Gastbeitrag von Marian Rappl, Hauptgeschäftsführer, Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft: Sicherheit braucht Substanz – Wie Wasserkraft und ein Sicherheitspakt Bayern unsere Versorgung krisenfest machen
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Wenn Systeme unter Druck geraten, entscheidet sich, was wirklich trägt. Für Bayern ist das mehr denn je die Wasserkraft. Sie steht nicht nur für gesicherte Versorgung, Klimaschutz und regionale Wertschöpfung – sie ist ein zentraler Pfeiler der Krisenvorsorge und ein unverzichtbarer Baustein für die Resilienz unserer kritischen Infrastruktur.
Die Ausgangslage ist klar: Unser Energiesystem wird volatiler, geopolitische Unsicherheiten nehmen zu und gezielte Angriffe auf Infrastruktur sind längst keine abstrakte Gefahr mehr. Sabotageakte mit zehntausenden betroffenen Haushalten zeigen, wie verletzlich hochkomplexe Versorgungssysteme geworden sind. In dieser neuen Realität braucht es robuste, verlässliche und unabhängige Strukturen. Genau hier entfaltet die Wasserkraft ihre strategische Stärke.
Wasserkraft ist grundlastfähig, steuerbar und weitgehend unabhängig von kurzfristigen Wettereinflüssen. Sie liefert kontinuierlich Strom – auch dann, wenn andere erneuerbare Energien schwanken. Durch ihre dezentrale Verteilung in der Fläche trägt Wasserkraft zur Systemresilienz bei: Wenn Großkraftwerke ausfallen, können mehrere Wasserkraftwerke an verschiedenen Standorten den Leistungsausfall kompensieren – ein systemweiter Kollaps wird so verhindert. Diese strukturellen Eigenschaften machen sie zu einem Stabilitätsanker im Netz – gerade in Krisensituationen.
Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Vorteil: Wasserkraft ist heimisch und benötigt keine importierten Energieträger. Sie ist damit ein Garant für energiepolitische Souveränität. In einer Zeit, in der Versorgungssicherheit auch eine Frage nationaler Handlungsfähigkeit ist, wird dieser Aspekt zunehmend zum sicherheitspolitischen Argument.
Doch Resilienz entsteht nicht von allein. Die Realität zeigt, dass auch Wasserkraftanlagen gefährdet sind: abgelegene Standorte, zunehmende Digitalisierung und hohe Transparenz über kritische Infrastrukturen erhöhen das Risiko. Deshalb reicht es nicht, auf die Stärken dieser Technologie zu vertrauen. Wir müssen sie aktiv schützen und strategisch weiterentwickeln.
Resilienz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie gelingt nur im Zusammenspiel von Staat, Sicherheitsbehörden und Betreibern. Genau hier setzt der Vorschlag des VBEW für einen Sicherheitspakt Bayern an. Er ist ein notwendiger und überfälliger Schritt, um die bayerische Energie- und Wasserversorgung krisenfest aufzustellen.
Ein solcher Pakt muss klare Zuständigkeiten schaffen, Entscheidungswege vereinfachen und den Schutz kritischer Infrastruktur zur prioritären Aufgabe machen. Er braucht eine enge, institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Behörden und Versorgern, regelmäßige Lagebewertungen und abgestimmte Sicherheitskonzepte. Ebenso wichtig ist ein verlässlicher rechtlicher und finanzieller Rahmen: Wer Resilienz erwartet, muss sie auch ermöglichen.
Zugleich geht es um einen kulturellen Wandel. In Ausnahmesituationen muss die Sicherung der Versorgung oberste Priorität haben – über regulatorische Detailfragen hinaus. Betreiber brauchen Handlungsspielräume, um schnell und pragmatisch reagieren zu können. Sicherheit darf nicht an Bürokratie scheitern.
Der Sicherheitspakt Bayern wäre dabei weit mehr als ein politisches Signal. Er wäre ein konkretes Bekenntnis, unsere kritische Infrastruktur gemeinsam zu schützen – ressortübergreifend, praxisnah und verbindlich. Er würde Strukturen schaffen, die im Ernstfall tragen: mit klarer Führung, abgestimmten Abläufen und belastbaren Netzwerken bis in die Regionen hinein.
Die Wasserkraft kann und muss in diesem Kontext eine Schlüsselrolle übernehmen. Sie ist nicht nur ein Teil der Energieversorgung, sondern ein strategisches Sicherheits-Asset. Ihre Fähigkeit, stabil und dauerhaft Strom zu liefern, macht sie zu einem Fundament, auf dem sich auch in Krisenzeiten Verlässlichkeit aufbauen lässt.
Gerade für Kommunen ist das von zentraler Bedeutung. Eine funktionierende Energieversorgung ist Voraussetzung für nahezu alle Bereiche der Daseinsvorsorge – von der Wasserversorgung über die medizinische Infrastruktur bis hin zur öffentlichen Sicherheit. Ohne Strom steht das System still. Wasserkraft hilft, genau das zu verhindern.
Die Konsequenz ist eindeutig: Wir müssen die Wasserkraft stärken, ihre Rolle in der Energiepolitik neu bewerten und ihre Bedeutung für die Resilienz unserer Systeme klar benennen. Dazu gehören verlässliche Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und ein politisches Verständnis, das über reine Klimaziele hinausgeht.
Wer heute Verantwortung für die Zukunft unserer Infrastruktur trägt, darf die Wasserkraft nicht als Randthema behandeln. Sie ist ein zentraler Baustein unserer Sicherheitsarchitektur. In einer unsicheren Welt ist sie das, was wir am dringendsten brauchen: verlässlich, regional, stabil.
Oder anders gesagt: Wenn Systeme unter Druck geraten, entscheidet sich ihre Stärke. Die Wasserkraft ist bereit, diese Stärke zu liefern. Jetzt ist es an der Politik, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.