Das Kinderherz im Plüschformat

GZ Ausgabe GZ-15-16-2026 vom 30. Juli 2026 | Pino
von Pino – The First-Cat
Bild der Kolumne "Pino"

Kennen Sie diese Plüschfiguren auch, die aussehen wie Erdnüsse, Croissants oder Farfalle, ein liebliches Lächeln aufgenäht und verziert mit knuddeligen Knopfaugen? Oder die Kuscheltorten, ebenfalls mit Kindchenschemagesichterchen, die derzeit so gerne als kleine Überraschung auf Partys mitgebracht werden?

Daneben gibt es natürlich noch die Klassiker der Stoff- und Knuddeltiere: Bärchen, gerne im Bademantel, Hasen, gerne mit Karotte, Eichhörnchen, gerne mit Nuss. Alles das hat gerade einen enormen Lifestylehype, da die Zielgruppe mitnichten kleine Kinder sind, sondern Erwachsene, so genannte Kidults (von englisch Kid und Adult). Ja, wieder ein neues Wort, wieder ein neues Phänomen, wieder ein angelsächsischer Trend, wahrscheinlich aber nicht über den großen Teich zu uns gekommen, sondern nur über den Ärmelkanal. Jedenfalls sitzt der größte Hersteller dieser kleinen Seelentrösterchen im Vereinigten Königreich.

Zunächst muss man ja mal neidlos den Hut bis zum Boden vor so einer Marketingidee ziehen: Nachdem immer weniger Kinder geboren werden, die als Kunden für Spielzeug nachwachsen, verkauft man das Ganze kurzerhand denen, die durch Zurückhaltung bei der Fortpflanzung die Umsatzaussichten eintrüben. Genial.

Aber nicht nur Sushirollen und Rettungsringe gesellen sich zu den traditionellen Kätzchen und Dinosauriern, nein einige Erwachsene werden mit Labubus angesprochen, fiesen kleinen Monstern mit schiefem Grinsen oder andere durch kleine Babypuppen mit bunten Mützchen. Damit nicht genug treten „Blind Boxes“ einen Siegeszug an, also Schachteln, die ein Spielzeug enthalten, von dem man beim Kauf aber noch nicht weiß, was es ist. Um sich eine Enttäuschung zu ersparen, werden solche Boxes von echten Fans ungeöffnet ins Regal gestellt oder als Anhänger an einer Handtasche befestigt. Also das Prinzip Ü-Ei, nur ohne Schokolade, die man früher noch als Trost hatte, wenn das Spielzeug drinnen Schrott war.

Aber natürlich kann man nur verkaufen, wofür es ein Bedürfnis gibt. Man könnte vielleicht ganz platt sagen: Wer nicht mehr mit den eigenen Kindern oder Enkeln spielt, gleichgültig ob man keine hat oder die Kids lieber am Smartphone hängen, baut eine Sehnsucht nach der heilen Spielwelt seiner Kindheit auf. Denn wie jeder gut gehaltene Kater seine Spielzeugmaus aus Leder hatte, schlief früher praktisch jedes Kind mit einem Plüschbären-, hasen oder -elefanten ein, der auch untertags Freund, Vertrauter und Tröster war.

Positive Emotionen, Freude, Zurückdrängen der reinen Nützlichkeitserwägungen, das alles mag zum Erfolg dieses Trends beitragen. Weg vom Computer, vom unbegreifbaren Algorithmus, der scheinbar unser Leben bestimmt, rein in eine knuddelweiche Zauberwelt, aus der man sich nicht vertreiben lassen will, bloß weil es auf den ersten Blick albern erscheint, ein Blumenarrangement aus Bastelknete zu formen, um es in die Wohnung zu stellen.

Der ultimative Angriff auf die Dreißig- und Vierzigjährigen wurde aber Anfang letzter Woche gestartet: Die Diddl-Maus is back! Alles, was in den 90er und 00er-Jahren die Jungs der Republik zutiefst verstört hat, ist wieder da: Notizbücher, Stifte, Tassen und die berüchtigten Duftblöcke, die geeignet sind, tiefe Gräben unterschiedlichen Stilempfindens und der Geruchstoleranz zwischen zwei Menschen zu ziehen.

Aber vielleicht brauchen wir in diesen Zeiten der multiplen Unsicherheit, des vielen Leids und Hässlichem, mit dem wir täglich konfrontiert werden, einen großen Strauß emotionaler Zuckerwatte, um uns darin einzukuscheln. Analog glücklich sein mit einem Stück der Kindheit – wem wollte man das missgönnen.

Wie schrieb der chinesische Philosoph Mengzi: „Ein großer Mensch ist der, der, sein Kinderherz nicht verloren hat.“

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine entspannte, ruhige und rundum perfekte Sommerzeit.

Pino

Pino – "The First-Cat" – Pechschwarz, wunderschön und charakterstark!

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