Carmen Pepiuk, stellv. Landesvorsitzende der KPV Bayern, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Trabitz: Gewählt – und jetzt?

GZ Ausgabe GZ-10-2026 vom 14. Mai 2026 | Kolumne
von Carmen Pepiuk
Portätfoto
Carmen Pepiuk, stellv. Landesvorsitzende der KPV Bayern, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Trabitz.

Die Wahl ist vorbei. Plakate sind abgehängt, Wahlstände verschwunden, die letzten Gespräche an Haustüren verklungen. Und doch beginnt jetzt erst die eigentliche Arbeit. „Gewählt – und jetzt?“ ist mehr als eine Leitfrage, es ist ein Auftrag. An mich, an uns und an die kommunale Politik insgesamt.

Die Kommunalwahl 2026 war geprägt von großen Themen: steigende Lebenshaltungskosten, Energiewende, Migration, Digitalisierung, der Zustand unserer Infrastruktur. Aber vor Ort, in unseren Gemeinden, übersetzen sich diese Schlagworte in ganz konkrete Anliegen: der kaputte Weg, die fehlenden Kitaplätze, der Wunsch nach einem funktionierenden Nahverkehr, die Frage, wie wir unser Vereinsleben lebendig halten.

Als ehrenamtliche Bürgermeisterin stehe ich genau an dieser Schnittstelle zwischen großen Erwartungen und kleinteiliger Realität. Ich mache diese Aufgabe nicht hauptberuflich und gerade das ist Chance und Grenze zugleich.

Das Wahlergebnis ist für mich in erster Linie ein Vertrauensbeweis. Viele Bürgerinnen und Bürger haben mir erneut ihr Vertrauen geschenkt und damit auch die Verantwortung, dieses Vertrauen im Alltag einzulösen.

Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt: Kommunalpolitik ist selten spektakulär, aber immer wirksam. Sie entscheidet darüber, ob Menschen sich gehört fühlen, ob Verwaltung funktioniert, ob Zusammenhalt gelingt. Und sie lebt davon, dass wir bereit sind, zuzuhören, auch dann, wenn es unbequem wird.

Mit dem Beginn meiner dritten Amtsperiode steigen die Erwartungen. „Jetzt müsste doch alles laufen“, höre ich manchmal. Die Wahrheit ist: Vieles läuft besser, manches bleibt schwierig und neue Herausforderungen kommen hinzu. Meine Erwartungen an diese Amtszeit sind klar: Verlässlichkeit in Projekten, Transparenz in Entscheidungen, Beteiligung für die Bürgerinnen und Bürger. Gleichzeitig weiß ich um die Grenzen: begrenzte finanzielle Mittel, komplexe gesetzliche Vorgaben, ein wachsender Verwaltungsaufwand. Dies bedeutet auch, Prioritäten zu setzen. Nicht alles geht gleichzeitig. Nicht jede gute Idee lässt sich sofort umsetzen. Das auszuhalten und trotzdem dran zu bleiben, das ist Teil der Aufgabe.

Die ehrenamtliche Struktur ist eine Besonderheit unserer kommunalen Ebene. Sie bringt Nähe mit sich: Ich begegne den Menschen im Alltag, im Supermarkt, auf dem Sportplatz, bei Festen. Politik ist hier nicht abstrakt, sondern persönlich. Gleichzeitig stößt dieses Modell an Grenzen. Die Anforderungen sind gestiegen, die Themen komplexer geworden. Zeit ist ein knappes Gut. Entscheidungen müssen oft schneller getroffen werden, Abstimmungen intensiver erfolgen.

Und doch liegt genau darin auch eine Chance: Wir sind keine anonyme Verwaltung, sondern eine Gemeinschaft, die ihre Angelegenheiten selbst gestaltet. Diese Nähe ermöglicht Vertrauen und Vertrauen ist die wichtigste Währung der Kommunalpolitik.

Im praktischen kommunalen Alltag geht es selten um große Reden. Es geht um Termine, Abstimmungen, E-Mails, Ortstermine, Sitzungen. Um das Vermitteln zwischen unterschiedlichen Interessen. Um das Erklären von Entscheidungen.

Wofür stehe ich dabei? Für Verlässlichkeit, für Offenheit im Gespräch, für pragmatische Lösungen statt ideologischer Grabenkämpfe, für die Überzeugung, dass Politik den Menschen dienen muss und nicht umgekehrt.

Ich stehe dafür, Dinge anzupacken, auch wenn sie kompliziert sind. Und dafür, Fehler einzugestehen, wenn sie passieren.

Diese Frage richtet sich nicht nur an Einzelne, sondern an uns alle in der kommunalen Politik. Wofür stehen wir? Wir stehen für das Funktionieren des Alltags, für das Miteinander vor Ort, für Entscheidungen, die oft unspektakulär sind, aber das Leben konkret verbessern. Wir stehen auch dafür, Demokratie erlebbar zu machen, jeden Tag, in Sitzungen, Bürgersprechstunden, Diskussionen, mit offenem Ohr für Kritik und im gemeinsamen Suchen nach Lösungen.

Die Wahl ist kein Endpunkt. Sie ist ein Anfang. Ein neuer Abschnitt, in dem wir zeigen müssen, dass Vertrauen gerechtfertigt ist.

Gewählt – und jetzt? Jetzt wird gearbeitet.

Porträt Carmen Pepiuk

Carmen Pepiuk, stv. Landesvorsitzende der KPV Bayern, Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Trabitz

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