Ganztagsausbau vor nächster Etappe: Mehr Kitas und Personal

GZ Ausgabe GZ-17-2026 vom 10. September 2026 | Landes-, Bundes- und Europapolitik, Verbände
von Doris Kirchner
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Bayern ist mit einem Rekord bei den Kindertageseinrichtungen in das neue Kita-Jahr gestartet. Zudem steht mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder eine weitere große Aufgabe bevor. Familienministerin Ulrike Scharf sieht den Freistaat dafür gut gerüstet, wie sie auf einer Pressekonferenz in München betonte.

Mit mehr als 11.000 staatlich geförderten Kindertageseinrichtungen wurde Scharf zufolge ein neuer Höchststand erreicht. Zum Stichtag 1. Januar 2025 betreuten und bildeten rund 129.400 Fach- und Ergänzungskräfte etwa 645.000 Kinder. Damit hat sich die Zahl der Beschäftigten seit 2010 mehr als verdoppelt. Auch die Personalausstattung entwickelte sich positiv. Der Anstellungsschlüssel verbesserte sich von 1:9,06 im Jahr 2024 auf 1:8,97 im Jahr 2025 und liegt damit deutlich über der gesetzlichen Mindestvorgabe von 1:11. Insgesamt gibt es heute 37 Prozent mehr Kitas und 42 Prozent mehr betreute Kinder als vor 15 Jahren. Die Zahl der Fach- und Ergänzungskräfte stieg in diesem Zeitraum um 114 Prozent.

Trotz dieser Entwicklung bleibt die Personalsituation eine Herausforderung. Hinzu kommen veränderte Anforderungen an die Einrichtungen. Nach Angaben der Ministerin hat inzwischen fast jedes zweite betreute Kind einen besonderen Bedarf: etwa aufgrund eines Migrationshintergrunds, eines Alters unter drei Jahren oder einer Behinderung. Integration, Inklusion und Sprachförderung stellten die Einrichtungen damit vor zusätzliche Aufgaben.

Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

Die Staatsregierung geht davon aus, dass der Fachkräftebedarf bis 2027 gedeckt werden kann. Als Gründe nannte Scharf unter anderem die gestiegene Zahl an Fachakademien und Weiterbildungsangeboten für Quereinsteiger sowie höhere Studienanfängerzahlen. Verbände hatten dagegen zuletzt weiterhin auf Personalmangel, hohe Belastungen und einen aus ihrer Sicht zu geringem Anteil ausgebildeter Fachkräfte hingewiesen.

Eine weitere Herausforderung steht zu Beginn des neuen Schuljahres an. Zwei Wochen nach dem Kita-Start greift zunächst für die Erstklässler erstmals der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Nach Einschätzung des Sozialministeriums stehen ausreichend Plätze in Horten, Mittagsbetreuungen und vergleichbaren Angeboten zur Verfügung.

Scharf räumte ein, dass die Bereitstellung der Plätze ein Kraftakt für alle Beteiligten sei. Man sei mit den Kommunen in enger Abstimmung. Bereits heute nutzten mehr als 300.000 Grundschulkinder, d.h. rund 60 Prozent, Ganztagsangebote.

Mit der Reform des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (BayKiBiG) will der Freistaat zudem die Finanzierung und die Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung weiterentwickeln. Bis 2030 sollen knapp drei Milliarden Euro zusätzlich in die frühkindliche Bildung fließen.

Darüber hinaus werden ab Januar 2027 staatliche Mittel für sogenannte Teamkräfte dauerhaft gesetzlich verankert. Sie sollen die pädagogischen Fachkräfte im Alltag unterstützen und dadurch mehr Zeit für die Arbeit mit den Kindern schaffen. Zusammen mit dem Qualitätsbonus und der Teamkräftepauschale soll sich die staatliche Förderung gegenüber 2025 bis 2029 dauerhaft um 25 Prozent erhöhen.

Allerdings bleibt nicht zuletzt die Finanzierung ein Thema für Kommunen und Träger. Nachdem das bayerische Familien- und Krippengeld abgeschafft und die freiwerdenden Mittel in die staatliche Betriebskostenförderung umgeschichtet wurden, hatten Träger auf ihre weiterhin angespannten finanziellen Spielräume hingewiesen. Teilweise wurden deshalb höhere Elternbeiträge angekündigt. Scharf wies eine Mitverantwortung der Staatsregierung für steigende Kita-Gebühren zurück und verwies auf die zusätzlichen Mittel für das System.

Rückläufige Geburtenzahlen

Während die Zahl der betreuten Kinder in Bayern insgesamt noch steigt, zeichnet sich regional bereits eine unterschiedliche Entwicklung ab. Die Geburtenzahlen seien inzwischen im dritten Jahr in Folge rückläufig, berichtete die Ministerin. Gleichzeitig verzeichne Bayern weiterhin Zuzug. Experten gingen deshalb davon aus, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder zunächst noch weiter steigen wird.

In einigen, insbesondere dünn besiedelten Regionen, gibt es dagegen bereits Kitas mit rückläufigen Kinderzahlen. Für diese Einrichtungen solle die sogenannte Landkindergartenregelung weiterhin verhindern, dass Angebote aufgrund zu geringer Belegungszahlen geschlossen werden müssen.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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