Henry Schramm, Bezirkstagspräsident Oberfranken, Bezirkstagspräsident der KPV Bayern: Tradition bewahren – Zukunft gestalten: Unsere Landwirtschaftlichen Lehranstalten zeigen, wie beides gelingt
von Henry Schramm

Liebe Leserinnen und Leser, |
wer Oberfranken kennt, der weiß: Unsere Kulturlandschaft ist bis heute geprägt von bäuerlicher Tradition, von Menschen, die seit Generationen mit Herz und Hand für ihre Höfe arbeiten. Diese Verwurzelung prägt unser Lebensgefühl bis heute. Gleichzeitig erleben wir eine Landwirtschaft, die sich in rasantem Tempo weiterentwickelt – technisch, ökologisch und gesellschaftlich. Genau an dieser Schnittstelle steht eine unserer wichtigsten Einrichtungen: die Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth. Kaum ein Ort zeigt so eindrucksvoll, wie Tradition und Moderne zusammenfinden. Hier wird bewahrt, was unseren ländlichen Raum stark gemacht hat – und gleichzeitig mutig Neues gedacht, erprobt und vermittelt. Landwirtschaft, wie sie in Oberfranken zuhause ist Die Wurzeln der Lehranstalten reichen bis ins Jahr 1863 zurück. Generationen von Landwirten, Landfrauen und später auch Gärtnerinnen und Gärtnern haben hier ihr Wissen erweitert und ihre berufliche Zukunft vorbereitet. Bis heute gehören Mutterkuhhaltung, Ackerbau und regionale Produktion fest zum Alltag des Bezirkslehrguts. Besonders stolz sind wir auf unsere beiden Mutterkuhherden – darunter das Fränkische Gelbvieh, eine Rasse, die 2025 zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ gekürt wurde. Der Bezirk hat sich bereits vor rund 20 Jahren bewusst entschieden, diese seltene Rasse zu erhalten. Für uns ist sie ein lebendiges Stück fränkischer Identität – und ein Beispiel dafür, wie Kulturpflege in der Landwirtschaft aussehen kann. Dass sich Tradition bestens mit Offenheit verbindet, zeigt unter anderem auch unser Bestand an Weiderind. Ob Wagyu, Schottisches Hochlandrind oder unsere heimischen Rinder – unser Wirken in diesem Bereich zeigt eindrucksvoll, wie bunt und vielfältig die Weidewirtschaft sein kann. Moderne Bildung, die den Blick nach vorn richtet So sehr wir Tradition schätzen – unsere Lehranstalten sind zugleich ein Ort hochmoderner Bildung. Die Kooperation mit der Handwerkskammer Unterfranken im Projekt „FillA – Feldrobotik in der landwirtschaftlichen und landtechnischen Ausbildung“ ist dafür ein besonders gutes Beispiel. Feldroboter gehören heute vielerorts schon zum Hofalltag. Künftig werden sie aus der Ausbildung nicht mehr wegzudenken sein. Deshalb entwickeln wir gemeinsam neue Lehrkonzepte, schaffen modernste Technik an und ermöglichen jungen Menschen den sicheren Umgang mit diesen digitalen Helfern. Auch Themen wie Energiemanagement und Klimaschutz spielen eine wichtige Rolle. Beim Aktionstag Photovoltaik diskutierten Fachleute aus ganz Bayern über Zukunftschancen einer nachhaltigen Energieversorgung. Unsere Lehranstalten waren hier schon früh Vorreiter – seit 2008 produziert die „Sonnenhalle“ auf dem Gelände Strom, heute arbeiten wir bereits an der nächsten Anlage mit Speicherlösung. Dass moderne Landwirtschaft aber nicht nur aus Technik besteht, zeigte sich auch beim Netzwerktreffen der Demonstrationsbetriebe für Gewässer-, Boden- und Klimaschutz. Dort wurde vermittelt, wie schonender Pflanzenschutz, kluge Düsentechnik und verantwortungsvolle Bewirtschaftung dazu beitragen, natürliche Ressourcen zu bewahren. Und selbst beim Wald denken wir an die Zukunft: Schülerinnen und Schüler des Richard-Wagner-Gymnasiums pflanzten im Eckersdorfer Forst auf einer Fläche des Bezirks über 500 junge Bäume – ein starkes Zeichen für Klimaschutz und generationsübergreifende Verantwortung. Ein außergewöhnlicher Beitrag für unseren ländlichen Raum Unsere Landwirtschaftlichen Lehranstalten stehen beispielhaft dafür, wie vielfältig die Aufgaben der Bezirke sind. Sie sind Bildungszentrum, Versuchsbetrieb, Ort moderner Technik, Heimat gefährdeter Tierrassen, Partner für Schulen und Familien – und damit ein unverzichtbarer Teil unserer Kulturpflege in einer Region, die vom ländlichen Charakter lebt. |