Cornelia Trinkl, Bildungsreferentin der Stadt Nürnberg, stellv. KPV-Landesvorsitzende, langjährige Stadt- und Kreisrätin sowie stellv. Landrätin: Frauen in der Kommunalpolitik und an den Spitzen der Verwaltung – was es jetzt braucht

GZ Ausgabe GZ-12-2026 vom 17. Juni 2026 | Kolumne
von Cornelia Trinkl
Porträtfoto

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin in einer Sitzung oder stelle mich mit Kollegen für ein Gruppenfoto auf und stelle wieder einmal fest: ich bin die einzige Frau. Die vergangenen Kommunalwahlen haben erneut gezeigt: die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in politischen Führungspositionen ist noch lange nicht erreicht. Obwohl Frauen rund die Hälfte der Bevölkerung stellen, sind sie in kommunalen Parlamenten, Rathäusern und insbesondere in den Spitzenämtern weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Der Frauenanteil in wichtigen Entscheidungspositionen ist sogar nochmals zurück gegangen. Nach den erfolgten Stichwahlen gibt es in keiner kreisfreien Stadt eine weibliche Oberbürgermeisterin.

Trotz Bemühungen von verschiedenen Seiten und überparteilichen Kampagnen für mehr Frauen in der Kommunalpolitik hat sich dieser Trend verfestigt. Diese Entwicklung sollte uns nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich zu denken geben. Denn Kommunalpolitik entscheidet über die Lebensrealität der Menschen: Bildung, Mobilität, Sicherheit, Kultur, Betreuung oder Wohnen. Gerade deshalb braucht es mehr Perspektiven und ganz explizit auch die Erfahrungen und Kompetenzen von Frauen in den kommunalen Entscheidungsprozessen. Dabei geht es nicht allein um Repräsentation – Demokratie gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn die Vielfalt unserer Gesellschaft auch dort sichtbar wird, wo Entscheidungen getroffen werden.

Als Bildungsreferentin bewegt mich dieses Thema nicht nur beruflich, sondern auch persönlich. Seit 25 Jahren engagiere ich mich in der Politik – zunächst ehrenamtlich, inzwischen auch beruflich. Ich habe erlebt, wie viel Gestaltungskraft Kommunalpolitik entfalten kann – aber auch, wie hartnäckig Strukturen und auch Meinungen sein können, die Frauen den Weg in die politische Verantwortung erschweren. Als Mama von zwei Mädchen frage ich mich daher nicht nur, wie Politik heute aussieht, sondern welche Vorbilder und Möglichkeiten wir der nächsten Generation zeigen.

Die Ursachen für die geringe Repräsentanz von Frauen sind vielfältig: traditionelle Rollenbilder, Übernahme der Familien- und Sorgearbeit oder lange (Abend-) Sitzungen. Gleichzeitig schrecken digitale Anfeindungen oder sexistische Angriffe auf Kommunalpolitikerinnen viele Frauen ab. Und hier beginnt jetzt – kurz nach der Wahl – bereits unsere Arbeit und Vorbereitung für 2032. Wir müssen jetzt damit beginnen, Frauen für eine Kandidatur zu begeistern. Wer nicht kandidiert, kann auch nicht gewählt werden.

Wir brauchen sichtbare Vorbilder: Mädchen und junge Frauen müssen Frauen in Verantwortung erleben können – als Landrätinnen, Bürgermeisterinnen, Referentinnen, Amtsleiterinnen, Kreis-, Stadt- und Gemeinderätinnen. Sichtbarkeit schafft Selbstverständlichkeit. Wer Vorbilder sieht, entwickelt eigene Ambitionen.

Wir müssen die kommunalpolitischen Abläufe aber auch stärker an den Lebensrealitäten orientieren: flexible Sitzungszeiten mit planbarem Ende, digitale Beteiligungsmöglichkeiten und familienfreundliche Strukturen. Das sind alles keine Sonderwünsche, sondern Voraussetzungen für mehr Teilhabe.

Lassen Sie uns aber bereits heute mehr Frauen ermutigen und in unsere Netzwerke bringen. Seien es Programme zur Nachwuchsförderung, Mentoringangebote und kommunale Frauennetzwerke, die Hemmschwellen abbauen und den Einstieg in politische Verantwortung erleichtern können.

Wir brauchen eine neue politische Kultur. Frauen sollen nicht trotz ihres Geschlechts erfolgreich sein und auch nicht nur in Mandate kommen, weil sie Frauen sind.

Frauen sollen selbstverständlich erfolgreich sein. Dazu gehört eine Kultur des Respekts, die unterschiedliche Führungsstile anerkennt und politische Kompetenz unabhängig bewertet.

Denn es geht nicht um Symbolik. Studien und Erfahrungen zeigen, dass vielfältig zusammengesetzte Gremien unterschiedliche Lebensrealitäten sowie Erfahrungen einbringen und dabei letztlich bessere Entscheidungen treffen. Gerade Kommunalpolitik lebt von Nähe, Dialog und konkreter Problemlösung. Sie braucht die Erfahrungen von Frauen ebenso wie die von Männern.

Wenn ich auf meine beiden Töchter blicke, wünsche ich mir, dass sie später nicht darüber nachdenken müssen, ob politische Führung für Frauen möglich ist oder bei Terminen gefragt werden, wo ihre Kinder sind (wobei Väter das nie gefragt werden).

Ich wünsche mir, dass sie selbstverständlich davon ausgehen können, Verantwortung zu übernehmen – in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft.

Öffnen wir gemeinsam Türen für die nächste Generation von Frauen in Verantwortung!

Porträtfoto Cornelia Trinkl

Cornelia Trinkl, Bildungsreferentin der Stadt Nürnberg, stellv. KPV-Landesvorsitzende, langjährige Stadt- und Kreisrätin sowie stellv. Landrätin

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