1250 Jahre Holzhausen am Ammersee: Ein Holzhäusl für alle – das ist Heimat
von Redaktion

Für viele Orte am Ammersee bleibt das Jahr 2026 unvergesslich: 776 wurden Holzhusun (Holzhausen), Reistingun (Raisting), Herscaningun (Herrsching), Erilingu (Erling) und Fiskas (Fischen) erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Schlehdorf erwähnt. Dieses 1250-jährige Jubiläum wurde in allen Orten mit besonderen Veranstaltungen gefeiert.
Die Gemeindezeitung besuchte den kleinsten Jubiläumsort: das idyllische Holzhausen am Westufer des Ammersees. Dort wurden am 4. und 5. Juli nicht nur 1250 Jahre Ortsgeschichte, sondern auch das 50-jährige Bestehen des Ortsvereins „Unser Dorf“ gefeiert.
Holzhausen zählt rund 450 Einwohner und gehört zur Gemeinde Utting im Landkreis Landsberg am Lech. Der historische Name bedeutet „Häuser am Wald“. Bekannt wurde der Ort durch seine Künstlerkolonie, in der sich um 1900 Mitglieder der Münchner Künstlervereinigung „Die Scholle“ niederließen. Noch heute prägen Geschichte und Kunst das Ortsbild – unter anderem im historischen Künstlerhaus von Anna und Mathias Gasteiger, das heute als Trauort dient.
Uttings Erster Bürgermeister Florian Hoffmann erlebte das Jubiläum als „ortstypisch“: „Es waren einfach alle da, haben Holzhausen in seiner Vielfalt vorgestellt und fröhlich miteinander gefeiert.“
Ein Fest aus der Mitte des Dorfes
Organisiert wurde das Jubiläum vom Verein „Unser Dorf e.V.“, der mit über 115 Mitgliedern das historische Ortsbild bewahrt und die Dorfgemeinschaft stärkt. Die Vorsitzenden Theresa Wilhelm und Nicole von Thülen konnten gemeinsam mit vielen Helferinnen und Helfern ein Fest auf die Beine stellen, das ganz vom Engagement der Einwohner lebte.
Rund 30 Stationen mit Handwerk, Kultur, Geschichte und Live-Musik verteilten sich über das ganze Dorf. Bereits am Morgen weckte die Bläsergruppe Entraching und Holzhausen die Bewohner. Es folgten Weißwurstfrühstück, Schafkopfturnier, Rikschafahrten und eine Kinder-Rallye. Am Abend sorgten die Blasmusikfreunde Utting und das Trio Nautico für beste Stimmung.
Eine Besonderheit war der ungewöhnliche Festplatz: Statt eines klassischen Bierzelts spannte der Verein einen großen Fallschirm über die Dorfmitte. So entstand ein gemütlicher Treffpunkt mit ganz eigener Atmosphäre. Besonders beliebt waren außerdem die geöffneten Künstler- und Bauernhäuser, die eindrucksvoll die Geschichte Holzhausens dokumentierten.
Das „Holzhäusl“ – ein Treffpunkt für alle
Höhepunkt des Festwochenendes war die Einweihung des neuen Dorfgemeinschaftshauses „Holzhäusl“. Die Gemeinde Utting stellte das Gebäude zur Verfügung und unterstützte den Umbau mit 70.000 Euro. Entstanden ist ein Ort, an dem sich das Dorf künftig zum Feiern, Tanzen sowie für Kultur und Gemeinschaft trifft.
Das rund 75 Quadratmeter große Gebäude wurde 1930 als Obstkeller errichtet, später als Schmiede und Wohnhaus genutzt und war vielen als „Malek-Haus“ bekannt. Im Festgottesdienst segnete Pater Xaver Namplampara das renovierte Haus, bevor Bürgermeister Hoffmann symbolisch einen Apfelbaum davor pflanzte. Begleitet wurde die Feier von der Blaskapelle Utting und zahlreichen Vereinen mit ihren Fahnen.
Für Nicole von Thülen, die erst seit Kurzem Zweite Bürgermeisterin ist, war das Jubiläum zugleich ein besonderer Start ins Amt: „Ich bin stolz auf die Initiative der Einwohner, die aus eigener Kraft das Holzhäusl geschaffen haben. Hier trifft sich der Hochschulprofessor mit dem Landwirt – alle wollen das Gleiche: einen schönen, traditionellen Ort, in dem man gern zusammenlebt. Das ist Heimat.“