Staatsminister Glauber: Hochwasserschutz wird weiter ausgebaut

GZ Ausgabe GZ-15-16-2026 vom 30. Juli 2026 | Wasser & Abwasser
von Doris Kirchner
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Der Freistaat Bayern treibt den Hochwasserschutz weiter voran. Nach Angaben des Umweltministeriums haben in den vergangenen zwei Jahren bereits mehr als 800 Städte und Gemeinden den sogenannten Hochwasser-Check genutzt. Gleichzeitig wurden in Coburg umfangreiche Schutzmaßnahmen an der Lauter abgeschlossen und in Regensburg ein weiterer Abschnitt des Hochwasserschutzes fertiggestellt.

Fakt ist: Der Klimawandel mit häufigeren Extremwetterereignissen wie Starkregen und Hochwasser ist eine zunehmende Herausforderung.

Starkregen kann überall auftreten und selbst kleine Bäche innerhalb kurzer Zeit in reißende Flüsse verwandeln. Der Hochwasser-Check soll Kommunen dabei unterstützen, Risiken frühzeitig zu erkennen und geeignete Vorsorgemaßnahmen zu entwickeln.

Gezielte Vorsorge durch Hochwasser-Check

„Die Städte und Gemeinden sind besonders wichtige Akteure im Schutz vor Hochwasser. Durch gezielte Vorsorgemaßnahmen können sie dazu beitragen, Hochwasserschäden in der eigenen Gemeinde zu vermeiden. Die Menschen sollen sich wirksam schützen können“, erklärte Staatsminister Glauber. Er appellierte an alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, das Beratungsangebot zu nutzen.

Den Hochwasser-Check gibt es seit zwei Jahren. Kern des Angebots ist ein ausführliches Beratungsgespräch zwischen den Wasserwirtschaftsämtern und den jeweiligen Kommunen, das bei Bedarf durch Ortsbegehungen ergänzt wird. Gemeinsam werden mögliche Gefahren identifiziert und Vorsorgemaßnahmen erarbeitet. Bis Juni 2026 wurde mehr als 1.750 Kommunen und damit über 85 Prozent aller bayerischen Städte und Gemeinden ein Beratungsgespräch angeboten. Rund 820 Kommunen haben den Hochwasser-Check bereits erfolgreich abgeschlossen.

Neben der fachlichen Beratung unterstützt der Freistaat die Kommunen auch finanziell beim Hochwasserschutz an Gewässern dritter Ordnung sowie bei der klimaresilienten Umgestaltung von Gewässern. Über die Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben (RZWas) stehen dafür in diesem Jahr insgesamt 11 Millionen Euro für den nichtstaatlichen Wasserbau zur Verfügung. Gefördert werden unter anderem Maßnahmen zum Hochwasserschutz, zur Starkregenvorsorge sowie zur ökologischen und klimaangepassten Entwicklung von Gewässern.

Laut Umweltministerium ist die Verbesserung des Hochwasserschutzes eine dauerhafte gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Seit Beginn der bayerischen Hochwasserschutzprogramme im Jahr 2001 wurden hierfür mehr als vier Milliarden Euro investiert.

Meilenstein in Coburg

Einen wichtigen Meilenstein stellt der Abschluss der Hochwasserschutzmaßnahmen an der Lauter in Coburg dar. Wie Minister Glauber erläuterte, seien mit der Fertigstellung der letzten beiden Bauabschnitte künftig rund 2.000 Einwohner, Teile der Coburger Innenstadt sowie die wichtige Infrastruktur im Bahnhofsviertel besser vor Überschwemmungen geschützt. Darüber hinaus wurden Zugänge zum Gewässer geschaffen, ein Aussichtspunkt errichtet, die Lauter ökologisch aufgeweitet und Bäume gepflanzt.

Coburg liegt mit den Zuflüssen Itz, Lauter, Rottenbach und Sulzbach in einer Tallage südlich des Thüringer Waldes und war in der Vergangenheit wiederholt von Hochwasser betroffen. Besonders das Weihnachtshochwasser 1967 führte zu schweren Überschwemmungen im Bahnhofsviertel. Das Hochwasserschutzkonzept für den Raum Coburg umfasst deshalb mehrere Bausteine, darunter den Froschgrundsee, den Goldbergsee mit Lauterüberleiter sowie örtliche Schutzmaßnahmen entlang der Lauter.

In den beiden letzten Bauabschnitten wurden unter anderem bis zu vier Meter hohe Hochwasserschutzwände, Treppenabgänge zum Gewässer, ein Pumpwerk mit drei Pumpen und ein Trennbauwerk errichtet. Außerdem wurden der Geh- und Radweg verlegt und das nicht mehr genutzte Lauterkraftwerk zurückgebaut. Die Gesamtkosten einschließlich Grunderwerb belaufen sich auf rund acht Millionen Euro. Davon trägt der Freistaat Bayern 65 Prozent, darunter eine EU-Kofinanzierung von gut 2,5 Millionen Euro, während die Stadt Coburg 35 Prozent übernimmt. Die Hochwasserschutzmaßnahme wurde in vier Bauabschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt wurde 2013 eingeweiht, der zweite 2015 fertiggestellt. Mit den 2021 begonnenen dritten und vierten Bauabschnitten ist das Projekt nun abgeschlossen.

Moderner Hochwasserschutz in Regensburg

Auch in Regensburg schreitet der Ausbau des Hochwasserschutzes voran. Mit der Fertigstellung des Abschnitts Sallern sind inzwischen elf der insgesamt 18 geplanten Bauabschnitte umgesetzt. Dieser Abschnitt ist Glauber zufolge ein Beispiel dafür, wie moderner Hochwasserschutz in einer Großstadt mit einer attraktiven Gestaltung des öffentlichen Raums verbunden werden kann. Neben Deichen, Schutzmauern und mobilen Verschlüssen entstanden neue Sport- und Spielplätze, aufgewertete Uferbereiche sowie eine neue Parklandschaft.

Nach Angaben des Ministers soll zudem das neue Bayerische Wassergesetz die Umsetzung künftiger Hochwasserschutzmaßnahmen beschleunigen. Künftig werden entsprechende Vorhaben als überragendes öffentliches Interesse eingestuft und sollen dadurch bei Planungen und Genehmigungen Vorrang erhalten.

Die neue, rund einen Kilometer lange Hochwasserschutztrasse in Sallern schützt künftig etwa 400 Menschen vor Überschwemmungen. Zusammen mit dem naturnah gestalteten Ufer- und Vorlandbereich gilt das Projekt als Beispiel für das Aktionsprogramm „PRO Gewässer 2030“ des Bayerischen Umweltministeriums. Die Investitionskosten belaufen sich auf rund zwölf Millionen Euro. Das Vorhaben wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE IBW) kofinanziert.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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