Henry Schramm, Bezirkstagspräsident Oberfranken, Bezirkstagspräsident der KPV Bayern: Einsamkeit begegnen: Wie wir das Miteinander in Oberfranken stärken
von Henry Schramm

Liebe Leserinnen und Leser, |
ein Gespräch am Gartenzaun, die Probe im Musikverein, ein gemeinsamer Spaziergang: Einsamkeit kann uns in jedem Alter begegnen. Auch wer (noch) regelmäßig unter Menschen ist, kann sich einsam fühlen. Der Verlust eines vertrauten Menschen oder eine Erkrankung kann es zusätzlich erschweren, Kontakte zu pflegen. Umso wichtiger ist es, aufmerksam zu bleiben und Unterstützung anzubieten. Das Einsamkeitsbarometer 2026 zeigt: Menschen mit Behinderungen sind häufiger von Einsamkeit betroffen als Menschen ohne Behinderungen. Das bestärkt uns als Bezirk Oberfranken in einer zentralen Aufgabe: Teilhabe im Alltag zu ermöglichen. Mit unserer Arbeit in der Eingliederungshilfe, der Hilfe zur Pflege und der psychiatrischen Versorgung unterstützen wir Menschen dabei, möglichst selbstbestimmt zu leben und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Ein wichtiger Baustein sind die von uns geförderten Sozialpsychiatrischen Dienste. Sie beraten Menschen mit psychischen Erkrankungen und deren Angehörigen. Zu ihrer Arbeit gehören auch Gruppenangebote und gemeinsame Freizeitaktivitäten. Gerade wenn eine seelische Erkrankung den Alltag erschwert, können solche verlässlichen Kontakte helfen, wieder Anschluss zu finden. Wie das aussehen kann, zeigt beispielsweise die Begegnungsstätte „Lichtblicke“ der Diakonie Selb-Wunsiedel in Marktredwitz. Dort laden ein offener Treff, eine Kochgruppe und kreative Angebote zum Mitmachen ein. Beim gemeinsamen Kochen oder bei einer Tasse Kaffee kommt man ins Gespräch. Die Teilnahme ist kostenlos. So entstehen Gelegenheiten, andere Menschen kennenzulernen und Gemeinschaft zu erleben. Zum Glück gibt es bereits viele solche und ähnliche Angebote in ganz Oberfranken. Auch die Offene Behindertenarbeit, die der Bezirk unterstützt, schafft Möglichkeiten zur Begegnung. Ihre Dienste bieten Menschen mit Behinderungen Beratung und gemeinsame Freizeitaktivitäten vor Ort. Dahinter steht eine einfache Überzeugung: Jeder Mensch soll seine Interessen einbringen, Beziehungen aufbauen und das Leben in seiner Gemeinde mitgestalten können. Ältere Menschen mit seelischen Belastungen nimmt die von uns geförderte Gerontopsychiatrische Fachkoordination Oberfranken in den Blick. Sie vernetzt Hilfsangebote und vermittelt Fachwissen an Beschäftigte der Alten- und Gesundheitshilfe. Dazu gehören auch Vorträge über Einsamkeit im Alter. Denn wer solche Belastungen erkennt, kann auf passende Unterstützung aufmerksam machen. Dabei kommt es auf das Zusammenspiel vor Ort an. Gemeinden, soziale Träger, Kirchengemeinden und Vereine können gemeinsam viel bewegen. Unsere gewachsenen Vereins- und Nachbarschaftsstrukturen sind dafür eine wertvolle Grundlage. Angebote müssen bekannt, barrierefrei und gut erreichbar sein. Manchmal braucht es auch jemanden, der zum ersten Treffen mitkommt. Einsamkeit zu begegnen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Allen, die sich beruflich oder ehrenamtlich Zeit für andere nehmen, gilt unser Dank. Sie tragen dazu bei, dass aus einer ersten Begegnung ein verlässliches Miteinander werden kann. Eine Heimat, in der Menschen füreinander einstehen und nicht in Einsamkeit ihr Leben bestreiten müssen, lebt von genau diesem Engagement. |