Der Kater ist zurück
von Pino – The First-Cat

Ich kann heute nur all diejenigen beglückwünschen, die ihre Ferien weit weg und ohne Zugang zum täglichen Nachrichtenmix dieses Sommerlochs verbracht haben. Waren frühere Sommer gekennzeichnet durch Krokodile an Badeseen, aus Zoos enthüpften Kängurus oder dem Wettstreit zwischen der A 8 und der A 2 um den längsten Stau ever, so wurden wir Zurückgelassenen dieses Jahr von Eitelkeitsausbrüchen gepeinigt.
An erster Stelle zu nennen sind die beiden Ex-Riesenstaatspersonen Habeck und Baerbock. Der Ex-Wirtschaftsminister kann seine Berufung in der Welt nicht länger mit der Kärrnerarbeit eines einfachen (horribile dictu!) Bundestagsabgeordneten vereinbaren und sucht sein Heil in wissenschaftlichen Habitaten in den USA und Dänemark. Aber nicht, ohne uns per Zeitungsinterview noch wissen zu lassen, wie geil er als Politiker im Vergleich zu den Führungsfiguren war, die sich das Volk jetzt so zusammengewählt hat. Verständlich, dass er einem populären Ministerpräsidenten dessen nicht-vegane Lebensweise vorwarf, denn eine beleidigte Leberwurst muss natürlich den Fleisch- und Wurstkonsum derjenigen anprangern, die dem Leben auch positive Genussseiten abgewinnen können.
Interessant auch der Instagram-Post, mit dem sich die frühere Bundesaußenministerin als Fan von Model-Clips der 70er und 80er Jahre outet. Sie wird ja Präsidentin der Vollversammlung der Vereinten Nationen und musste nun wohl offensichtlich proaktiv den Eindruck zerstreuen, das wäre ein in der derzeitigen Weltlage von Ernsthaftigkeit geprägtes Amt. So zog sie es vor, angetan mit enger Jeans, schwarzen High-Heels und um einen Hauch zu kurzem T-Shirt, zu einer Taxifahrt durch New York aufzubrechen, gerade so, als gelte es für ein Mädchen vom Lande, die große Stadt zu erobern. Einziger Unterschied zu ähnlichen Bildern von früheren Mannequins: Sie schleppte nicht Dutzende Einkaufstüten voll Klamotten, sondern schreibt (per Hand und Stift) in ein Notizbuch. Immerhin.
Ein anderer abgehalfterter Politiker, der uns mit Gesprächsstoff versorgte, war der frühere Thüringer Ministerpräsident Ramelow, jetzt Bundestagsvizepräsident und selbsternannte Silberlocke der Linken. Er wollte gleich unsere deutsche Flagge ändern, die Nationalhymne auswechseln und eine neue Verfassung beschließen lassen. Wahrscheinlich ist es das Alter, warum er es so eilig mit Allem hat. Für die Flagge gibt es ja auf einschlägigen Radikalendemonstrationen schon Entwürfe, die die russische und deutsche Trikolore diagonal kombinieren und auch im Falle einer Kapitulation weiterverwendet werden könnten. Denn die Linke ist ja bekanntlich gegen die Aufrüstung. Dass sich ein PDS/Linke-Politiker auch mit der Hymne schwertut muss man verstehen, da kommt das Bekenntnis zur Freiheit vor, mit dem der Sozialismus ja bekanntlich in diametralem Gegensatz steht. Und unser Grundgesetz erst, mit all den lästigen Anordnungen zur Eigentumsgarantie, Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit – mal lieber weg damit!
Und weil diese Vorschläge doch eher Wiedergänger von Sommerlochthemen der letzten Jahre waren, wollte sich ein angesehener Wirtschaftsforscher nicht lumpen lassen und haute noch den Evergreen von der Dienstpflicht raus. Da die Wissenschaft aber zur Originalität verpflichtet ist, diesmal nicht für die Jungen, sondern für die Alten, nahtlos im Anschluss an den Ruhestandseintritt.
Warum um Gottes Willen muss in Deutschland immer und bei allem von Pflicht, Zwang und Obrigkeit die Rede sein? Richtig ist, diejenigen, die in diesem Jahrzehnt in Rente gehen, hinterlassen den jüngeren Generationen ein weitgehend unfinanzierbares soziales Alterssicherungssystem. Also wäre es vernünftig, wenn diese Generation länger arbeiten oder sich in anderer Weise produktiv einbringen würde. Beispiel Ehrenamt. Beispiel Sorgearbeit mit den Enkeln, um den Kindern durch Entlastung bei der Betreuung eine Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Merken Sie was? Das passiert schon, ganz ohne Zwang und wissenschaftliche Expertise!
Mal sehen, ob wir den notwendigen Herbst der Entscheidungen bekommen. Schön wäre ein Herbst ohne Eitelkeiten, aber schon Ernst Bloch wusste: „Eitelkeit ist das letzte Kleid, das der Mensch auszieht.“
Ihr Pino