Tracht durch den Heimat- und Trachtenverein. Porträtiert wird auch der Betteltanz, eine in der Region einzigartige Veranstaltung, bei der junge Männer und Frauen auf humorvolle Weise „verkuppelt“ werden – ein Beispiel für bis heute gelebtes Brauchtum.
„Dieser Jubiläumsfilm ist für mich eine Herzensangelegenheit, da mich mit Raisting und dem Landkreis seit frühester Kindheit viele Erinnerungen und von uns produzierte Filme verbinden“, erzählte Autorin und Produzentin des Films Christina Kahlert der Bayerischen GemeindeZeitung. „Denn mein Vater Volkmar R. Kahlert hat mit seiner jungen Filmfirma den Bau des Radoms in Raisting filmisch begleitet. Der mit vielen internationalen Preisen prämierte Dokumentarfilm erschien 1965. Weitere Filme über den Bau der Antenne 2 folgten. Als dann 2011 das Radom saniert wurde, war die INDOC wieder am Start und es gab weitere Dokumentationen über 50 Jahre Radom und die aktuellen Ausstellungen im Radom. Deshalb war es für uns eine Freude, diesen Jubiläumsfilm auf Wunsch von Martin Höck mit Hilfe vieler Raistinger Sponsoren zu drehen. Mein Herz hängt bis heute an Raisting, dem Radom und den Menschen hier.“
Martin Höck ist seit 2014 Bürgermeister, und die 94 Prozent bei der letzten Wahl belegen seine große Beliebtheit. Neben seinem Amt ist er Gruppenführer bei der Freiwilligen Feuerwehr und aktiver Schuhplattler im Trachtenverein. Seine kleine Landwirtschaft ist Hobby und zugleich Ausgleich zu seinem anspruchsvollen Bürgermeisteralltag, den er mit großem Engagement ausfüllt.
Ein weiteres besonderes Projekt hat er in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Kinderförderverein im Jubiläumsjahr initiiert: Entstanden ist ein außergewöhnlicher Spielplatz, der nicht nur Jung und Alt verbindet, sondern auch Menschen mit Handicap Freude bereitet. Sogar Hunde dürfen mitspielen; hier wird Inklusion gelebt. Ein Spielplatz, der viele Nachahmer finden sollte.

„Die Festtage sind nun vorbei, besonders gefallen hat mir, dass man an allen Veranstaltungstagen den Zusammenhalt in der Bürgerschaft nicht nur sehen, sondern auch spüren konnte. Es haben sich alle örtlichen Vereine eingebracht. Es waren unglaublich viele ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Dieses Engagement wurde durch die überwältigende Anzahl von Besuchern aus dem Ort und der Nachbarschaft gewürdigt – ein rundum gelungenes Festwochenende! Ich bin stolz auf die Raistinger“, lautete das persönliche Resümee des Bürgermeisters.
Aber so ganze sind die Feierlichkeiten doch nicht vorbei: „Zu den Festveranstaltungen gesellt sich noch das Treffen der „Historischen Trachten in Altbayern“, das der örtliche Heimat- und Trachtenverein im Jubiläumsjahr ausrichtet. Am Sonntag, 13. September, erwarten wir mehrere tausend Besucher, die mit ihren historischen Trachten aus dem altbayerischen Raum zu uns nach Raisting kommen. Dieses Fest rundet unser Jubiläumsjahr ab.“
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