Pinos Welt: Kleinvieh, Kapital und Kesselflicker

GZ Ausgabe GZ-20-2026 vom 22. Oktober 2026 | Pino
von Pino – The First-Cat
Bild der Kolumne "Pino"

Sie streiten wie die Kesselflicker und bekommen nichts auf die Kette – so sieht Deutschland in diesem Herbst, der eigentlich ein Herbst der Reformen hätte werden sollen, auf die Bundesregierung. Fast scheint es, als müsste man einen Herbst der Gefühligkeit ausrufen, nachdem die frühere Ministerin Bas einfordert, in schwierigen persönlichen Situationen die Arbeit kritiklos verweigern zu dürfen. Früher hieß es, man solle die Küche meiden, wenn man Hitze nicht vertrage. Heute soll es ein unmenschlicher Umgang sein, wenn man daran erinnert, dass beschlossene Reformkonzepte auch in Gesetze gegossen werden müssen. Persönliche Trauer soll vor dem Allgemeinwohl stehen? So gewinnen wir die Zukunft nicht.

Dabei muss man beim Thema Alterssicherung und deren Zukunftsfestigkeit doch objektiv das alte Zitat aus Goethes Götz von Berlichingen umdrehen: Wo starker Schatten ist, ist auch viel Licht. Denn zwei wichtige Vorhaben, die die Alterssicherungssysteme wenigstens ein Stück weit aus dem Würgegriff der Umlagen- und Steuerfinanzierung lösen können, sind bereits Gesetz: Das Altersvorsorgedepot und die Frühstartrente.

Das Altersvorsorgedepot löst ab 2027 die bräsige Riester-Rente ab, die sich mit den Jahren immer mehr zum Rendite-Killer und Kosten-Booster entwickelt hat. Anders als bei der Riester-Rente, die mit ihrem Kapitalerhaltdogma zwar zum Lebensversicherungs-Risikoaversionsdenken der Zeit vor der Jahrtausendwende passte, aber bestimmt nicht mehr in die neue Zeit der Kapitalmarktchancen, hat das Thema Eigenvorsorge für den Ruhestand gründlich in Verruf gebracht. Das Altersvorsorgedepot, das auch mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen gefördert wird, erlaubt chancenreichere Anlageformen und deckelt die Kosten drastisch, was sich natürlich über eine längere Laufzeit hinweg deutlich bei der Rendite bemerkbar machen wird.

Noch langfristiger und noch nachhaltiger wird die Frühstartrente wirken, bei der jetzt sechsjährigen Kindern bis zum 18. Lebensjahr jeden Monat 10 Euro auf ein Wertpapierkonto überwiesen wird. Wessen Eltern kein Konto einrichten, bekommt das Geld trotzdem, dann wird es bis zum 35. Lebensjahr von der Bundesbank verwahrt. Klar, zehn Euro monatlich oder 120 Euro im Jahr hören sich nicht viel an. Aber da das Kapital bis zum Renteneintritt gebunden bleibt, wird sich der Zinseszinseffekt über die Jahrzehnte hinweg deutlich auswirken und eine Redensart bestätigen, die früher zum Standard im Sprüchehausschatz gehörte: Kleinvieh macht auch Mist.

Dieser Satz war sozusagen Finanzbildung avant la lettre. Und das ist der zweite Vorteil der Frühstartrente: Wer sich schon in jungen Jahren, spätestens mit der Volljährigkeit, um Vermögensbildung und Altersvorsorge kümmern muss, kann sich informierter und damit zielgerichteter auf seine finanzielle Absicherung im Alter vorbereiten. Wenn die Frühstartrente als ungerecht kritisiert wird, weil vermögende Eltern den Kindern zu den 10 Euro noch was zuzahlen können, zeigt dies nur, dass antiquarisch offensichtlich noch Lehrbücher der marxistisch-leninistischen Wirtschaftstheorie im Umlauf sind. Motto: Lieber niemanden etwas gönnen als die Leistungsträger belohnen.

Dabei wäre es doch gerade zu Zeiten steigender Reichensteuer und explodierender Sozialbeiträge Zeit, mal an die Leistungsträger zu denken. Denn es ist doch wie bei den Kühen: Nur wenn die ordentlich zu fressen haben, geben sie Milch. Oder denken wir an Zuwanderung. Bisher klappt das ja nur so mittel, weil deutlich mehr Personen ins Sozialsystem oder niedrig qualifizierte Jobs einwandern als in Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung oder überdurchschnittlichen Qualifikationsanforderungen. Highpotentials anderer Länder bieten wir neben einer schwer zu lernenden Sprache gewöhnungsbedürftige Regeln im Zusammenleben (ich meine jetzt nicht nur Mülltrennung und das Warten an roten Ampeln), verbunden mit einer gigantischen Steuer- und Abgabenlast, ergänzt durch öffentliche gesellschaftliche Ächtung der Leistungsträger. Würden Sie in so ein Land einwandern wollen?

Heute kommt zum Schluss eine sozialdemokratische Ikone, Willy Brandt, zu Wort: „Der Bürgerstaat ist nicht bequem, Demokratie braucht Leistung.“

Pino

Pino – "The First-Cat" – Pechschwarz, wunderschön und charakterstark!

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