2026 droht Regionalbanken Erkältungsgefahr: Frostige Zeiten

GZ Ausgabe GZ-3-2026 vom 29. Januar 2026 | Meinung
von Dr. Jürgen Gros
Portrait
Dr. Jürgen Gros. Bild: Barbara Obermaier

Ein Kommentar von Dr. Jürgen Gros - 2026 wird für Regionalbanken eher schwierig. So die keinesfalls gewagte Prognose. Nein, es droht keine neue Finanzkrise. Aber über Jahre aufgebaute strukturelle Schwächen lassen sich nicht länger hinter Stabilitätsrhetorik, Traditionsbeschwörung und regionaler Verbundenheit verstecken.

Das Geschäftsmodell von Genossenschaftsbanken und Sparkassen steht unter Stress. Es ist anfällig für hartnäckige Erkältungen. Bei einigen der regionalen Institute kann daraus eine Lungenentzündung werden. Warum? Die Antworten dazu in sieben Thesen.

Erstens: Die Zinsmargen bleiben zwar nominell weitgehend stabil. Sie werden jedoch zunehmend durch Kreditausfälle aufgezehrt. Die lahmende Konjunktur zeitigt Folgen. Gewerbliche Immobilien, insolvenzgefährdete mittelständische Unternehmen und energieintensive Branchen entwickeln sich zur Belastungsprobe fürs Kreditportfolio. Das trifft die regionalen Mittelstandsfinanzierer besonders. Das eigene Gründungsnarrativ („Zugang zu Krediten auch in der Krise“) wird insbesondere für viele Genossenschaftsbanken hinter harte betriebswirtschaftliche Erwägungen zurücktreten müssen.

Zweitens: Betriebswirtschaftlich eng interpretierte Regionalität kann zur Achillesferse werden. Jedenfalls dann, wenn sich wirtschaftliche Probleme regional konzentrieren. Einzelne Industriecluster – z.B. rund um die Kfz-Zuliefererindustrie – können die Bankbilanzen belasten. Regionalbanken sind 2026 gut beraten, in der internen Steuerung nicht mehr nur auf regionale Verbundenheit zu setzen. Aktive Diversifikation, Verbundlösungen und Risikoteilung werden zu wichtigen Strategiebausteinen.

Drittens: Nachhaltigkeit ist kein Imageprojekt der Banken mehr, sondern ein wesentliches Kriterium für die Kreditgewährung. Institute, die Nachhaltigkeit nicht glaubwürdig in Kreditentscheidungen integrieren, riskieren höhere Refinanzierungskosten, regulatorischen Druck und damit mitunter Folgewirkungen für die Eigenständigkeit. Gleichzeitig eröffnet nachhaltige Finanzierung Chancen: Regionalbanken können zur zentralen Finanzierungsinstanz für regionale Transformation werden.

Viertens: Der Fusionsdruck steigt erkennbar. Auch deshalb, weil mit zunehmender Geschwindigkeit Regulierung über die Eigenständigkeit kleinerer Banken entscheidet. Eigenkapital-, Liquiditäts- und ESG-Anforderungen sind 2026 kein Ausnahmezustand mehr, sondern der Normalbetrieb. Rote oder blau-orange Häuser, die ihre regulatorischen Prozesse nicht radikal vereinfachen und automatisieren können, verlieren an Handlungsfähigkeit. Die, die Digitalisierung weiterhin als Projekt behandeln statt damit Regelprozesse zu gestalten, werden an Profitabilitätsgrenzen stoßen. Gleichzeitig steigt das Cyberrisiko – und macht IT-Sicherheit weit über reine Technikfragen zur Vorstandsaufgabe. Nicht Schwäche im Markt, sondern die Überforderung im Backoffice und im Vorstandsbüro wird zum Fusionstreiber.

Fünftens: Die oft zitierte Nähe zum Kunden verliert an Strahlkraft. Digitale Anbieter sind schneller, günstiger, bequemer. 2026 reicht es nicht mehr, „vor Ort“ zu sein. Nähe muss messbaren Mehrwert liefern: bessere Entscheidungen, tiefere Branchenkenntnis, schnellere Kreditzusagen, mithin die umfassendere Betreuung. Wer Regionalität nur als Identitätsmerkmal pflegt, aber nicht in Leistung übersetzt, wird austauschbar.

Sechstens: Ab 2026 wird sich sortieren, wer künftig auf dem Baufinanzierungsmarkt den Ton angibt. Nicht, weil zu erwarten ist, dass übermäßig viel an Neubauten zu finanzieren ist. Sondern vielmehr deshalb, weil deutschlandweit bis 2031 Hauskredite in Höhe von 555 Milliarden Euro zur Prolongation anstehen. 45 Prozent davon haben die Banken mit den roten beziehungsweise blau-orangen Logos in den Büchern. Längst nicht mehr jeder Kunde verlängert freilich seinen Immobilienkedit beim bisherigen Institut. Jedenfalls dann, wenn die Hausbank nicht frühzeitig auf enge und emotionale Kundenbindung achtet.

Siebtens: Im Wettbewerb ist kein Geschäftsbereich mehr tabu. Er findet mittlerweile intensiv auch dort statt, wo Regionalbanken bislang noch ordentlich verdienen. Die digitalen Banken greifen gezielt margenstarke Produktbereiche an: Zahlungsverkehr, Konsumentenkredite, Geldanlage. Standardisierte und effiziente Lösungen erreichen zunehmend mehr Kunden und werden geschätzt. In 2026 wird für Regionalbanken klarer denn je: Wer kein klares Ertragsprofil hat, verliert schleichend Marktanteile.

Das Fazit? Am Ende läuft alles auf eine unbequeme Wahrheit hinaus: Wollen Regionalbanken Gestalter oder Verwalter ihres Geschäftsmodells sein? Tradition rettet nicht, Regionalität allein trägt nicht und auch Größe schützt nicht, wie prominente Beispiele zeigen. Die regionalen Institute, die es noch nicht getan haben, werden nicht umhin kommen ihr Selbstbild zu hinterfragen und das Geschäftsmodell kompromisslos an die frostigen Zeiten anzupassen.

Über unseren Autor:

Der an der Ludwig-Maximilians Universität in München promovierte Politikwissenschaftler Jürgen Gros (*1969) war zwei Jahrzehnte im Management verschiedener bayerischer Verbände tätig, zuletzt als Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit finanzwirtschaftlichen und mittelstandspolitischen Themen.

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