OB-Barometer 2026: Dominierende Kommunalfinanzen

GZ Ausgabe GZ-18-2026 vom 24. September 2026 | Landes-, Bundes- und Europapolitik, Verbände
von Doris Kirchner
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Die angespannte Finanzlage bestimmt zunehmend die kommunalpolitische Agenda. Für 78 Prozent der Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister deutscher Städte sind die Kommunalfinanzen 2026 das wichtigste aktuelle Handlungsfeld. Dies ist das zentrale Ergebnis des diesjährigen OB-Barometers des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu). Mit 31,9 Milliarden Euro erreichte das Finanzierungsdefizit der Städte und Gemeinden im vergangenen Jahr einen Rekordstand. Vor allem steigende Personalkosten und Sozialausgaben belasten die Haushalte. Gleichzeitig fallen die Erwartungen bei den Steuereinnahmen geringer aus.

Deutlich an Bedeutung gewonnen hat die Wirtschaftspolitik. 35 Prozent der Stadtspitzen (2025: 26 Prozent) nennen Wirtschaftsförderung, Strukturwandel und Konjunktur als eines ihrer wichtigsten aktuellen Handlungsfelder – nach 26 Prozent im Vorjahr. Auch für die kommenden fünf Jahre erwarten die Oberbürgermeister eine zunehmende Bedeutung dieses Bereichs.

Standorte attraktiv halten

Der Hintergrund ist die schwierige wirtschaftliche Entwicklung mit einer vielerorts schwächelnden Industrie und dem Abbau von Arbeitsplätzen. Für die Kommunen geht es deshalb nicht nur um die eigenen Einnahmen, sondern auch darum, ihre Standorte für Unternehmen und Beschäftigte attraktiv zu halten.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Trotz der Verschiebung der Prioritäten bleibt die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ein zentrales Thema. 36 Prozent der Befragten sehen den Wohnungsbau aktuell als besonders dringlich. Auch für die nächsten fünf Jahre gehört er mit 33 Prozent zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben. Gleichzeitig stehen die Städte vor der Herausforderung, zusätzliche Wohnungen mit der notwendigen Infrastruktur wie Schulen, Kindertagesstätten und Verkehrsangeboten zu verbinden – und das bei zunehmend knappen finanziellen Spielräumen.

Nur noch 22 Prozent der Stadtspitzen zählen Klimaschutz, Energiepolitik, Nachhaltigkeit und Wärmewende zu den wichtigsten aktuellen Handlungsfeldern. 2025 waren es noch 30 Prozent. Von einer Entspannung kann allerdings keine Rede sein. 82 Prozent der Rathauschefs sehen die kommunale Wärmeplanung, Wärmewende und Wärmenetze als große oder sehr große Herausforderung. Auch den Investitionsbedarf für Klimaschutz und Klimaanpassung bewerten 80 Prozent entsprechend.

Wachsende Last durch Sozialausgaben

Besonders stark wirkt sich der Anstieg der Sozialausgaben auf die Finanzlage aus. 91 Prozent der Stadtspitzen sehen steigende Sozialausgaben, etwa für Unterkunftskosten, als große oder sehr große Herausforderung. Auch die Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und Pflege steigen. Somit entsteht ein erheblicher Teil der zusätzlichen Belastungen bei Aufgaben, auf deren Umfang und Kosten die Städte nur begrenzten Einfluss haben.

Auch die Themen Digitalisierung und Bevölkerungsschutz werden immer bedeutsamer. 85 Prozent der Befragten sehen den steigenden Investitionsbedarf bei der Digitalisierung als große oder sehr große Herausforderung. Digitalisierung, Smart City und Breitbandausbau werden inzwischen von 14 Prozent als wichtiges aktuelles Handlungsfeld genannt, nach sechs Prozent im Vorjahr.

Bevölkerungsschutz wird immer wichtiger

Erstmals stärker auf der kommunalen Agenda steht auch der Bevölkerungsschutz. 13 Prozent der Oberbürgermeister nennen Katastrophenschutz, Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz als wichtige aktuelle bzw. künftige Aufgaben. Die veränderte geopolitische Lage und die notwendige Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastruktur spielen dabei eine wichtige Rolle.

Weniger Druck verspüren die Städte dagegen bei der Unterbringung von Geflüchteten. 43 Prozent bewerten das Thema noch als große oder sehr große Herausforderung; 2025 waren es knapp 60 Prozent. Auch die Belastung der Ausländerbehörden ist zurückgegangen, bleibt aber für knapp zwei Drittel der Stadtspitzen ein großes Problem.

Gleichzeitig sehen 84 Prozent der Oberbürgermeister Demokratieskepsis und Rechtspopulismus als große oder sehr große Herausforderung für ihre Städte. Damit gewinnt neben den klassischen kommunalen Aufgaben auch der gesellschaftliche Zusammenhalt an Bedeutung.

Bei den Forderungen an Bund und Länder fällt das Ergebnis eindeutig aus: 85 Prozent der Rathauschefs wünschen sich bessere Rahmenbedingungen bei den Kommunalfinanzen. Es folgen Wirtschaftspolitik mit 60 Prozent und Wohnungspolitik mit 54 Prozent.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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