Cornelia Trinkl, stv. KPV-Landesvorsitzende, Berufsmäßige Stadträtin und Referentin für Schule und Sport der Stadt Nürnberg Was unsere Gesellschaft zusammenhält: Demokratie vor Ort erlebbar machen

GZ Ausgabe GZ-5-2026 vom 26. Februar 2026 | Kolumne
von Cornelia Trinkl
Porträtfoto

Liebe Leserinnen und Leser, Demokratie lebt nicht allein von Gesetzen, Wahlen und Institutionen. Sie lebt davon, dass Menschen erfahren, dass ihre Stimme zählt. Gerade für junge Menschen braucht Demokratie deshalb mehr als Theorie – sie braucht Erfahrungsräume. Räume, in denen spürbar wird: Engagement lohnt sich. Mitreden verändert etwas. Beteiligung ist erwünscht.

Die kommunale Ebene spielt dabei eine besondere Rolle. Denn nirgendwo sonst wirkt Politik so unmittelbar auf den Alltag junger Menschen wie vor Ort: Schulwege, Freizeit- und Sportangebote, Bus- und Bahnverbindungen oder digitale Infrastruktur – all das sind kommunalpolitische Entscheidungen. Wenn wir junge Menschen für Demokratie begeistern wollen, dann müssen wir hier ansetzen.

Die zentrale Frage lautet deshalb: Wie gelingt es uns, Kommunalpolitik für junge Menschen greifbar und erlebbar zu machen?

Ein wichtiger Teil der Antwort liegt dort, wo junge Menschen einen Großteil ihres Alltags verbringen: in der Schule. Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein zentraler Erfahrungsraum für Demokratie. Wer früh erlebt, dass die eigene Meinung gehört wird und Mitgestaltung möglich ist, entwickelt Interesse und Vertrauen in politische Prozesse. Formate wie die neu eingeführte Verfassungsviertelstunde, Schülerparlamente oder Klassenräte leisten hier einen wichtigen Beitrag – weil sie Diskussion, Verantwortung und Perspektivenvielfalt ermöglichen.

Gleichzeitig sind auch wir Kommunen gefragt. Kommunalpolitik darf kein abstraktes Konstrukt bleiben. Junge Menschen sollen Politik nicht nur erklärt bekommen – sie sollen sie erleben. In Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern zeigt sich immer wieder, wie wichtig es ist zu vermitteln, dass politische Entscheidungen von Menschen getroffen werden: von Menschen, die ansprechbar sind, zuhören und Verantwortung tragen. Mit Formaten wie „Wie wird Politik gemacht?“ öffnen wir regelmäßig das Rathaus für Schulklassen und schaffen direkte Begegnungen mit den politischen Vertreterinnen und Vertretern.

Ein weiterer Schlüssel liegt in echter Beteiligung. In Nürnberg gehen wir dafür unterschiedliche Wege: Planspiele zur Kommunalpolitik im großen Sitzungssaal machen Ratsarbeit erlebbar, Schulparlamente werden vor Ort intensiv begleitet und die jährliche Versammlung der Schülersprecherinnen und -sprecher wählt den Stadtschülerrat, der im regelmäßigen Austausch mit Politik und Verwaltung stehen. So wird Mitwirkung konkret – und ernst genommen.

Dabei dürfen wir uns nicht auf Bewährtem ausruhen. Junge Menschen informieren sich anders, kommunizieren anders und bringen neue Perspektiven ein. Digitale Beteiligungsformate, niedrigschwellige Dialogangebote und eine klare, verständliche Sprache können Brücken bauen. Kommunalpolitik muss erklären, zuhören – und auch Fehler eingestehen können. Genau darin entsteht Vertrauen.

Nicht zuletzt braucht Demokratie Vorbilder. Wenn junge Menschen sehen, dass Engagement möglich ist, dass politische Arbeit gestaltbar und sinnstiftend sein kann, wächst Interesse. Deshalb sollten wir junge kommunalpolitisch engagierte Menschen sichtbar machen und ihre Geschichten erzählen.

Demokratiebegeisterung entsteht nicht über Nacht. Sie wächst dort, wo wir jungen Menschen Verantwortung zutrauen, ihre Lebensrealität ernst nehmen und echte Mitgestaltung ermöglichen. Demokratie vor Ort lebt vom Mitmachen – und sie beginnt bei den Jüngsten. Als Kommunen tragen wir die Verantwortung, ihnen diese Tür zu öffnen.

Porträtfoto Cornelia Trinkl

Cornelia Trinkl, stv. KPV-Landesvorsitzende, Berufsmäßige Stadträtin und Referentin für Schule und Sport der Stadt Nürnberg

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