CSU und Freie Wähler zum Bayernjahr: Freiwilliges Engagement stärken
von Doris Kirchner

Die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag hat gemeinsam mit der Fraktion der Freien Wähler das Konzept des Bayernjahres vorgestellt. Zugleich setzen sich die Regierungsfraktionen auf Bundesebene für die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres für alle ein. Der Startschuss für das Bayernjahr soll nach Angaben von CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek frühestens im Herbst 2027 erfolgen.
Das Konzept knüpft an bereits bestehende Freiwilligendienste an. Dazu zählen das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), der Bundesfreiwilligendienst und der Freiwillige Wehrdienst. Diese Angebote werden unter dem Dach des Bayernjahrs miteinander vernetzt. Neue Verwaltungsstrukturen sind nach den Vorstellungen der Regierungsfraktionen nicht erforderlich. Ein zentrales digitales Portal soll Interessierten den Zugang erleichtern.
Vorgesehen sind vier Module: Sicherheit, Soziales, Wirtschaft und Unternehmertum sowie Umwelt. Im Sicherheitsbereich geht es unter anderem um Feuerwehr, Katastrophenschutz und Bundeswehr. Im sozialen Bereich stehen Einrichtungen der Wohlfahrtspflege im Mittelpunkt. Unternehmen können Praktikumsplätze anbieten, etwa im Handwerk. Im Umweltmodul sind unter anderem Einsätze in der Landschaftspflege möglich.
Für Menschen aller Altersgruppen
Das Bayernjahr richtet sich nicht nur an Schulabgänger. Menschen aller Altersgruppen können sich beteiligen. Auch für die Integration von Zugewanderten sehen die Initiatoren Möglichkeiten. Zum Abschluss erhalten die Teilnehmer ein einheitliches Zertifikat. Als zusätzliche Anreize sind unter anderem Zuschüsse zu Führerscheinkosten, vergünstigte Bahntickets und Kulturgutscheine im Gespräch. Auch Vorteile bei der Vergabe von Studienplätzen oder Wohnheimplätzen werden genannt.
Für Fraktionschef Holetschek bietet die Gesellschaftszeit insbesondere jungen Menschen nach dem Schulabschluss eine Möglichkeit zur Orientierung. Sie könnten verschiedene Berufsfelder kennenlernen und praktische Erfahrungen sammeln. Davon verspricht sich der CSU-Politiker auch Impulse für den sozialen und gesundheitlichen Bereich. „Anpacken, ausprobieren, Horizont erweitern statt digitaler Blase“, lautete sein Plädoyer.
Die Freien Wähler verbinden das Projekt mit ihrer langjährigen Forderung nach einem verpflichtenden Gesellschaftsjahr auf Bundesebene. Bernhard Pohl, stellvertretender Vorsitzender der Freie Wähler-Landtagsfraktion, bezeichnete das Bayernjahr als wichtigen Impuls für diese Debatte. Zwar bleibe die Teilnahme in Bayern freiwillig, das Modell könne aber als „Best-Practice-Beispiel“ für den Bund dienen.
Unterstützung kommt auch aus den beteiligten gesellschaftlichen Bereichen. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), begrüßte insbesondere das Wirtschaftsmodul. Unternehmen könnten Praktikumsplätze anbieten, ohne dass dafür ein großer zusätzlicher bürokratischer Aufwand entstehe. Zugleich bekräftigte er die Forderung nach einem verpflichtenden Gesellschaftsjahr auf Bundesebene.
Der Landesfeuerwehrverband Bayern sieht im Bayernjahr vor allem eine Chance, junge Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen. Vorsitzender Johann Eitzenberger verwies auf rund 960.000 ehrenamtlich engagierte Menschen bei den Feuerwehren. Das Sicherheitsmodul könne den Einstieg erleichtern und eine Brücke zu einem längerfristigen Engagement bilden.
Auch die Caritas erwartet positive Effekte. Landesdirektor Andreas Magg verwies auf die Erfahrungen mit FSJ und Bundesfreiwilligendienst. Das Bayernjahr könne zusätzliche Menschen für soziale Tätigkeiten interessieren und zugleich berufliche Orientierung bieten.
Für die Landschaftspflegeverbände steht beim Umweltmodul der praktische Naturschutz im Vordergrund. Landessprecher Nicolas Liebig betonte, dass junge Menschen dabei unmittelbar erleben könnten, was ihr Einsatz für Natur und Klima bewirke.