Bürgermeisterinnen fordern: „Frauen, engagiert euch!“

GZ Ausgabe GZ-8-2026 vom 16. April 2026 | Landes-, Bundes- und Europapolitik, Verbände
von Redaktion
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Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle (Politologin FH Kärnten), Daniela Kampfl (Vizepräsidentin Österreichischer Gemeindebund), Imelda Stadler (Alt-Kantonsratspräsidentin, Alt-Gemeindepräsidentin von Lütisburg, Schweiz), Cristina Pallanch (Vizepräsidentin Südtiroler Gemeindenverband), Kathrin Alte (Bürgermeisterin von Anzing und Co-Sprecherin im Arbeitskreis Frauen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes) Bild: Österreichischer Gemeindebund

Neue Studie zu Frauen in der Kommunalpolitik - Bürgermeisterinnen aus vier Ländern machen Mut: Anlässlich der Bürgermeisterinnenkonferenz Österreich, Deutschland, Schweiz und Italien (Südtirol) Ende März 2026 in Wien forderten Bürgermeisterinnen aus den teilnehmenden Ländern mehr weibliche Partizipation in der Kommunalpolitik. In allen vier Ländern lag der Anteil der Frauen in kommunalen Führungspositionen nur zwischen 11 und 19 Prozent: In Südtirol waren es knapp 14 Prozent, in der Schweiz 19 Prozent, in Deutschland 13,5 Prozent und in Österreich nur 11,6 Prozent.

„Noch immer sind Frauen in kommunalen Entscheidungspositionen deutlich unterrepräsentiert. Für eine funktionierende Demokratie ist eine gerechte politische Repräsentation aller Geschlechter unerlässlich. Demokratie lebt vom Mitmachen – und die Kommunalpolitik ist der Ort, an dem Demokratie am sichtbarsten gelebt wird“, betonten Daniela Kampfl (Vizepräsidentin Österreichischer Gemeindebund), Cristina Pallanch (Vizepräsidentin des Südtiroler Gemeindenverbandes), Imelda Stadler (Alt-Kantonsratspräsidentin, Alt-Gemeindepräsidentin von Lütisburg, Schweiz) und Kathrin Alte (Bürgermeisterin von Anzing und Co-Sprecherin im Arbeitskreis Frauen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes). Als Frauen in kommunalen Führungspositionen gehen sie als Vorbilder voran. Gemeinsam fordern alle Kommunalpolitikerinnen einen wertschätzenderen Umgangston in der Kommunalpolitik und appellierten an ihre männlichen Kollegen: „Wir wissen, wo wir stehen, und wir wissen, dass es noch viel zu tun gibt. Es liegt an allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, junge und engagierte Frauen für den kommunalpolitischen Weg zu ermutigen: Einfach mitmachen und mitgestalten!“

Deutliche Geschlechterunterschiede

Im Vorfeld der Konferenz wurde von der FH Kärnten unter Leitung von Politologin Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle im Auftrag des Österreichischen Gemeindebundes eine Umfrage unter Kommunalpolitikern und Kommunalpolitikerinnen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten deutliche Geschlechterunterschiede: Frauen in der Kommunalpolitik erleben höhere Belastungen, mehr Kritik und strukturelle Hürden, was sich auch in ihrer geringeren Repräsentation und niedrigeren Ambition für Spitzenämter niederschlägt. Während demokratische Grundwerte insgesamt breit geteilt wurden, betonten Frauen stärker die Bedeutung von Beteiligung und kritisierten häufiger den politischen Umgangston. „Der Anteil an Bürgermeisterinnen steigt langsam. Viel schneller sinkt allerdings das Bewusstsein für die Hürden für Frauen in diesem Amt. Maßnahmen wie direkte Ansprache und Unterstützung von interessierten Frauen bleiben also wichtig, vor allem im Hinblick auf die geringe Bereitschaft der Vizebürgermeisterinnen, das Amt des Gemeindechefs anzustreben“, so Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle.

Gemeinsame Botschaft

Die Bürgermeisterinnen und Vizebürgermeisterinnen aus Österreich, Deutschland, Schweiz und Südtirol setzten ein starkes Zeichen in Wien: Mehr Frauen in kommunalen Ämtern stärken die demokratische Basis, sie bringen vielfältige Perspektiven in politische Entscheidungen ein und wirken als Vorbilder für kommende Generationen. Die Botschaft an alle Frauen lautete: „Einfach tun!“ – sich engagieren, laut sein, eigene Erfahrungen einbringen und in der Politik mitbestimmen.

Inspiration, Austausch und konkrete Orientierung

Die Konferenz bot Inspiration, Austausch und konkrete Orientierung für alle, die Verantwortung in ihrer Gemeinde übernehmen wollen.

Die Konferenz wurde vom Österreichischen Gemeindebund zum fünften Mal in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie dem Schweizerischen Gemeindeverband sowie erstmals dem Südtiroler Gemeindenverband mit Unterstützung der Präsidentschaftskanzlei Österreich und des Bundespräsidialamts Deutschland durchgeführt.

Das zweitägige Programm bot eine vielseitige Mischung aus Podiumsdiskussionen, Fachvorträgen und interaktiven Workshops. Ein besonderer Höhepunkt war der festliche Empfang in der Wiener Hofburg auf Einladung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Doris Schmidauer – ein deutliches Zeichen der Wertschätzung für die Kommunalpolitikerinnen. Dabei ergaben sich zahlreiche Gelegenheiten zum internationalen Austausch, unter anderem mit der deutschen Schirmherrin Elke Büdenbender sowie weiteren Kommunalpolitikerinnen aus dem deutschsprachigen Raum.

Girls in Politics – Mädchen begleiten Bürgermeisterinnen im Alltag

Aus der 1. Bundesfachtagung für Bürgermeisterinnen in Wien heraus ist das Projekt „Girls in Politics“ entstanden. Im Rahmen des Projekts haben Mädchen und junge Frauen die Möglichkeit, einen Tag lang ihre Bürgermeisterin bzw. ihren Bürgermeister in deren politischem Arbeitsalltag zu begleiten.

Weitere Informationen

Sehr ausführliche Informationen und Videos zur Wiener Konferenz unter: https://gemeindebund.at/termine/buergermeisterinnenkonferenz26/

Redaktion

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