Frauen in der Kommunalpolitik: Mehr Mandate, weniger Spitzenämter
von Redaktion

Frauen sind nach der Kommunalwahl 2026 in Bayerns kommunalen Gremien etwas stärker vertreten als vor sechs Jahren. Von einer Trendwende kann jedoch keine Rede sein. Das zeigen aktuelle Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik.
In den Stadt- und Kreistagen stieg der Frauenanteil gegenüber 2020 von 29,0 auf 31,0 Prozent. In den Gemeinderäten der kreisangehörigen Gemeinden erhöhte er sich von 22,2 auf 24,5 Prozent. Das Landesamt spricht entsprechend von einer „leicht gestiegenen Repräsentanz von Frauen“.
Auch unter den Kandidierenden nahm der Frauenanteil zu: von 29,9 auf 31,4 Prozent. Da die Zahl aller Kandidaturen jedoch um 8,5 Prozent zurückging, sank zugleich die absolute Zahl der Frauen, die sich um ein kommunales Mandat bewarben.
Lücke zwischen Kandidatur und Mandat
Zudem schlägt sich der höhere Bewerberinnenanteil nicht vollständig in Mandaten nieder. Bei den Wahlen zu Stadt- und Kreistagen waren rund 34,6 Prozent der Kandidierenden Frauen, unter den Gewählten lag ihr Anteil jedoch nur bei 31,0 Prozent.
Warum diese Lücke besteht, soll eine vertiefte Analyse des Landesamtes zeigen. Erstmals werden dabei auch das Wahlverhalten beim Kumulieren und Panaschieren sowie veränderte und unveränderte Stimmzettel untersucht.
Stadt-Land-Gefälle
Erhebliche Unterschiede zeigen sich zwischen Stadt und Land. In den Stadträten der kreisfreien Städte beträgt der Frauenanteil 36,0 Prozent, in den Kreistagen 29,6 Prozent und in den Gemeinderäten der kreisangehörigen Gemeinden 24,5 Prozent. Frauen sind damit in den politischen Vertretungen der Großstädte weiterhin deutlich stärker präsent als im ländlichen Raum.
Ein anderes Bild zeigt sich bei den kommunalen Spitzenämtern. Während der Frauenanteil in den Gremien leicht wächst, gibt es bei den Führungspositionen teilweise Rückschritte.
Besonders deutlich wird dies in den 25 kreisfreien Städten: Nach der Kommunalwahl 2026 gibt es dort keine einzige Oberbürgermeisterin mehr. Bei der Wahl 2020 waren noch drei Frauen an die Spitze einer kreisfreien Stadt gewählt worden. Auch bei den Landratsämtern bleibt der Frauenanteil niedrig.
Etwas positiver ist die Entwicklung in den kreisangehörigen Gemeinden. Dort stieg der Anteil der Bürgermeisterinnen auf 12,7 Prozent. Allerdings unterscheiden sich haupt- und ehrenamtliche Ämter deutlich: Während Frauen 16,5 Prozent der ehrenamtlichen Bürgermeisterämter besetzen, beträgt ihr Anteil bei den hauptamtlichen Bürgermeistern lediglich 10,7 Prozent.
Fortschritte vor allem in den Gremien
Die Wahlstatistik zeichnet damit ein gemischtes Bild: Frauen gewinnen in Gemeinde-, Stadt- und Kreistagen langsam an Präsenz, bleiben aber deutlich unterrepräsentiert. Bei den kommunalen Spitzenämtern ist der Abstand noch größer. Die leichten Fortschritte in den Vertretungsgremien setzen sich bei Bürgermeister-, Oberbürgermeister- und Landratswahlen bislang nicht entsprechend fort.
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik.