Bayerischer Ministerrat: Starke Impulse für Mittelfranken

GZ Ausgabe GZ-23-2025 vom 4. Dezember 2025 | Landes-, Bundes- und Europapolitik, Verbände
von Doris Kirchner
Orangerie Ansbach
Orangerie Ansbach. Bild: Makalu_Pixabay

Mittelfranken steht vor einer Phase intensiver staatlicher Investitionen. Wie der Ministerrat bei seiner Sitzung in der Orangerie Ansbach ankündigte, werde der Regierungsbezirk in den kommenden Jahren verstärkt bei Infrastrukturprojekten, Forschungsvorhaben, Energiestrategien und kommunalen Aufgaben unterstützt. Ein Schwerpunkt liege auf der Verbesserung der finanziellen Spielräume der Städte und Gemeinden – aber auch Wirtschaft, Hochschulen, Verkehr und Tourismus profitierten von einer Reihe neuer oder fortgeführter Maßnahmen.

Die Finanzsituation der mittelfränkischen Kommunen ist im bayerischen Vergleich insgesamt solide. Die Steuerkraft liegt in Mittelfranken bei 1.434 Euro je Einwohner. Die mittelfränkischen Kommunen profitieren massiv vom kommunalen Finanzausgleich. Allein im vergangenen Jahr flossen daraus knapp 1,7 Milliarden Euro nach Mittelfranken – dies entspricht 16 Prozent der gesamten Finanzausgleichsleistungen bei einem Einwohneranteil von 13,5 Prozent. Von den Schlüsselzuweisungen, dem Kernelement des kommunalen Finanzausgleichs, gehen 2025 knapp 791 Mio. Euro in den Regierungsbezirk. Das sind 436 Euro je Einwohner, 21 Prozent mehr als im bayerischen Durchschnitt. Bayernweit erhält die Stadt Nürnberg regelmäßig die höchsten Schlüsselzuweisungen, im Jahr 2025 sind es 256 Millionen Euro. Aber auch von weiteren Finanzausgleichsleistungen, wie etwa den Zuweisungen an die Bezirke und der Hochbauförderung, profitiert Mittelfranken im Verhältnis zum Einwohneranteil überproportional.

Mittelfranken gehört zu den innovativsten Regionen

Wirtschaftlich zählt Mittelfranken zu den innovativsten Regionen Deutschlands. Das Bruttoinlandsprodukt lag 2023 bei über 90 Milliarden Euro. Industrieunternehmen aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Messtechnik prägen die Struktur ebenso wie eine wachsende IT- und Start-up-Szene. Mit 90 Prozent Beschäftigungsquote in der Industrie ist der Regierungsbezirk zudem weniger von einzelnen Branchen abhängig als andere Regionen.

Der Freistaat setzt stark auf technologie- und innovationsorientierte Wirtschaftsförderung. Seit 2020 flossen 51,5 Millionen Euro Regionalförderung nach Mittelfranken. Gefördert wurde unter anderem der Ausbau hochmoderner Produktionslinien, die digitale Transformation kleiner und mittelständischer Betriebe sowie die Ansiedlung forschungsintensiver Unternehmen. Besonders im Bereich Künstliche Intelligenz, Robotik und Energietechnik entstehen neue Entwicklungsschwerpunkte – nicht zuletzt im Umfeld der Technischen Universität Nürnberg.

Ausbau der erneuerbaren Energien

Ein wichtiger Pfeiler der Zukunftsstrategie ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Mittelfranken erzeugt derzeit rund 3,3 Gigawatt Solarstrom und knapp 0,61 Gigawatt Windenergie. Die Region trägt damit erheblich zur bayerischen Energiewende bei. Neue Planungsgrundlagen, vereinfachte Genehmigungen und moderne Netzsteuerungen sollen weitere Projekte beschleunigen. Als Beispiel gilt der Bürgerwindpark Steigerwald, der dank einer innovativen Anschlusslösung an das Mittelspannungsnetz zahlreiche zusätzliche Windräder ermöglicht. Solche Pilotprojekte sollen künftig auch an anderen Standorten genutzt werden.

Verkehrlich bleibt Mittelfranken eine zentrale Drehscheibe zwischen Nord und Süd, Ost und West. Doch vielerorts besteht Modernisierungsbedarf.

Der sechsstreifige Ausbau von A3 und A6 zählt zu den größten laufenden Infrastrukturmaßnahmen in Bayern. Er soll Engpässe beseitigen und die Verkehrssicherheit erhöhen. Auf mehreren Staatsstraßen, darunter Abschnitten im Landkreis Roth und im Nürnberger Land, werden Brücken erneuert und Ortsdurchfahrten entlastet. Neue Ortsumgehungen sollen Verkehr aus Wohngebieten heraushalten und Lärm reduzieren.

Ein Mammutprojekt ist der kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs in Nürnberg. Die Staatsregierung unterstützt die Stadt bei diesem umstrittenen, aber verkehrlich bedeutsamen Bauvorhaben, das neue Tunnelabschnitte und umfassende Renaturierungsmaßnahmen vorsieht.

Regionale Reaktivierungen

Im Schienenverkehr setzt der Freistaat auf Elektrifizierung und Modernisierung. Die Franken-Sachsen-Magistrale, die Verbindung nach Tschechien und die Strecke Nürnberg–Erfurt gehören zu den priorisierten Vorhaben. Auch regionale Reaktivierungen – etwa der Hesselbergbahn – zeigen, dass viele Kommunen auf eine Wiederbelebung alter Schienenkorridore setzen, um ländliche Räume besser anzubinden. Parallel dazu sollen mehrere Bahnhöfe barrierefrei ausgebaut werden, darunter die Stationen Fürth, Georgensgmünd und Rothenburg ob der Tauber. Verbesserungen im S-Bahn-Netz wie zusätzliche Haltepunkte und engere Takte, werden derzeit geprüft.

Der Flughafen Nürnberg befindet sich ebenfalls in einer Phase der Modernisierung. Die Einführung neuer CT-Scanner zur Sicherheitskontrolle soll Wartezeiten verkürzen und den Komfort erhöhen. Nach einem deutlichen Passagieranstieg im Jahr 2024 sieht sich der Airport gut aufgestellt, um seine Rolle als Wirtschaftsfaktor und touristisches Drehkreuz zu festigen.

Mit der Technischen Universität Nürnberg (UTN) entsteht seit 2021 eines der bedeutendsten deutschen Hochschulprojekte. Die Universität ist die erste bundesweit, die in ihrer Grundstruktur auf Künstliche Intelligenz, interdisziplinäre Forschung und flexible Studienmodelle ausgerichtet ist. Zwei Studiengänge sind bereits gestartet, 18 Professuren berufen, und rund 150 Studierende haben ihr Studium aufgenommen. Das erste Gebäude auf dem Campus Lichtenreuth ist bezogen, weitere sollen in den kommenden Jahren folgen – der vollständige Ausbau wird bis in die 2030er Jahre reichen. Eine zentrale Rolle spielt die geplante KI-Plattform, die den Austausch zwischen Forschung, Unternehmen und öffentlicher Verwaltung stärken und den Standort Mittelfranken auf dem Weg zu einem führenden KI-Cluster voranbringen soll.

Parallel wächst die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Mit dem neuen „Ohm Innovation Center“ hat sie ein Kompetenzzentrum eröffnet, das Unternehmen, Forschungslabore und Start-ups miteinander vernetzt. Auf dem Areal „Auf AEG“ entstehen zusätzliche Flächen für Lehre und Labore. Zudem wird die Einrichtung eines modernen Medien- und IT-Zentrums geprüft, das neue Möglichkeiten für digitale und audiovisuelle Produktion bieten soll.

Höchstwerte beim Toursimus

Höchstwerte erreichte 2024 der Tourismus in Mittelfranken: 4,7 Millionen Gäste und 9,7 Millionen Übernachtungen bedeuten ein neues Rekordniveau. Die Region profitiert von ihrer kulturellen Vielfalt, historischen Städten wie Nürnberg, Rothenburg oder Ansbach sowie der wachsenden Bedeutung des Outdoor- und Radtourismus.

Der Freistaat unterstützt die touristische Entwicklung mit Programmen zur Modernisierung von Bädern, Thermen, Wanderwegen und Kongressinfrastruktur. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Fränkischen Seenland, wo die Wasserqualität weiter verbessert werden soll – unter anderem durch ökologische Maßnahmen und moderne Filtertechnologien. Gleichzeitig bewirbt sich die Metropolregion Nürnberg um den Titel „Welterbe Agrarkultur“, mit dem Landwirtschaft, regionale Identität und Tourismus enger verzahnt werden könnten.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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