Christoph Göbel, Landrat Landkreis München und Mitglied im KPV-Bundesvorstand: Technik verschafft Vorsprung
von Christoph Göbel

Liebe Leserinnen und Leser,
bei Blaulichteinsätzen zählt oft jede Minute. Je besser die Einsatzkräfte bereits vor dem Eintreffen über die Lage informiert sind, desto gezielter können sie handeln und Hilfe leisten. Genau hier setzt ein neues Pilotprojekt im Landkreis und in der Stadt München an, das in den vergangenen Wochen gestartet ist.
Künftig unterstützen automatisierte Drohnen die Gefahrenabwehr. Sie starten bei bestimmten Einsatzstichworten teils automatisch, teils manuell und liefern innerhalb kürzester Zeit hochauflösende Luftbilder – meist schon bevor die ersten Einsatzkräfte vor Ort eintreffen. Damit entsteht ein entscheidender Zeitvorsprung für die Lagebeurteilung und die Planung der notwendigen Maßnahmen.
Die Drohnen kommen insbesondere dort zum Einsatz, wo die Situation zunächst unklar ist. Mit einer Geschwindigkeit von rund 50 Kilometern pro Stunde und einem Einsatzradius von etwa acht Kilometern erreichen sie die Einsatzstelle in der Regel deutlich schneller als die anfahrenden Kräfte. Aus der Luft liefern sie ein präzises Lagebild. Hochauflösende Kameras und Wärmebildtechnik helfen beispielsweise, Brandherde zu erkennen oder die Ausdehnung eines Ereignisses einzuschätzen. Die Einsatzleitung kann so bereits vor dem Eintreffen vor Ort strukturiert Entscheidungen treffen und Maßnahmen vorbereiten.
Stadt und Landkreis nutzen die Drohnen gemeinsam – unabhängig von Zuständigkeitsgrenzen. Entscheidend ist, welche Drohne am schnellsten verfügbar oder dem Einsatzort am nächsten ist. Dieses Prinzip steht exemplarisch für eine moderne Gefahrenabwehr, die nicht in administrativen Grenzen denkt, sondern in wirksamen Lösungen.
Das Projekt ist zunächst auf sechs Monate angelegt. In dieser Zeit werden Abläufe getestet und Erfahrungen gesammelt, um anschließend über einen dauerhaften Einsatz zu entscheiden. Schon jetzt zeigen erste Einsätze, dass die Drohnen im Schnitt mehrere Minuten vor den Einsatzkräften vor Ort sind und damit einen echten Mehrwert liefern können.
Gleichzeitig gilt: Der Einsatz erfolgt ausschließlich anlassbezogen. Eine flächendeckende Überwachung findet nicht statt, und auch datenschutzrechtliche Vorgaben werden konsequent eingehalten. Moderne Technik und verantwortungsvoller Umgang gehen hier Hand in Hand.
Für uns als Kommunen zeigt dieses Projekt vor allem eines: Zukunftsfähiger Bevölkerungsschutz entsteht dort, wo Innovation, Praxisnähe und Zusammenarbeit zusammenkommen. Es geht nicht um Technik um ihrer selbst willen, sondern um konkrete Verbesserungen für die Sicherheit der Menschen und für die Arbeit der Einsatzkräfte.
Wenn es gelingt, solche Ansätze weiterzuentwickeln und dauerhaft zu verankern, dann stärken wir nicht nur unsere Strukturen, sondern auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit unserer kommunalen Ebene.
Mit den besten Grüßen