Landräte im Austausch mit den Ministern Aiwanger und Glauber: Starke Landkreise. Starke Wirtschaft. Starker Standort Bayern.
von Redaktion

Verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und ausreichende Finanzierung - Eine starke Wirtschaft, sichere Energieversorgung und wirksamer Umwelt- und Klimaschutz brauchen handlungsfähige Landkreise. Als Partner der Unternehmen und Träger der kommunalen Daseinsvorsorge stehen sie vor wachsenden Anforderungen, komplizierten Verfahren und knappen finanziellen Spielräumen. Bei Gesprächen mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, MdL, und Umweltminister Thorsten Glauber, MdL, formulierte der Bayerische Landkreistag seine Erwartungen an die Staatsregierung: bessere Standortbedingungen, eine verlässliche Energieversorgung, praktikable Umweltvorgaben und eine angemessene Finanzierung kommunaler Aufgaben.
Besonders die Automobilwirtschaft und ihre Zulieferer sowie energieintensive Branchen wie die Glas- und Keramikindustrie stehen durch Transformation und hohe Energiekosten unter Druck. Die Landkreise wollen diesen Wandel aktiv begleiten und Unternehmen, Kammern, Bildungseinrichtungen und Kommunen zusammenbringen.
Wirtschaftliche Stärke braucht gute Standortbedingungen
„Die Landkreise sind natürliche Verbündete der Wirtschaft. Wir wollen, dass Unternehmen bei uns investieren, produzieren und Arbeitsplätze schaffen können. Dafür brauchen wir gute Standortbedingungen, eine verlässliche Energieversorgung und vor allem weniger Bürokratie“, betonte Landrat Robert Niedergesäß, Ebersberg, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr und Verbraucherschutz.
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger unterstrich die Bedeutung funktionierender kommunaler Strukturen. Eine leistungsfähige Infrastruktur – von Energieversorgung und Straßen bis zu Gewerbeflächen und Krankenhäusern – sei entscheidend für den Wirtschaftsstandort. Behörden müssten schnell und bürgernah arbeiten, der Freistaat dafür die passenden Rahmenbedingungen schaffen.
Energieversorgung regional gestalten
Eine wettbewerbsfähige Wirtschaft braucht ausreichend verfügbare und bezahlbare Energie. Deshalb müssen erneuerbare Energieerzeugung, Netze, Speicher und Verbrauch stärker zusammengedacht werden. Der Bayerische Landkreistag setzt auf eine engere regionale Abstimmung mit den Verteilnetzbetreibern sowie auf freiwillige Energieplanung und leistungsfähige Regionalwerke.
„Wir müssen weg vom Denken in einzelnen Projekten und hin zu einer Gesamtbetrachtung der Region“, so Niedergesäß. Auch die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastruktur müsse stärker berücksichtigt werden. Stromausfälle könnten Krankenhäuser, Wasser- und Abwasserversorgung sowie weitere Bereiche der Daseinsvorsorge unmittelbar beeinträchtigen.
Umwelt- und Klimaschutz verlässlich finanzieren
Im Gespräch mit Umweltminister Thorsten Glauber machte der Bayerische Landkreistag deutlich, dass neue kommunale Aufgaben auch finanziell abgesichert werden müssen. Ein Beispiel ist der Wassercent: Die Landkreise arbeiten seit Januar 2026 an dessen Einführung, die zugesagten Mittel sind jedoch noch nicht ausgezahlt. Der Verband fordert deshalb eine zeitnahe Finanzierung sowie praktikable Lösungen beim Trinkwasserschutz ohne unnötige Doppelstrukturen und zusätzliche Berichtspflichten.
Beim Artenschutz spricht sich der Landkreistag für eine Reform europäischer Vorgaben aus. Vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen dürften Infrastrukturprojekte nicht unnötig verzögern und sollten auch parallel zu Bauvorhaben möglich sein. Ersatzgelder im Naturschutz sollen weiterhin in Bayern bleiben und zweckgebunden im jeweiligen Naturraum eingesetzt werden.
In der Abfallwirtschaft fordert der Verband eine stärkere Kostenbeteiligung von Herstellern und Systembetreibern an kommunalen Sammelstrukturen. Dazu soll ein kommunales Kostenfestsetzungsrecht im Verpackungsrecht und beim geplanten Textilgesetz beitragen. Zugleich warnt der Landkreistag vor zusätzlichen nationalen Anforderungen über europäische Vorgaben hinaus. Ein solches „Gold-Plating“ könne Recycling erschweren und Entsorgung sowie Bauen verteuern.
Auch Klimaschutz und Klimaanpassung benötigen eine verlässliche kommunale Finanzierung. Die Landkreise begrüßen deshalb die bayerische Initiative zur Beteiligung der Länder an den Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung. Die Mittel müssten dauerhaft und unbürokratisch bei den Kommunen ankommen, etwa für Hitzeschutz, Wasserrückhalt und Starkregenvorsorge.
Bürokratieabbau
Ein zentrales Anliegen bleibt der Abbau überbordender Bürokratie. Komplizierte Vorschriften, umfangreiche Nachweise und langwierige Genehmigungen bremsen Unternehmen und belasten die Verwaltungen. Besonders die Landratsämter müssen häufig Vorgaben umsetzen, die auf Bundes- oder EU-Ebene beschlossen wurden, ohne selbst Einfluss auf deren Ausgestaltung zu haben.
Der Bayerische Landkreistag fordert deshalb, kommunale Erfahrungen frühzeitig in Gesetzgebungsverfahren einzubeziehen. Notwendig seien weniger Detailvorgaben, mehr Vertrauen in die Entscheidungsträger vor Ort und größere Spielräume für pragmatische, rechtssichere Lösungen. Jede zusätzliche Vorschrift müsse ihren tatsächlichen Nutzen rechtfertigen.
Die Gespräche mit Hubert Aiwanger und Thorsten Glauber verdeutlichen, wie eng wirtschaftliche Entwicklung, Energieversorgung, Umwelt- und Klimaschutz sowie kommunale Leistungsfähigkeit zusammenhängen. Der Bayerische Landkreistag versteht die Landkreise dabei als aktive Gestalter und wichtige Partner der Staatsregierung.
Die zentrale Forderung: Wer starke Wirtschafts- und Lebensräume in Bayern will, muss die Landkreise angemessen finanzieren, von unnötiger Bürokratie entlasten und ihnen ausreichend Handlungsspielraum geben. Denn starke Landkreise sind eine wesentliche Voraussetzung für einen starken Wirtschaftsstandort Bayern.