CSU-Landtagsfraktion lädt kommunale Familie ins Maximilianeum Kommunalpolitik ist die Wurzel
von Constanze von Hassel

Rund 200 Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker – viele von ihnen erstmals Kandidaten für die Kommunalwahl am 8. März 2026 – folgten der Einladung der CSU-Landtagsfraktion zum Kommunalempfang in den Plenarsaal des Bayerischen Landtags. Fraktionsvorsitzender Klaus Holetschek und Kommunalminister Joachim Herrmann nutzten den Abend, um die besondere Verantwortung der kommunalen Ebene hervorzuheben und zugleich den Schulterschluss zwischen Landtag und Kommunen zu betonen.
In seiner Begrüßung bezeichnete Holetschek die Kommunalwahl als „wichtigste Wahl“, weil sie die „Wurzeln“ der Demokratie abbilde. Kommunalpolitik sei herausfordernd, aber unverzichtbar für die Akzeptanz politischer Entscheidungen. Sie lebe von Nähe, Ansprechbarkeit und der Bereitschaft, Konflikte konstruktiv zu lösen. Gerade im direkten Kontakt – ob auf der Straße, im Verein oder im Thermalbad – entscheide sich Vertrauen in den Staat.
Demokratie sichern, Kommunen stärken
Finanzielle Entlastungen, neue Förderentscheidungen und der angekündigte Blick auf Zuständigkeiten im Rahmen einer Staatsreform-Kommission seien entscheidende Schritte, um Kommunen zu stärken. Die kommunalen Spitzenverbände bezeichnete Holetschek als zentrale Partner dieser Arbeit. Kommunalminister Herrmann stellte seine Rede unter den Eindruck einer breiter gewordenen Systemkritik. In diesem Umfeld komme Kommunen eine Schlüsselrolle zu: Bürgerinnen und Bürger erlebten dort zuerst, ob Politik funktioniere. Bayern verdanke seinen Wohlstand und seine Stabilität der „anstrengenden, aber erfolgreichen Demokratie“ – nicht autoritären Modellen. Mit Blick auf den kürzlich vereinbarten kommunalen Finanzausgleich sprach Herrmann von einem „sichtbaren Signal in herausfordernden Zeiten“. Zugleich verwies er auf eine spürbare Entlastung der Kommunen durch rückläufige Belegungszahlen in der Asylunterbringung. Unter dem Titel „Zwei Ebenen, ein Ziel“ moderierte Constanze von Hassel, Chefredakteurin der Bayerischen GemeindeZeitung, zwei Dialogrunden zwischen Rathaus- und Ministeriumsebene.
Kommunale Stärke trifft Landespolitik
Elisabeth Koch, Erste Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, betonte die Bedeutung kommunaler Soft Skills: Zuhören, Pragmatismus und Verlässlichkeit. Sie dankte dem Innenministerium für schnelle Hilfe beim Hochwasserschutz – „er versteht uns“, sagte sie mit Blick auf Minister Herrmann. Markus Ochsenkühn, Oberbürgermeister von Neumarkt i.d.OPf., unterstrich, dass Kommunalpolitik vor allem Dienstleistung sei. Als Chef einer sehr großen Verwaltung erlebe er täglich, wie wichtig Haltung und Augenmaß im Verwaltungsalltag sind. Marcus König, Oberbürgermeister von Nürnberg, berichtete, dass seine erste Amtshandlung ein Gespräch mit Putzdienst und Pförtner war – „wir sind Dienstleister für alle“. Beim Thema Förderung plädierte er für weniger Dschungel und mehr Vertrauen: Kommunen wüssten vor Ort am besten, wie man Mittel sinnvoll einsetze. Minister Joachim Herrmann hob die Bedeutung parteiübergreifender Vernetzung hervor: Die CSU sei überall vor Ort vertreten und halte die Wege zwischen kommunaler Praxis und Landespolitik bewusst kurz.
Landkreise im Gespräch
In der zweiten Runde trafen Kommunal- und Landtagsebene erneut aufeinander: Otto Lederer, Landrat von Rosenheim und davor Mitglied des Landtags, schilderte seinen Amtsantritt mitten in der Corona-Pandemie und machte deutlich, wie wertvoll verlässliche Ansprechpartner in Ministerien und Verbänden seien. Streiken könne er zwar nicht – „aber ich fühle mich ernst genommen“.
Perspektivwechsel
Thorsten Freudenberger, früherer Landrat von Neu-Ulm und heute Landtagsabgeordneter, sprach über den Nutzen eines Perspektivwechsels: „Der Seitenwechsel tut gut.“ Man sehe differenzierter, warum Entscheidungen auf Landes- und Kommunalebene manchmal unterschiedlich bewertet würden. Beide unterstrichen die Bedeutung informeller und formeller Netzwerke – vom Landkreistag über Kollegien bis zu Ministerien.
Miteinander reden – überall
Aus beiden Gesprächsrunden ergab sich ein klares Leitmotiv: Dialog ist das entscheidende Werkzeug kommunaler Stärke.
- Viele Herausforderungen seien nicht einzigartig – häufig gebe es anderswo ähnliche Probleme und bereits funktionierende Lösungsansätze.
- Politische Vertretungen wie Landkreistag, Gemeindetag, Bezirketag und Städtetag seien starke Partner und funktionierten im besten Sinne als kommunale Selbsthilfegruppen.
- Moderatorin Constanze von Hassel brachte es zum Abschluss auf den Punkt: „Nutzen Sie diesen Abend, um Ihre eigene kommunale Selbsthilfegruppe zu gründen – denn geteiltes Leid ist halbes Leid, und geteilte Freude ist doppelte Freude.“
Der Kommunalempfang zeigte, wie wichtig Vernetzung, Offenheit und gegenseitige Unterstützung für eine starke kommunale Zukunft in Bayern bleiben.