Klimaschutz vor Ort: Bayern setzt auf regionale Projekte
von Michael von Hassel

Mit der Bayerischen Klimawoche vom 9. bis 18. Oktober rückt der Freistaat Klimaschutz und Klimaanpassung in den Mittelpunkt. Zum Auftakt leuchtet Schloss Neuschwanstein in den Farben der bayerischen Klimastreifen. Für Städte und Gemeinden besonders interessant ist ein weiterer Baustein: Eine neue Kompetenzstelle soll regionale Klimaschutzprojekte und Klimazertifikate voranbringen.
Ein weithin sichtbares Zeichen zum Start der Bayerischen Klimawoche: Schloss Neuschwanstein wird in den Farben der bayerischen Klimastreifen illuminiert. Die Streifen stehen jeweils für die Durchschnittstemperatur eines Jahres in Bayern zwischen 1881 und 2025. Je näher sie an die Gegenwart heranrücken, desto stärker dominieren Rottöne.
„Die Bayerischen Klimastreifen zeigen: Der Klimawandel passiert vor unserer Haustür“, betont Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. Klimaschutz müsse sichtbar und verständlich werden und möglichst viele Menschen zum Mitmachen bewegen.
Vom 9. bis 18. Oktober beteiligen sich deshalb Kommunen, Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Vereine und weitere Akteure in ganz Bayern an der Klimawoche. Das Spektrum reicht von Exkursionen, Vorträgen und Workshops über Ausstellungen bis hin zu Energieberatungen und Mitmachangeboten. Städte und Gemeinden können eigene Veranstaltungen in den Klima-Veranstaltungskalender eintragen. Der Freistaat stellt zudem Kommunikationsmaterialien und die bayerischen Klimastreifen zur Verfügung.
CO₂-Ausgleich verstärkt in Bayern
Für die kommunale Praxis ist vor allem ein weiterer Ansatz interessant. Der Freistaat will den Ausgleich von Treibhausgasemissionen künftig stärker mit Klimaschutzprojekten in Bayern verbinden. Nach dem von der Staatsregierung beschlossenen „Bayerischen Weg“ sollen für den Ausgleich unvermeidbarer Emissionen der Staatsregierung und ab 2028 auch der Behörden und Einrichtungen der unmittelbaren Staatsverwaltung zunehmend heimische Projekte genutzt werden.
„Unser Ziel ist es, CO₂ dort auszugleichen, wo es entsteht“, erklärt Glauber. Das Angebot an regionalen Projekten mit zertifizierter Treibhausgasminderung ist bislang allerdings begrenzt. Gleichzeitig erwartet der Freistaat einen steigenden Bedarf.
Hier setzt die neue Kompetenzstelle „Regionale Klimazertifikate“ des Bayerischen Umweltministeriums an. Sie soll Informationen bündeln, Orientierung bieten und Projektträger, Flächeneigentümer und weitere Beteiligte vernetzen. Kommunen werden dabei ausdrücklich als mögliche Projektträger angesprochen.
Chancen für kommunale Projekte
Im Fokus stehen zunächst naturbasierte Klimaschutzprojekte aus den Bereichen Landnutzung und Forstwirtschaft. Eine besondere Rolle spielt die Wiedervernässung von Mooren. Für Städte und Gemeinden mit eigenen Flächen oder entsprechenden Projekten kann die Entwicklung deshalb interessant sein.
Doch auch technische Ansätze kommen infrage. Das Umweltministerium nennt unter anderem den Ersatz fossiler Energieträger durch regenerative Wärmeerzeugungsanlagen auf kommunaler Ebene. Daneben sollen innovative Kohlenstoffsenken wie beispielsweise Biokohlenstoffbeton weiterentwickelt werden.
Bestehende Strukturen im Freistaat
Dabei beginnt Bayern beim Aufbau regionaler Klimaschutzprojekte und entsprechender Zertifizierungsstrukturen nicht bei null. Mit dem bayerischen Unternehmen KOM2KOM beispielsweise existiert bereits eine auf regionale CO₂-Minderungsprojekte ausgerichtete Infrastruktur, die Projektträger und Finanzierer zusammenführt und sich seit mehreren Jahren mit Qualitätskriterien, Quantifizierung und Prüfung von Treibhausgasminderungen beschäftigt. Das Unternehmen verfolgt damit bereits seit 2021 einen Ansatz, der regionale Klimaschutzprojekte systematisch erfassen, bewerten und für eine Finanzierung durch Dritte zugänglich machen soll.
Für den vom Freistaat eingeschlagenen „Bayerischen Weg“ stellt sich deshalb auch die Frage, inwieweit auf solche bereits vorhandenen Strukturen, Erfahrungen und Marktakteure zurückgegriffen werden kann. Gerade wenn das Umweltministerium darauf hinweist, dass das Angebot zertifizierter regionaler Treibhausgasminderungen derzeit noch begrenzt ist, könnten bestehende Plattformen und Verfahren dazu beitragen, schneller zusätzliche Projekte in die Umsetzung zu bringen. Statt parallele Strukturen vollständig neu aufzubauen, könnte die Kompetenzstelle damit auch eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen bereits vorhandenen Anbietern, Kommunen, Flächeneigentümern, Projektentwicklern und dem Freistaat übernehmen.
Die Kompetenzstelle versteht sich dabei als erste Anlaufstelle. Sie soll potenziellen Projektträgern einen Überblick über Anforderungen, Möglichkeiten und weitere Schritte auf dem Weg zu regionalen Klimazertifikaten geben. Angesprochen sind nicht nur Akteure mit fertigen Vorhaben. Auch Kommunen, die über geeignete Flächen verfügen oder zunächst eine Projektidee haben, können Kontakt aufnehmen.
Für Gemeinden könnte daraus perspektivisch ein zusätzlicher Baustein zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen entstehen. Ob sich ein breiter Markt für regionale Zertifikate entwickelt, hängt allerdings von den Zertifizierungsbedingungen, dem Aufwand für Projektentwicklung und Nachweisführung sowie den erzielbaren Erlösen ab.
Die Klimawoche zeigt damit zwei Seiten kommunalen Klimaschutzes: Einerseits geht es darum, Bürgerinnen und Bürger für Klimaschutz und Klimaanpassung zu sensibilisieren und örtliche Aktivitäten sichtbar zu machen. Andererseits sollen neue Instrumente dazu beitragen, konkrete Projekte vor Ort umzusetzen. Gerade für Kommunen mit geeigneten Flächen oder ohnehin geplanten Investitionen in erneuerbare Wärme und Klimaschutz lohnt sich deshalb ein Blick auf die neue Kompetenzstelle – ebenso wie auf bereits vorhandene Strukturen und Marktakteure, die regionale Klimaschutzprojekte in Bayern schon heute entwickeln und umsetzen.