1250-jähriges Raisting feiert: Geschichte, Heimat und Tracht
von Regina Welk

- Treffen der Historischen Trachten von Altbayern unter weiß-blauem Himmel - Bei strahlendem Sonnenschein fand anlässlich der 1250-Jahr-Feier von Raisting am 13. September 2026 das 22. Treffen der Historischen Trachten von Altbayern statt. Ausgerichtet wurde das traditionsreiche Fest vom Heimat- und Trachtenverein Raisting-Sölb e.V. unter der Schirmherrschaft von Erstem Bürgermeister Martin Höck. Über 30 Trachtenvereine aus ganz Bayern mit rund 700 Teilnehmern kamen in den Pfaffenwinkel. Nach dem Festgottesdienst folgten ein großer Umzug durch den Ort, ein Trachten- und Handwerkermarkt mit rund 30 Ausstellern, Ehrentänze und ein stimmungsvoller Festausklang.
Bereits vom 12. bis 14. Juni hatte Raisting zahlreiche Veranstaltungen (s. GZ 13/2026, S.15) zum 1250-jährigen Jubiläum, darunter ein Festwochenende und das 260. Herz-Jesu-Bruderschaftsfest. Mit dem Treffen der Historischen Trachten folgte nun ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahres. Besucher, Einwohner und Trachtler sorgten unter weiß-blauem Himmel für ein farbenprächtiges Bild der unterschiedlichsten historischen Gewänder. Raisting liegt im Pfaffenwinkel zwischen Lech und Loisach und ist geprägt von einer reichen Kloster- und Wallfahrtstradition. Kultur und Heimatpflege werden hier bis heute in zahlreichen Vereinen aktiv gelebt.
Unter freiem Himmel rund um den Maibaum begann um 9.30 Uhr die Feldmesse mit Pfarrer Martin Bestele, der seine Predigt den Schutzengeln widmete. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von der Blaskapelle Raisting. Anschließend sprachen Landrat Dr. Johann Bertl und der Vorsitzende der Vereinigung Historischer Trachten von Altbayern, Manfred Karl. Er bezeichnete die Vereinsmitglieder als „Schutzengel der Trachten und der Tradition“ und würdigte die Vielfalt sowie die Gemeinschaft der Vereine.
Bürgermeister Martin Höck begrüßte die Ehrengäste, darunter S.K.H. Prinz Karl von Bayern und Prinzessin Zugey, Landrat Dr. Johann Bertl, den Vorsitzenden Manfred Karl sowie Ehrenvorsitzenden Karl Wiedemann. In seiner Festrede erinnerte Höck an die erste urkundliche Erwähnung Raistings im Jahr 776 und schlug den Bogen von Geschichte und Heimat zur Gegenwart: Mit der Erdfunkstelle stehe Raisting seit 60 Jahren zugleich für internationale Kommunikation und technologische Offenheit. „Hier stehen die Füße fest auf heimischem Boden, aber der Blick geht trotzdem in die Welt“, betonte der Bürgermeister.
Hier wird Tracht getragen und gelebt
Höck hob hervor, dass Heimat nicht allein durch Alter oder Geschichte entstehe, sondern durch Menschen, die ihre Herkunft kennen und ihre Werte weitergeben. Tracht sei weit mehr als festliche Kleidung: Sie erzähle Geschichten, stifte Identität und verbinde Generationen. Tradition lebe nicht im Schrank, sondern beim gemeinsamen Tanzen, Musizieren, Platteln, Singen und Feiern. Die Vereinigung der Historischen Trachten leiste damit einen wertvollen Beitrag für die Gemeinden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Das erste Treffen der Historischen Trachten fand 1982 in Schliersee statt und wird seither alle zwei Jahre an wechselnden Orten veranstaltet. Im Jubiläumsjahr 2026 war Raisting Gastgeber dieser besonderen Begegnung.
Großer Festzug durch den Ort
Nach den Ansprachen setzte sich der Festzug mit rund 700 Teilnehmern in Bewegung. Alle Vereine präsentierten ihre historischen Festtagstrachten und schufen ein eindrucksvolles, farbenfrohes Gesamtbild. Angeführt wurde der Zug von Vorstandschaft und Ehrengästen, gefolgt von Trommlerzug, Blaskapelle Raisting und dem gastgebenden Heimat- und Trachtenverein. Es schlossen sich die Partner-Trachtenvereine aus Starnberg, Geltendorf und Weilheim sowie zahlreiche weitere Gruppen aus ganz Altbayern an. Vertreten waren unter anderem Vereine aus Neubeuern, Landsberg, Schwangau, Dachau, Steingaden, Zell/Ruhpolding, Garmisch, Ober- und Unterammergau, Kempten, Bad Kohlgrub, Kochel, Schliersee, Dießen, St. Georgen, Bernried, Wasentegernbach und Passau. Spielmannszüge, Trommler und Knappschaftskapellen sorgten für die musikalische Begleitung, während zahlreiche Zuschauer den Zug begeistert entlang der Strecke verfolgten.
Der Trachten- und Handwerkermarkt lud zum Entdecken bayerischer Handwerkskunst ein. Auch das Heimatmuseum und Informationen zum bayerischen Dialekt gehörten zum Programm. Für die Festmusik sorgten die Blaskapelle Raisting, die FKK-Musi, die „Klangdamischen“ und zum Abschluss die Starnberger Fischerbuam. Von vielen Teilnehmern war am Ende zu hören: „Schee war‘s – ein Vergelt‘s Gott an Raisting!“