Bayerischer Innovationspreis Ehrenamt 2026: Gemeinsam stark für morgen
von Doris Kirchner

Unter dem Motto „Ehrenamt in Bayern – Gemeinsam stark für morgen“ verlieh Sozialministerin Ulrike Scharf in München den Bayerischen Innovationspreis Ehrenamt 2026. Sechs Projekte wurden in der Kategorie „Innovative Projekte“ mit jeweils 10.000 Euro ausgezeichnet, fünf weitere Ideen erhielten in der Kategorie „Neue Ideen“ je 3.000 Euro.
In der Kategorie „Innovative Projekte“ wurde die „FamilienAuszeit Meitingen“ des Vereins Anders Normal e.V. im Landkreis Augsburg geehrt. Das Angebot richtet sich an Familien mit beeinträchtigten Angehörigen und umfasst regelmäßige, kostenlose Treffen mit Vorträgen, Mitmachaktionen, Geschwisterangeboten und Austauschmöglichkeiten. Ergänzt wird dies durch Kinderbetreuung sowie Informationsangebote rund um Inklusion. Neben einem inklusiven Zeltlager organisiert der Verein Schulprojekte und betreibt eine bundesweite Inklusionslandkarte zur besseren Vernetzung von Betroffenen.
Wohnen für Benachteiligte
Der Verein Münchner Freiwillige – Wir helfen e.V. stellt im Projekt „Wohnen für sozial Benachteiligte“ in München Wohnraum für Geflüchtete, Alleinerziehende und Menschen mit geringem Einkommen bereit. Als Hauptmieter übernimmt er Kautionen, sichert Mietzahlungen und haftet für Schäden. Dadurch wird er zu einem verlässlichen Partner für Vermieter. Neben der Wohnraumvermittlung bietet der Verein auch soziale Betreuung, um Integration und Teilhabe zu fördern. Seit 2016 konnten so über 240 Wohnungen bereitgestellt und rund 1.000 Menschen unterstützt werden.
Das „Johanniter-Hilfsmobil“ der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ist seit 2024 im Augsburger Stadtgebiet im Einsatz und versorgt wohnungs- und obdachlose Menschen direkt vor Ort. Das niedrigschwellige und kostenfreie Angebot umfasst Wundversorgung, Behandlung akuter Erkrankungen sowie ärztliche Sprechstunden. Getragen wird das Projekt von qualifizierten Ehrenamtlichen und einem starken Netzwerk.
Das Projekt „We Rise Together“ in München unterstützt Frauen aus verschiedenen Kulturen, die Gewalt erfahren haben. In einem geschützten Rahmen bieten Betroffene gemeinsam mit Fachkräften Gruppenangebote, Peer-Beratung sowie kreative und therapeutische Formate wie Kunst, Tanz und Yoga an. Interkulturelle Ansätze und der Austausch von Erfahrungen stärken Resilienz, Selbstvertrauen und soziale Bindungen. Seit 2018 wurden über 200 Frauen aus mehr als 50 Nationen begleitet.
Der „Babyboomer-Marktsonntag“ der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Heilsbronn (Landkreis Ansbach) bot 2025 ein breit gefächertes Programm für Menschen im Übergang zum Ruhestand. Im Mittelpunkt standen Fragen nach Sinn, Engagement und gesellschaftlicher Teilhabe. Mit Informations-, Austausch- und Erlebnisformaten sowie einer „Ehrenamtsbörse“ wurden rund 500 Besucherinnen und Besucher erreicht. Gleichzeitig stärkte die Veranstaltung die Zusammenarbeit lokaler Organisationen.
Digitale Teilhabe für alle
„Tech4All – Digitale Teilhabe für alle“ ist ein medienpädagogisches Projekt des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland e.V. in Lindau. Ziel ist es, Jugendliche, auch mit Behinderung, zu befähigen, digitale Anwendungen selbst zu entwickeln. Ehrenamtliche begleiten die praxisnahen Projekte, aus denen konkrete Ergebnisse wie barrierefreie Tools entstehen. Dadurch werden nicht nur digitale Kompetenzen, sondern auch Teamfähigkeit, Selbstvertrauen und gesellschaftliche Mitbestimmung gestärkt.
Ehrenamtlich für Frauen in Not
In der Kategorie „Neue Ideen“ wurde „SHELTER CONNECT – Ehrenamtlich stark für Frauen in Not“ in Schwabach ausgezeichnet. Geplant ist ein Netzwerk, das Frauen bei häuslicher Gewalt, Stalking oder digitalem Missbrauch schnell und niedrigschwellig unterstützt. Neben einer digitalen Plattform mit Notruf- und Chatfunktion soll ein ehrenamtliches Patinnen-Netzwerk entstehen, das Betroffene im Alltag begleitet und den Zugang zu bestehenden Hilfesystemen erleichtert.
Das Projekt „Ehrenamtliche Klima- und Energielotsen für den ländlichen Raum“ aus Finning (Landkreis Landsberg am Lech) sieht vor, Ehrenamtliche zu qualifizieren, die Bürgerinnen und Bürger vor Ort unabhängig zu Energie- und Klimafragen beraten. Geplant sind Schulungen, Hausbesuche und Informationsveranstaltungen. Die Lotsen sollen als Bindeglied zwischen Bevölkerung, Kommunen und Fachstellen wirken und konkrete Maßnahmen anstoßen.
Offenes Mitmachformat
Das Barcamp „Demokratie braucht DICH!“ des Vereins Münchner Freiwillige – Wir helfen e.V. in München brachte engagierte Bürgerinnen und Bürger zusammen, um gemeinsam Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. In einem offenen Mitmachformat entstanden innerhalb kurzer Zeit konkrete Projektideen, die anschließend durch ein Netzwerk weiter begleitet und umgesetzt werden.
Mit „Neue Wege – Neue Kräfte in der Jugendarbeit“ möchte der Kreisjugendring Dillingen gezielt Menschen ab etwa 45 Jahren für ein Engagement gewinnen. Eine angepasste Ausbildung kombiniert pädagogische Grundlagen, rechtliches Wissen und praktische Methoden. Ziel ist es, neue Zielgruppen einzubinden, generationenübergreifende Zusammenarbeit zu fördern und die Jugendarbeit nachhaltig zu stärken.
Die Jugendfeuerwehr in Wurz (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) plant ein inklusives Projekt, das Menschen mit Behinderung Einblicke in die Arbeit der Feuerwehr ermöglicht. Durch praktische Übungen und Simulationen sollen Ängste abgebaut und Verständnis für Einsätze geschaffen werden.