Carmen Pepiuk, stellv. Landesvorsitzende der KPV Bayern, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Trabitz: Wenn der Angriff plötzlich ganz nah kommt

GZ Ausgabe GZ-18-2026 vom 24. September 2026 | Kolumne
von Carmen Pepiuk
Portätfoto
Carmen Pepiuk, stellv. Landesvorsitzende der KPV Bayern, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Trabitz.

Liebe Leserinnen und Leser,

Es gibt Nachrichten, die liest man morgens, nimmt sie zur Kenntnis und geht zur Tagesordnung über. Und dann gibt es Nachrichten, bei denen man als Bürgermeisterin kurz innehält.

Die Meldung über einen massiven Datendiebstahl mit anschließender Erpressung bei einer Großstadt gehört für mich dazu. Denn sofort stellt sich die Frage: Wenn es eine große Verwaltung mit eigener IT, Fachabteilungen und ganz anderen finanziellen Möglichkeiten treffen kann – wie sieht es dann bei uns kleinen Kommunen aus?

Die Antwort ist nicht unbedingt beruhigend. Auch eine kleine Gemeinde verwaltet längst nicht mehr nur Straßen, Wasserleitungen, Bauplätze und Kindergärten. Wir verwalten vor allem eines: Daten. Meldedaten, Personaldaten, Steuerdaten, Grundstücksdaten, Verträge, Rechnungen und Bankverbindungen. Und damit sind auch wir ein mögliches Ziel.

Was passiert, wenn am Montagmorgen plötzlich kein Rechner mehr funktioniert? Wenn E-Mails ausfallen, Fachverfahren nicht erreichbar sind und niemand mehr auf wichtige Daten zugreifen kann? Wen rufen wir an? Wer stellt fest, was passiert ist? Wer informiert Behörden, Polizei und Bürger? Und vor allem: Wer sorgt dafür, dass die Verwaltung wieder arbeiten kann?

Spätestens dann wird klar: Cybersicherheit ist keine reine IT-Frage. Sie ist eine Frage der kommunalen Handlungsfähigkeit. Und genau hier wird es für kleine Gemeinden schwierig.
Eine Großstadt hat IT-Abteilungen und Spezialisten. In kleinen Kommunen kümmern sich wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichzeitig um Bauanträge, Haushalt, Personal, Wahlen und Bürgeranliegen. Nebenbei sollen sie mit Cyberkriminellen Schritt halten, deren Methoden immer professioneller werden.

Natürlich müssen wir vor Ort unseren Teil tun. Sichere Passwörter, Mehr-Faktor-Authentifizierung, Updates, Backups und Schulungen sind längst keine Kür mehr. Ein einziger falscher Klick kann erhebliche Folgen haben.

Aber wir sollten uns nichts vormachen: Mit dem Satz „Ihr müsst eben mehr für Cybersicherheit tun“ ist es nicht getan. Cybersicherheit kostet Geld. Und sie braucht Fachwissen. Beides ist in kleinen Kommunen nicht unbegrenzt vorhanden.

Gleichzeitig treiben wir die Digitalisierung unserer Verwaltungen voran. Immer mehr Leistungen sollen digital angeboten, Verfahren vernetzt und Daten elektronisch verarbeitet werden. Das ist richtig und notwendig. Aber Digitalisierung ohne ausreichende Cybersicherheit ist nur die halbe Arbeit.

Nicht jede kleine Gemeinde kann einen eigenen Cybersicherheitsexperten beschäftigen. Das muss sie auch nicht. Aber jede Gemeinde muss wissen, wen sie im Ernstfall anrufen kann und dann schnell professionelle Hilfe bekommen.

Wir brauchen deshalb gemeinsame Lösungen, zentrale Ansprechpartner und funktionierende Notfallstrukturen. Wir brauchen Unterstützung durch Freistaat und kommunale IT-Dienstleister. Und wir brauchen eine Finanzierung, die anerkennt: Cybersicherheit gehört heute zur kommunalen Daseinsvorsorge.

Denn Cyberkriminelle fragen nicht, wie viele Einwohner eine Gemeinde hat. Auch die kleine Gemeinde auf dem Land verfügt über wertvolle Daten. Auch sie ist Teil einer immer stärker vernetzten digitalen Infrastruktur. Und auch dort kann ein erfolgreicher Angriff eine Verwaltung im schlimmsten Fall lahmlegen.

Je digitaler wir werden, desto wichtiger wird deshalb die Frage nach der Sicherheit. Beides lässt sich nicht voneinander trennen.

Ein Cyberangriff auf eine Kommune ist eben nicht nur ein Angriff auf Computer und Server. Er kann die Handlungsfähigkeit des Staates vor Ort treffen und damit auch das Vertrauen der Menschen in ihre Verwaltung.

Dieses Vertrauen zu schützen, ist eine gemeinsame Aufgabe. Wir Kommunen müssen unseren Teil dazu beitragen. Aber Bund und Länder dürfen gerade kleine Gemeinden mit dieser Verantwortung nicht alleine lassen.

Wer einen digitalen Staat will, muss auch dafür sorgen, dass seine kleinste kommunale Einheit digital sicher arbeiten kann. Denn die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, ob es uns irgendwann trifft . Sondern: Sind wir vorbereitet, wenn es passiert?

Ihre Carmen Pepiuk
Stv. Landesvorsitzende der KPV Bayern
Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Trabitz

Porträt Carmen Pepiuk

Carmen Pepiuk, stv. Landesvorsitzende der KPV Bayern, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Trabitz

Ihre optimale Website-Nutzung

Diese Website verwendet Cookies und bindet externe Medien ein. Mit dem Klick auf „✓ Alles akzeptieren“ entscheiden Sie sich für eine optimale Web-Erfahrung und willigen ein, dass Ihnen externe Inhalte angezeigt werden können. Auf „Einstellungen“ erfahren Sie mehr darüber und können persönliche Präferenzen festlegen. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Detailinformationen zu Cookies & externer Mediennutzung

Externe Medien sind z.B. Videos oder iFrames von anderen Plattformen, die auf dieser Website eingebunden werden. Bei den Cookies handelt es sich um anonymisierte Informationen über Ihren Besuch dieser Website, die die Nutzung für Sie angenehmer machen.

Damit die Website optimal funktioniert, müssen Sie Ihre aktive Zustimmung für die Verwendung dieser Cookies geben. Sie können hier Ihre persönlichen Einstellungen selbst festlegen.

Noch Fragen? Erfahren Sie mehr über Ihre Rechte als Nutzer in der Datenschutzerklärung und Impressum!

Ihre Cookie Einstellungen wurden gespeichert.